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Kettner Edelmetalle
26.01.2026
06:08 Uhr

Digitale Entmündigung: Krankenkassen wollen Patienten den Arztbesuch per App verweigern

Digitale Entmündigung: Krankenkassen wollen Patienten den Arztbesuch per App verweigern

Was sich zunächst nach einer harmlosen Digitalisierungsmaßnahme anhört, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als weiterer Schritt zur Entmenschlichung unseres Gesundheitswesens. Die gesetzlichen Krankenkassen planen die Einführung eines sogenannten "digitalen Navigators", der künftig darüber entscheiden soll, ob ein Patient überhaupt noch einen Arzt aufsuchen darf.

Zwangs-App vor dem Arztbesuch

Nach den Vorstellungen des Kassen-Spitzenverbandes soll die Nutzung dieses digitalen Werkzeugs künftig verpflichtend sein, bevor überhaupt eine Arztpraxis aufgesucht werden kann. Der Zugriff erfolgt entweder über eine Smartphone-App oder telefonisch über die Kassenärzte-Hotline 116117. Man fragt sich unweigerlich: Was geschieht mit älteren Menschen, die mit moderner Technik nicht vertraut sind? Was ist mit jenen Bürgern, die bewusst auf ein Smartphone verzichten?

Die Vize-Verbandschefin Stefanie Stoff-Ahnis verkauft diese Maßnahme als längst überfällige Modernisierung. "Wir müssen das deutsche Gesundheitswesen endlich in die digitale Gegenwart bringen", erklärt sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Als Begründung werden der Fachkräftemangel und Finanzierungsprobleme angeführt – Probleme wohlgemerkt, die durch jahrzehntelange politische Fehlentscheidungen erst entstanden sind.

Algorithmen statt Ärzte

Besonders bedenklich erscheint die Vorstellung, dass das System künftig eigenständig Rezepte ausstellen und Überweisungen zu Fachärzten veranlassen soll – ganz ohne ärztlichen Kontakt. Für chronisch Kranke sollen sogar Folgerezepte automatisiert ausgestellt werden können. Die Verbandsvertreterin formuliert es unverblümt: "Es wird zukünftig sicherlich bestimmte Versorgungsprozesse geben, die rein digital abgewickelt werden können, ohne dass überhaupt noch ein ärztlicher Kontakt erforderlich ist."

Durch strukturierte Fragen und die Nutzung von Daten aus der elektronischen Patientenakte soll die Dringlichkeit einer Behandlung festgestellt werden. Ein Algorithmus entscheidet dann, ob der Patient zum Hausarzt darf, in die Notaufnahme geschickt wird oder lediglich eine Video-Sprechstunde erhält.

Kosteneinsparung auf Kosten der Patienten

Hinter der schönen Fassade der Digitalisierung verbirgt sich letztlich ein knallhartes Sparkonzept. Weniger Arztbesuche bedeuten weniger Kosten für die Krankenkassen. Dass dabei das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis auf der Strecke bleibt – ein Verhältnis, das seit Jahrhunderten das Fundament guter medizinischer Versorgung bildet – scheint die Verantwortlichen nicht zu kümmern.

Am Dienstag will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von der CDU mit verschiedenen Verbänden aus der Gesundheitsbranche über die Gestaltung eines Primärarztsystems beraten. Es bleibt zu hoffen, dass dabei auch kritische Stimmen Gehör finden, die vor einer vollständigen Technisierung der medizinischen Grundversorgung warnen.

Ein weiterer Schritt zur Zwei-Klassen-Medizin

Die Entwicklung fügt sich nahtlos in einen besorgniserregenden Trend ein: Während Privatpatienten weiterhin direkten Zugang zu ihren Ärzten genießen werden, müssen sich gesetzlich Versicherte künftig erst durch digitale Hürden kämpfen. Die viel beschworene Gleichheit im Gesundheitswesen wird damit endgültig zur Farce. Deutschland, einst stolz auf sein solidarisches Gesundheitssystem, bewegt sich mit großen Schritten in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin – und die Politik schaut tatenlos zu.

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