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Kettner Edelmetalle
17.06.2026
06:07 Uhr

Die Schweiz verliert ihren Glanz: Warum Notenbanken ihr Gold abziehen – und dem Dollar den Rücken kehren

Die Schweiz verliert ihren Glanz: Warum Notenbanken ihr Gold abziehen – und dem Dollar den Rücken kehren

Es ist eine stille Revolution in den Tresoren der mächtigsten Geldhüter dieser Welt. Während die Notenbanken rund um den Globus ihren Goldhunger ungebremst stillen, vollzieht sich im Hintergrund eine bemerkenswerte Verschiebung: Die einst so unangefochtene Schweiz, jahrzehntelang das Symbol für Sicherheit, Diskretion und Neutralität, verliert an Bedeutung. Und der US-Dollar? Der einstige unangreifbare König der Weltwährungen wankt – und das nun nicht mehr nur in den Augen der Schwellenländer.

Vom Tresor-Champion zum Zweifelsfall

Laut dem aktuellen Jahresbericht des World Gold Council schrumpfte der Anteil der bei der Schweizerischen Nationalbank gelagerten Goldreserven dramatisch – von zwölf Prozent im Vorjahr auf nur noch sechs Prozent. Eine Halbierung innerhalb eines Jahres. Die Schweiz, die ihren Ruf über Generationen auf Stabilität und Verschwiegenheit aufgebaut hat, wird offenbar leise, aber bestimmt gemieden.

Die Gründe nennt die Umfrage nicht offen. Doch der zeitliche Zusammenhang spricht Bände: Der eskalierte Konflikt im Nahen Osten, der offene Krieg zwischen Israel und dem Iran, hat die Karten neu gemischt. Wer in unsicheren Zeiten sein Tafelsilber – oder besser: sein Tafelgold – verwahrt, denkt offenbar zweimal darüber nach, wo es am sichersten aufgehoben ist.

Der Dollar verliert seine Anhänger – sogar im Westen

Doch die wahre Sensation steckt an anderer Stelle. Ganze 74 Prozent der befragten Notenbanken erwarten, dass sie ihre Dollar-Reserven in den kommenden fünf Jahren reduzieren werden. Das mag im Ton nicht neu klingen. Neu ist jedoch, wer diese Erwartung äußert.

Wenn europäische und andere G10-Notenbanken ausdrücklich erklären, künftig weniger Dollar halten zu wollen, ist das eine ganz andere Aussage, als wenn Entwicklungsländer dasselbe verkünden.

Bisher war die Skepsis gegenüber dem Greenback vor allem ein Thema der aufstrebenden Volkswirtschaften. Heute aber ziehen die etablierten Industriestaaten an einem Strang mit den Schwellenländern. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Vertrauen in die amerikanische Leitwährung bröckelt – und zwar quer durch alle wirtschaftlichen Lager.

Gold kaufen, ohne den Dollar anzufassen

Besonders aufschlussreich ist die Art und Weise, wie die Notenbanken ihren Goldkauf neuerdings finanzieren. Die Hälfte aller Befragten plant, neue Goldbestände über inländische Programme in der eigenen Landeswährung zu erwerben. Im Klartext: Sie verkaufen keine Dollar mehr, um Gold zu kaufen – sie umgehen das gesamte Dollar-System.

Das ist ein struktureller Wandel von historischer Tragweite. Es entsteht ein Nachfragekanal nach Gold, der völlig unabhängig von der Liquiditätslage des Dollars funktioniert. Wer auch immer noch behauptet, Gold sei ein Relikt vergangener Zeiten, der sollte sich diese Zahlen genau ansehen.

Zölle, Handelskriege und die neue Unsicherheit

Hinzu kommt ein Faktor, der in früheren Umfragen vermutlich nicht einmal als Kategorie existierte: 54 Prozent der Befragten nennen Handelskonflikte und Zölle als relevant für ihre Reserve-Entscheidungen. Kein Wunder, in einer Welt, in der die neue US-Administration unter Donald Trump mit gewaltigen Zollschranken um sich wirft – 20 Prozent auf Importe aus der EU, 34 Prozent auf China. Die Schwellenländer zeigen sich dabei fast doppelt so besorgt wie die Industriestaaten, was ihre stärkere Abhängigkeit von Rohstoffexporten widerspiegelt.

Goldrausch der Notenbanken: 1.000 Tonnen pro Jahr

Die nackten Zahlen sind beeindruckend. In den vergangenen vier Jahren häuften die Notenbanken rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr an – doppelt so viel wie der Durchschnitt von 500 Tonnen im Jahrzehnt davor. Im April kamen netto 17 Tonnen hinzu, allen voran getrieben von Polen und China. Fast 90 Prozent der Notenbanken rechnen damit, ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken.

Die Motive? Schutz vor Inflation, Absicherung gegen geopolitische Risiken und die Diversifizierung des Portfolios. Rund die Hälfte der Befragten nannte genau diese klassischen Gründe – Gründe, die jeder vernünftige Sparer längst kennt, der seine Ersparnisse nicht der schleichenden Geldentwertung opfern möchte.

Der Goldpreis selbst zeigte sich nach einem Rücksetzer Mitte Mai inmitten der Nahost-Turbulenzen wieder erholt und notierte zuletzt bei 4.318 Dollar je Unze. Die Großbank Barclays wertete die jüngste Korrektur lediglich als „Reset" und hält an ihrem optimistischen Ausblick fest.

Was uns das lehrt

Die Botschaft dieser Umfrage, an der sich mit 76 Teilnehmern so viele Notenbanken beteiligten wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2017, ist eindeutig: Die Hüter des Geldes vertrauen in unsicheren Zeiten nicht auf bedrucktes Papier oder politische Versprechen, sondern auf das, was seit Jahrtausenden seinen Wert behält. Während Regierungen Schuldenberge auftürmen und Währungen ihrer Kaufkraft berauben, kehren die Profis zum ältesten Wertspeicher der Menschheit zurück. Wer genau hinschaut, erkennt: Das gelbe Metall ist kein Auslaufmodell – es ist der Anker einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät.

Physische Edelmetalle wie Gold und Silber können auch für den privaten Anleger eine sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung darstellen – als solider Baustein in einem gesunden, breit gestreuten Portfolio.


Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Die genannten Kursdaten und Markteinschätzungen dienen lediglich der Information. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Investitionen in Kapitalanlagen sind stets mit Risiken verbunden.

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