
Deutschlands Energiewende am Scheideweg: Kernkraft als Rettungsanker für die Industrie?
Während die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz weiterhin am Atomausstieg festhält und stattdessen auf den massiven Ausbau von Gaskraftwerken setzt, mehren sich die Stimmen, die vor einem industriellen Niedergang Deutschlands warnen. Die Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland präsentiert nun einen konkreten Fahrplan für die Rückkehr zur Kernenergie – und stellt dabei die gesamte Energiepolitik der Bundesregierung infrage.
Das Dilemma der deutschen Energiepolitik
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Windkraftanlagen liefern nur zu 24 bis 34 Prozent der Zeit Strom, Solaranlagen gar nur zu 11 Prozent. Im Vergleich dazu hätten die abgeschalteten deutschen Kernkraftwerke an rund 90 Prozent der Jahresstunden zuverlässig Energie geliefert. Diese eklatante Diskrepanz führt zu einem fundamentalen Problem: Deutschland ist zunehmend auf schmutzige Kohlekraftwerke und teure Gasimporte angewiesen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Besonders brisant: Der CO₂-Ausstoß der deutschen Stromerzeugung lag 2024 etwa zehnmal höher als der des Atomlands Frankreich. Ein vernichtendes Zeugnis für die angeblich so klimafreundliche Energiewende, die sich bei genauerer Betrachtung als Mogelpackung entpuppt.
Die versteckten Kosten der Energiewende
Was Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verschweigt: Die wahren Kosten der Energiewende tragen die deutschen Stromkunden. Netzausbau, Backup-Kraftwerke und die sogenannten Redispatch-Maßnahmen zur Netzstabilisierung treiben die Strompreise in schwindelerregende Höhen. Währenddessen könnten moderne Kernkraftwerke Strom für etwa 4 Cent pro Kilowattstunde produzieren – auf dem Niveau der günstigsten erneuerbaren Energien, aber ohne deren Unzuverlässigkeit.
"Deutschland ist inzwischen auf ausländische Reservekraftwerke angewiesen, um Engpässe im Stromnetz zu beheben. Die deutsche Energiewende sichert sich über andere Länder ab, die diese Funktion aber nur deswegen ausfüllen können, weil sie die Energiewende von Deutschland nicht nachmachen."
Diese schonungslose Analyse Wendlands offenbart die Absurdität der deutschen Energiepolitik: Wir machen uns abhängig von Ländern, die klug genug sind, unseren ideologischen Irrweg nicht mitzugehen.
Ein realistischer Weg zurück zur Vernunft
Wendlands Fahrplan für die Rückkehr zur Kernkraft ist pragmatisch und durchdacht. Schritt eins wäre ein sofortiges Rückbaumoratorium für die noch vorhandenen Anlagen. Fünf bis neun Reaktorblöcke könnten nach Expertenschätzungen innerhalb von drei Jahren wieder ans Netz gehen – wenn die Politik jetzt handelt.
Dafür müsste allerdings der Paragraf 7 des Atomgesetzes fallen, der faktisch ein Kernkraftverbot darstellt. Eine Änderung, die angesichts der drohenden Deindustrialisierung Deutschlands überfällig erscheint. Denn während die Politik von Klimaneutralität träumt, wandert die energieintensive Industrie bereits in Länder ab, die verlässlichen und bezahlbaren Strom bieten können.
Die Atommüll-Frage: Weniger dramatisch als behauptet
Auch das oft vorgebrachte Argument des Atommülls relativiert Wendland: Nach 60 Jahren Kernenergienutzung in Deutschland handelt es sich um lediglich 27.000 Kubikmeter hochaktiven Abfall – ein Volumen, das in wenige Einfamilienhäuser passen würde. Ein überschaubares Problem im Vergleich zu den Millionen Tonnen CO₂, die unsere fossilen Backup-Kraftwerke Jahr für Jahr in die Atmosphäre blasen.
Die Stunde der Entscheidung
Deutschland steht tatsächlich an einem Scheideweg: Entweder wir erreichen die Klimaneutralität mit unserer Industrie – oder ohne sie. Der aktuelle Kurs führt geradewegs in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Während unsere Nachbarländer auf einen klugen Energiemix aus Erneuerbaren und Kernkraft setzen, verharrt Deutschland in ideologischen Grabenkämpfen.
Die Lösung liegt auf der Hand: Ein Energiemix aus 60 Prozent erneuerbaren Energien und 40 Prozent Kernkraft würde Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit vereinen. Doch dafür müsste die Politik über ihren ideologischen Schatten springen und anerkennen, dass die reine Lehre der Energiewende gescheitert ist.
Es ist höchste Zeit, dass Deutschland aus seinem energiepolitischen Dornröschenschlaf erwacht. Die Alternative ist der schleichende Tod unserer Industrienation – ein Preis, den wir uns nicht leisten können und dürfen.