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18.01.2026
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Der schleichende Verfall der Arbeitsethik: Wenn Genuss wichtiger wird als Leistung

Der schleichende Verfall der Arbeitsethik: Wenn Genuss wichtiger wird als Leistung

Eine neue Studie offenbart einen besorgniserregenden Trend in der deutschen Gesellschaft: Die Arbeit als sinnstiftender Lebensinhalt verliert dramatisch an Bedeutung. Was einst das Rückgrat deutscher Wirtschaftskraft bildete – Fleiß, Pflichtbewusstsein und der Stolz auf geleistete Arbeit – scheint für immer mehr Menschen zur lästigen Nebensache zu verkommen.

Erschreckende Zahlen aus Hamburg

Das Institut GfK hat im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen eine repräsentative Umfrage durchgeführt, deren Ergebnisse aufhorchen lassen. Lediglich ein Drittel der Befragten, genauer gesagt 33 Prozent, möchte in der Arbeit noch etwas Sinnvolles leisten und dabei Freude empfinden. Vor zwei Jahrzehnten waren es noch über die Hälfte der Deutschen, die sich zu dieser Einstellung bekannten. Ein Absturz von 52 auf 33 Prozent innerhalb von zwanzig Jahren – das ist kein sanfter Wandel, das ist ein kultureller Erdrutsch.

Parallel dazu wächst die Fraktion der Genussmenschen beständig an. Gut ein Fünftel der Befragten bekennt sich mittlerweile offen dazu, das Leben genießen und sich nicht mehr als nötig abmühen zu wollen. Im Jahr 2006 äußerte sich nur jeder Siebte derart. Man könnte meinen, die deutsche Gesellschaft habe kollektiv beschlossen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen – ausgerechnet in Zeiten, in denen internationale Konkurrenz und wirtschaftliche Herausforderungen eigentlich das Gegenteil erfordern würden.

Die junge Generation zwischen Selbstverwirklichung und Arbeitsverweigerung

Besonders alarmierend erscheint die Entwicklung bei den jüngeren Jahrgängen. Bei den 18- bis 24-Jährigen sowie bei Singles zwischen 25 und 49 Jahren halten sich Genusssucher und Arbeitsame praktisch die Waage. Der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung, Ulrich Reinhardt, interpretiert diese Entwicklung diplomatisch als "neues Selbstverständnis" der jüngeren Generationen. Für sie bedeute ein gutes Leben nicht mehr berufliche Selbstaufopferung, sondern die Vereinbarkeit von Sinn, Freiheit und Wohlbefinden.

„Die Sinnfrage bleibt bestehen – sie verlagert sich jedoch."

Diese Aussage des Zukunftsforschers klingt zunächst neutral, doch sie verschleiert ein fundamentales Problem: Wer soll die Wirtschaftsleistung erbringen, wenn immer mehr Menschen primär an ihr eigenes Wohlbefinden denken? Wer finanziert die ausufernden Sozialsysteme, wenn die Leistungsbereitschaft kontinuierlich sinkt?

Gesellschaftlicher Wandel oder kultureller Niedergang?

Reinhardt führt die Entwicklung auf wachsende Unsicherheit, ökonomischen Druck und beschleunigten Wandel zurück. Der Wunsch nach Stabilität, Selbstschutz und Lebensqualität werde stärker. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Frühere Generationen haben unter weitaus schwierigeren Bedingungen – Kriege, Wiederaufbau, echte materielle Not – eine Arbeitsethik entwickelt, die Deutschland zum Wirtschaftswunderland machte.

Die heutige Entwicklung könnte vielmehr das Ergebnis jahrzehntelanger gesellschaftlicher Umerziehung sein. Wenn traditionelle Werte wie Pflichterfüllung, Durchhaltevermögen und Leistungsbereitschaft systematisch als überholt dargestellt werden, wenn Work-Life-Balance zum höchsten Gut erklärt wird und jede Form von Anstrengung als potenzielle Selbstausbeutung gilt, dann darf man sich über solche Umfrageergebnisse nicht wundern.

Die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft

Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dieser Mentalitätswandel nichts Gutes. Unternehmen klagen bereits jetzt über Fachkräftemangel und mangelnde Einsatzbereitschaft. Wenn künftige Generationen tatsächlich nicht mehr zwischen Pflicht und Vergnügen wählen, sondern beides bewusst miteinander verbinden wollen, wie Reinhardt prognostiziert, dann stellt sich die Frage: Was geschieht mit den Aufgaben, die nun einmal keinen Spaß machen, aber erledigt werden müssen?

Die Studie basiert auf der Befragung von 2000 repräsentativ ausgewählten Menschen ab 18 Jahren, durchgeführt zwischen dem 20. November und dem 1. Dezember 2025. Die Ergebnisse sollten als Weckruf verstanden werden – nicht nur für Arbeitgeber, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn eine Nation, die das Arbeiten verlernt, wird früher oder später auch das Wohlstandsniveau verlieren, das sie sich einst erarbeitet hat.

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