
Das verschwiegene Narrativ: Warum die Talkshow-Elite nur eine Seite des Ukraine-Konflikts kennt

Während in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und den großen Leitmedien stets dieselben Gesichter ihre Warnungen vor der russischen Bedrohung zum Besten geben, wächst im Schatten der etablierten Meinungsmacher ein alternativer Diskursraum heran. Dort kommen jene zu Wort, die man im Mainstream längst als "Putinversteher" abgestempelt und aus dem öffentlichen Diskurs verbannt hat.
Der Fall Alexander Rahr: Vom gefragten Experten zum Ausgestoßenen
Alexander Rahr verkörpert wie kaum ein anderer den Wandel im deutschen Russland-Diskurs. Der 1959 in Taipei geborene Politologe mit deutschbaltisch-russischem Hintergrund war einst ein gefragter Mann. Fast zwei Jahrzehnte arbeitete er bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, leitete bis 2012 das Berthold-Beitz-Zentrum mit den Schwerpunkten Russland, Ukraine, Belarus und Zentralasien. Er begleitete die Integration des postsowjetischen Russlands in die westliche Welt an prominenter Stelle – ganz im Geiste des von Michail Gorbatschow proklamierten "Europäischen Hauses" von Lissabon bis Wladiwostok.
Doch dann kam der Bruch. Nach 2010 begann in Deutschland ein offener Machtkampf im medialen und institutionellen Vorfeld. Wer die Osterweiterung des Westens nicht mit aller Konsequenz unterstützte, wurde diskreditiert und ausgegrenzt. Jahrelang hofierte Experten wie Rahr fanden sich plötzlich als "Russlandversteher" diffamiert wieder. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die viel über den Zustand unserer vermeintlich pluralistischen Debattenkultur aussagt.
Die Macht der etablierten Narrative
Natürlich macht es Russland seinen Kritikern nicht schwer. Annexion, Beihilfe zum Bürgerkrieg, Gewaltanwendung jenseits der eigenen Grenzen und schließlich die vollumfängliche Invasion der Ukraine – all das liefert den Hardlinern reichlich Munition. Die mediale Macht der Kritiker im etablierten Raum ist nahezu absolut geworden. Folgerichtig erwartet mittlerweile eine knappe Mehrheit der Deutschen einen russischen Angriff in den kommenden Jahren.
Doch ist das wirklich die ganze Wahrheit? Jenseits der Strack-Zimmermanns, Kiesewetters und Masalas dieser Republik existiert ein alternativer Raum, in dem differenzierende Perspektiven ihren Platz finden. Schließlich gibt es in jedem Konflikt mindestens zwei Seiten der Medaille. Es ist maßgeblich den alternativen Medien zuzuschreiben, dass rund 40 Prozent der Menschen hierzulande eben noch nicht glauben, dass Putin nach der Ukraine als Nächstes die NATO schlucken will.
Gäbe es nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die westdeutschen Leitmedien – die Angst vor der angeblichen russischen Gefahr wäre wohl noch viel weiter verbreitet.
Ein Roman als geopolitisches Infotainment
In diesem alternativen Medienraum hat auch der verstoßene Alexander Rahr seine neue Heimat gefunden. Nach mehreren, teils viel gelesenen Sachbüchern hat er nun seinen zweiten Roman vorgelegt: "Das Goldene Tor von Kiew". Das Werk firmiert zwar als Thriller, entpuppt sich aber als charmante Kombination aus Sachbuch und Rahmenerzählung – eine Art geopolitisches Infotainment, das dem Leser jenes "andere" Narrativ näherbringt.
Der Held Georgi Vetrov, ein Berliner Politologe mit unverkennbarer biografischer Ähnlichkeit zum Autor, begibt sich auf eine Kreuzfahrt erster Klasse. Parallel durchlebt sein Cousin Oreschak eine schwindelerregende Zeitreise durch Schlüsselszenen der russischen Geschichte. Beide Protagonisten geraten schließlich in den Strudel, der Europa zu zerreißen droht: die große Auseinandersetzung zwischen Ost und West.
Der kontinentale Kulturkampf
Im Hintergrund des Romans tobt intensiv der Kampf um die Zukunft Europas. Wer wird sich weltanschaulich durchsetzen? Die reiche und einflussreiche Gruppierung der "Modernen Liberalen" mit ihren universalen und individualistischen Werten? Oder doch das traditionelle Europa, dessen Heimstatt der Autor in Ländern wie Russland oder Ungarn verortet? Die Journalisten und Nichtregierungsorganisationen, die die Welt nach westlicher Façon beglücken wollen, gehen dabei robust und rabiat zur Sache.
Damit wird auch der kontinentale Kulturkampf thematisiert – jener Konflikt zwischen progressiven Kräften und traditionellen Werten, der unsere Gesellschaften zunehmend spaltet. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet Länder wie Ungarn, die sich gegen den Zeitgeist stemmen, im westlichen Mainstream als Parias behandelt werden.
Eine notwendige Ergänzung zum Einheitsbrei
Rahrs Buch ist wohlgemerkt nicht das Narrativ von Historikern wie Karl Schlögel oder Timothy Snyder, auch nicht das von Strack-Zimmermann und Konsorten. Wer sich aber umfassend und halbwegs kurzweilig über jenes "andere" Narrativ informieren will, wer wissen möchte, was die denken, die nicht in die Talkshows eingeladen werden, dem sei diese Lektüre ans Herz gelegt.
In einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs zunehmend verengt wird und abweichende Meinungen als gefährlich gebrandmarkt werden, ist es wichtiger denn je, sich ein eigenes Bild zu machen. Die Wahrheit liegt selten bei einer Seite allein – und wer nur eine Perspektive kennt, kennt in Wahrheit gar keine.
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