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25.10.2026
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CO₂-Falle für Raffinerien: Droht Deutschland der Sprit-Notstand?

CO₂-Falle für Raffinerien: Droht Deutschland der Sprit-Notstand?
Symbolbild: KI-generiert

Deutschlands Raffinerien stehen mit dem Rücken zur Wand. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) hat am Donnerstag gewarnt, dass der EU-Emissionshandel erste Standorte noch vor 2030 in die Schließung treiben könnte. Nur einen Tag später erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Raffinerien zur strategischen Priorität. Am teuren grünen Umbau hält sie trotzdem fest.

Sechs Cent Nachteil, auf jeden Liter

Nach Angaben des Branchenverbands liegen die Kosten deutscher Raffinerien schon heute um mehr als sechs Cent je Liter verarbeitetem Rohöl über denen der Konkurrenz außerhalb der EU. Verantwortlich seien hohe Strom- und Gaspreise sowie der europäische CO₂-Handel. Viele internationale Wettbewerber müssten vergleichbare Kosten gar nicht tragen.

Das Prinzip dahinter ist simpel: Wer CO₂ ausstößt, muss dafür Zertifikate vorlegen. Einen Teil davon bekommen die Raffinerien bislang noch kostenlos. Knüpft Brüssel diese Entlastung an zusätzliche Auflagen, könnten nach Einschätzung des Verbands die ersten Werke dichtmachen. Klimapolitik würde so zur Standortfrage.

Noch mehr Bürokratie aus Brüssel

Ab Januar 2027 kommt die nächste Hürde. Importeure müssen dann bei bestimmten Rohöl-Lieferverträgen belegen, dass bei der Förderung gleichwertige Standards für die Überwachung und Überprüfung von Methanemissionen gelten. Auch bei der gemeinsamen Verarbeitung fossiler und erneuerbarer Rohstoffe sieht en2x Nachteile: Deutschland setze die EU-Vorgaben strenger um als seine Nachbarn. Mal wieder Musterschüler, und wieder auf eigene Kosten.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verlangt, die CO₂-Steuer auf Kraftstoffe abzuschaffen und die EU-Methanverordnung zu stoppen. Am Donnerstag erklärte er:

„Die Raffinerie-Strategie muss ein Standortprogramm werden und darf kein Stilllegungsprogramm sein.“

Elf Standorte, 92 Millionen Tonnen

Was auf dem Spiel steht, zeigen die Zahlen. Die elf deutschen Raffineriestandorte können pro Jahr gut 92 Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Sie liefern Benzin, Diesel und Kerosin, aber auch wichtige Grundstoffe für die Chemie- und Pharmaindustrie. Das Ministerium räumt selbst ein, dass ein Wegfall dieser Anlagen nicht durch Importe ausgeglichen werden könne.

Dabei läuft die Produktion sogar auf Hochtouren. Laut Statistischem Bundesamt stellten die Raffinerien im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 15,8 Millionen Tonnen Diesel her, ein Plus von 9,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Die Benzinproduktion stieg um 1,8 Prozent auf elf Millionen Tonnen.

Wesseling als Warnsignal

Ein Gedankenspiel ist das Ganze nicht mehr. Im März 2025 beendete Shell im rheinischen Wesseling nach 85 Jahren die Verarbeitung von Rohöl zu Kraft- und Heizstoffen. Die dortige Destillation kam Berichten zufolge auf knapp acht Millionen Tonnen Jahreskapazität. Auf dem Gelände sollen künftig vor allem Grundöle entstehen.

Gas geben und gleichzeitig bremsen

Die Bundesregierung will die Raffinerien nicht nur erhalten, sondern auch umbauen. Statt fossiler sollen sie zunehmend nachhaltige Rohstoffe verarbeiten. Das kostet nach Angaben aus dem Bericht Milliarden. Der Branchenverband hält dagegen: Solche Summen ließen sich nur stemmen, wenn Energie- und CO₂-Kosten sinken und die Gesetze verlässlich bleiben.

Reiche will nun mit der Mineralölwirtschaft, den Ländern und den Gewerkschaften eine neue Raffineriestrategie ausarbeiten. Erste Ergebnisse werden im ersten Quartal 2027 erwartet. Kritiker dürften fragen, ob die Branche so viel Zeit überhaupt noch hat. Wer Werke mit immer neuen Abgaben belastet und ihnen zugleich teure Investitionen abverlangt, fährt mit angezogener Handbremse.

Am Ende geht es um mehr als Spritpreise. Es geht darum, ob Deutschland seine Grundversorgung mit Kraftstoffen und Industrierohstoffen selbst in der Hand behält. Gerade in unsicheren Zeiten wäre es aus Sicht vieler Beobachter fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass im Ernstfall schon genug Tanker anlegen.

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