
CDU im freien Fall: Der eigene Sozialflügel rechnet mit der Spitze ab!

Die Union hat ein Problem in den eigenen Reihen. Nach drei verlorenen Landtagswahlen verlangt die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), der Arbeitnehmerflügel der CDU, eine grundlegende Reform der Partei. Wie aus einem Strategiepapier hervorgeht, über das die „Welt“ berichtet, fällt das Urteil über die Parteiführung von Kanzler Friedrich Merz vernichtend aus.
Der zentrale Satz des Papiers hat es in sich:
„Wir werden unserem Anspruch, Volkspartei zu sein, nicht mehr gerecht.“
Der Schock von Schwerin
Auslöser ist ein Wahlabend, den die Christdemokraten so noch nie erlebt hatten. In Mecklenburg-Vorpommern kam die CDU am 20. September laut vorläufigem amtlichem Endergebnis auf nur noch 4,9 Prozent. Damit scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde und flog erstmals in ihrer Geschichte aus einem deutschen Landesparlament. 2021 hatte sie dort noch 13,3 Prozent geholt.
Medienberichten zufolge ist das das schlechteste CDU-Ergebnis bei einer Landtagswahl seit 1949. Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Auch in Berlin gab es am selben Tag eine Klatsche: Die Union stürzte auf 18,8 Prozent ab, rund 9,5 Punkte weniger als 2023, und die Linke zog klar an ihr vorbei. Zuvor hatte die CDU schon in Sachsen-Anhalt verloren.
Nach dem Debakel im Nordosten dürfe niemand einfach weitermachen wie bisher, mahnt die CDA. Die Warnung ist deutlich:
„Wer jetzt den Wecker nicht gehört hat, verschläft die Zukunftsfähigkeit unserer Partei.“
Nicht nur Merz ist schuld
Bemerkenswert ist, dass der Arbeitnehmerflügel die Verantwortung nicht allein beim Kanzler und Parteichef ablädt. Die CDU habe über Jahre den Draht zu großen Teilen der Bevölkerung verloren, heißt es in dem Papier. Viele gesellschaftliche Gruppen kämen in der Union kaum noch vor, zu viele Menschen empfänden sie nicht mehr als politische Heimat.
Die Partei sei laut CDA „weder eine FDP light noch eine einzig konservative Partei“. Diese Formulierung dürfte im Adenauer-Haus für Unruhe sorgen. Denn Merz war einst angetreten, um der CDU nach den Merkel-Jahren wieder ein klares Profil zu geben. Stattdessen regiert er in einer Großen Koalition mit der SPD, und für viele Wähler ist von einem Politikwechsel wenig zu spüren. Das Rekord-Sondervermögen auf Pump, obwohl vorher solide Finanzen versprochen worden waren, hat viel Vertrauen gekostet.
Handwerker statt Hinterzimmer
Was verlangt die CDA konkret? Der Forderungskatalog klingt nach Bodenhaftung:
- Bei Kandidaturen sollen Beschäftigte aus Industrie, Handwerk, Pflege, Bildung und Mittelstand stärker zum Zug kommen.
- CDA, Mittelstandsvereinigung, Junge Union und Frauen Union sollen früher an strategischen Entscheidungen beteiligt werden.
- Digitale und hybride Sitzungen sowie feste Anfangs- und Endzeiten sollen Menschen mit Beruf und Familie die Mitarbeit erleichtern.
Der letzte Punkt klingt unscheinbar, trifft aber einen wunden Punkt. Wer tagsüber arbeitet, Kinder großzieht oder einen Betrieb führt, hat kaum Zeit für Ortsvereinssitzungen, die bis Mitternacht dauern. So bleiben am Ende oft Berufspolitiker unter sich.
Eine Partei verliert ihre Basis
Wie ernst die Lage ist, zeigen die Mitgliederzahlen. 1990, im Jahr der Wiedervereinigung, zählte die CDU noch 789.609 Mitglieder. 2025 waren es nur noch 356.769. Das ist ein Minus von rund 55 Prozent. Besonders dünn ist die Basis mittlerweile in Teilen Ostdeutschlands, also genau dort, wo die Partei jetzt an der Wahlurne abgestraft wurde.
Die CDA will deshalb neue Wege bei der Mitgliederwerbung gehen und mehr Mitsprache ermöglichen. Ihr Fazit ist hart:
„Eine Volkspartei, die nur noch mit sich selbst spricht, hört auf, Volkspartei zu sein.“
Reicht ein neues Sitzungsformat?
Offen bleibt, ob organisatorische Reformen genügen. Kritiker innerhalb und außerhalb der Union dürften einwenden, dass die Wähler weniger an Sitzungszeiten Anstoß nehmen als an der Politik selbst: hohe Abgaben, eine schwächelnde Wirtschaft, ungelöste Probleme bei Migration und innerer Sicherheit. Wenn der Sozialflügel die Partei nun noch weiter nach links ziehen will, könnte das die Entfremdung vom bürgerlichen Kern eher verstärken.
Klar ist: Die Warnung kommt aus dem Innersten der Partei, und sie kommt spät. Ob Friedrich Merz sie ernst nimmt, wird sich zeigen. Die nächsten Wahlen werden es zeigen.

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