
CDU-Bürgermeister fällt der eigenen Partei in den Rücken: Wegner liebäugelt mit Vermögenssteuer

Es ist ein politisches Schauspiel, das sinnbildlicher kaum sein könnte für den Zustand der Union im Jahr 2026: Während Bundeskanzler Friedrich Merz noch vor wenigen Tagen in der ARD ein kategorisches Nein zu Steuererhöhungen für Spitzenverdiener formulierte, fällt ihm ausgerechnet ein eigener Parteifreund öffentlich in den Rücken. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) preschte vor und erklärte gegenüber RTL und ntv, man werde „nicht umhinkommen, auch an der Vermögensteuer etwas zu tun“. Eine Steilvorlage für die SPD – serviert vom eigenen Koalitionspartner.
Solidaritätsrhetorik aus dem Berliner Rathaus
Wegner bemühte das alte Lied vom Solidarprinzip: Wer „deutlich mehr Geld“ habe, müsse im Rahmen einer Steuerreform einen Beitrag leisten. Das klingt vertraut – nur eben nicht aus dem Mund eines Christdemokraten, sondern aus dem Repertoire sozialdemokratischer Umverteilungsfantasien. Pikant: Das offizielle Wahlprogramm der Union lehnt eine Vermögenssteuer explizit ab. Wegner stellt sich damit nicht nur gegen seinen Kanzler, sondern auch gegen die Beschlusslage seiner eigenen Partei.
Die SPD reibt sich die Hände
Die Genossen dürften jubilieren. Erst kürzlich hatten mehrere SPD-Fachpolitiker einen Sechs-Punkte-Plan „für mehr Steuergerechtigkeit“ präsentiert, in dem eine Debatte über die Vermögenssteuer für Multimillionen- und Milliardenvermögen ausdrücklich gefordert wird. Fraktionsvize Wiebke Esdar erklärte in der Parteizeitung „Vorwärts“ vollmundig, gegen eine Vermögenssteuer bei Milliardären könne „niemand etwas haben“. Im Konzept von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ist die Vermögenssteuer zwar offiziell nicht enthalten – dafür aber eine höhere Einkommensteuer für Gutverdiener. Auch dies hatte Merz brüsk abgelehnt mit den Worten, Klingbeil müsse „wissen, dass das mit der CDU/CSU nicht geht – auch mit mir nicht“.
Eine Koalition im Dauerkonflikt
Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD, die seit Mai 2025 unter Merz regiert, gleicht zunehmend einer Zweckgemeinschaft, deren Kitt bröckelt. Die Stimmung innerhalb der Bundesregierung gilt als katastrophal, die Streitthemen häufen sich. Wegners Solo-Auftritt dürfte das ohnehin angespannte Klima weiter vergiften. Wer eine konservative Wirtschaftspolitik wählte, sieht sich nun mit einer Union konfrontiert, die nicht einmal in den eigenen Reihen klare Linie hält. Stattdessen findet eine schleichende Anpassung an sozialdemokratische Positionen statt – ein Muster, das viele Wähler aus den Merkel-Jahren noch schmerzlich in Erinnerung haben.
Die Vermögenssteuer – ein altes Gespenst kehrt zurück
Die Vermögenssteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben, nachdem das Bundesverfassungsgericht ihre damalige Ausgestaltung für verfassungswidrig erklärt hatte. Ihre Wiedereinführung hätte erhebliche Konsequenzen: Kapitalflucht, eine weitere Schwächung des Mittelstands und vor allem die symbolische Botschaft, dass Leistung in Deutschland bestraft, nicht belohnt wird. Hinzu kommt, dass die Bewertung von Betriebsvermögen, Immobilien und Anteilen einen bürokratischen Aufwand erzeugt, der den fiskalischen Ertrag häufig auffrisst. Doch solche ökonomischen Realitäten scheinen in der politischen Debatte zunehmend nachrangig zu sein – Hauptsache, das Narrativ der „Gerechtigkeit“ wird bedient.
Warum gerade jetzt Sachwerte zählen
Wenn ein CDU-Bürgermeister offen mit Vermögenssteuer-Ideen kokettiert, sollte das jedem Sparer und Vermögensbesitzer zu denken geben. In einem Umfeld, in dem die Politik immer dreister nach den Ersparnissen der Bürger greift, gewinnen physische Sachwerte – allen voran Gold und Silber – an Bedeutung. Edelmetalle entziehen sich der unmittelbaren staatlichen Verwertungslogik, sind seit Jahrtausenden bewährter Werterhalt und stellen in unruhigen politischen Zeiten eine sinnvolle Ergänzung jedes breit gestreuten Vermögensportfolios dar. Wer angesichts der aktuellen Berliner Begehrlichkeiten nur auf Sparbuch und Aktiendepot setzt, vertraut auf ein System, das offenkundig zunehmend instabil wird.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen stellen die Meinung der Redaktion dar und sind keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Für individuelle finanzielle, steuerliche oder rechtliche Entscheidungen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Berater. Eine eigenständige Recherche und Prüfung der Sachverhalte ist unerlässlich. Eine Haftung für getroffene Entscheidungen auf Basis dieses Beitrags wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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