
Caritas-Preis für Merkel: Laudatorin will die Altkanzlerin zurück!

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Freitagabend im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses den Elisabeth-Preis des Caritasverbands für die Diözese Augsburg erhalten. Für Gesprächsstoff sorgte aber vor allem die Laudatorin. Die Satirikerin Sarah Bosetti schlug Merkel als Kanzlerkandidatin vor und bekam prompt eine klare Absage.
Ein Seitenhieb auf Merz
Bosetti lobte Merkel ausdrücklich für ihren Umgang mit der Migration. Dann folgte ein Satz, der unverkennbar auf den amtierenden Kanzler Friedrich Merz zielte:
„Wir haben es jetzt eine Weile mit einem Mann als Bundeskanzler versucht – ganz ehrlich: Hat nicht geklappt.“
Das mag im Saal für Lacher gesorgt haben. Wer eine Regierungsbilanz allerdings am Geschlecht festmacht statt an Ergebnissen, macht es sich bemerkenswert bequem. Über Wachstum, Schulden oder Sicherheit sagt so ein Satz nichts aus.
Bosetti ging in ihrer Laudatio noch weiter. Merkel werde für das geehrt, wofür sie am meisten gehasst werde. Die Menschen hätten ihr sowohl das „Wir schaffen das“ als auch ein tief ausgeschnittenes Kleid übel genommen. Mit dieser Deutung wird sachliche Kritik an politischen Entscheidungen kurzerhand zur persönlichen Abneigung erklärt.
Merkel winkt ab: Keine Rückkehr ins Kanzleramt
Die Altkanzlerin wies den Vorschlag trocken zurück: „Auch Satirikerinnen und Satiriker haben nicht immer die Kraft, Wünsche zur Realität zu bringen.“ Eine erneute Kandidatur schließe sie aus. Weil so viele Falschmeldungen im Umlauf seien, wolle sie das ausdrücklich klarstellen.
Nach 16 Jahren an der Spitze der Regierung, von 2005 bis 2021, bleibt es also beim Ruhestand. Für viele Bürger dürfte das eine beruhigende Nachricht sein.
„Brücken statt Mauern“ – ausgerechnet hier?
Caritasdirektor Markus Müller begründete die Wahl mit der wachsenden Spaltung der Gesellschaft. Ausgezeichnet werde „eine Haltung, die Brücken baut statt Mauern“. Der Preis ist nach der heiligen Elisabeth von Thüringen (1207–1231) benannt, der Schutzpatronin der Caritas. Wie der Verband mitteilte, ist er seine höchste Auszeichnung. Mit dem Festakt begannen die Aktionstage zur bundesweiten Herbstsammlung.
Die Ironie ist kaum zu übersehen. Viele Beobachter sehen gerade in der Grenzöffnung von 2015 einen Wendepunkt, an dem sich das Land tief gespalten hat. Die Folgen spüren Kommunen, Sozialkassen und Sicherheitsbehörden bis heute. Und die Laudatorin selbst hatte Ende 2021 mit einem Vergleich Ungeimpfter mit einem Blinddarm in einer ZDF-Sendung heftige Empörung ausgelöst. Als Brückenbauerin fiel sie damals nicht auf.
Empathie statt Effizienz?
In ihrer Rede warb Merkel für Kompromissbereitschaft und Rücksicht auf unterschiedliche Bedürfnisse. Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz brauche es Menschen, die Empathie zeigten. Man solle nicht nach der effizientesten Lösung suchen, sondern nach der, „die für den anderen Menschen die beste ist“.
Das klingt sympathisch. Doch für viele Bürger wäre gerade ein effizienter Staat die menschlichste Lösung. Dazu gehören kontrollierte Grenzen, bezahlbare Energie und eine Verwaltung, die funktioniert. Genau hier sehen Kritiker das schwere Erbe der Ära Merkel:
- die Migrationsentscheidungen von 2015 und ihre Folgekosten
- der beschleunigte Atomausstieg nach Fukushima 2011
- die wachsende Abhängigkeit von russischem Gas
Mit diesen Altlasten muss sich heute die Regierung Merz herumschlagen. Preise und Laudatien ändern daran nichts. In Augsburg wurde am Freitag vor allem die eigene Deutung einer Kanzlerschaft gefeiert. Eine ehrliche Bilanz dieser Jahre steht weiter aus.

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