
Brandmauer-Beben: CDU-Landtagspräsident droht mit Parteiaustritt

Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eskaliert der Streit in der Union. Baden-Württembergs Landtagspräsident Thomas Strobl (CDU) hat angekündigt, seine Partei zu verlassen, falls die CDU in Magdeburg in irgendeiner Form mit der AfD zusammenarbeitet. Auch Ex-Fraktionschef Volker Kauder meldete sich mit drastischen Worten zu Wort.
„Dann ist das nicht mehr meine CDU“
Strobl, zehn Jahre lang Innenminister unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und seit Mai dieses Jahres Präsident des Stuttgarter Landtags, äußerte sich gegenüber „Table.Briefings“. Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern, sagte er demnach. Noch hoffe er, dass dies gelinge.
„Dann ist das nicht mehr meine CDU“
Diesen Satz sprach Strobl den Berichten zufolge mit Blick auf eine mögliche Kooperation mit der AfD. Bemerkenswert ist, was er nicht sagte: Für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei – die selbst Kanzler Friedrich Merz mittlerweile nicht mehr ausschließen will – drohte er nicht mit Austritt.
Kauder warnt: „Sonst ist die CDU erledigt“
Rückendeckung bekam Strobl von Volker Kauder, dem langjährigen Chef der Unionsfraktion im Bundestag und engen Vertrauten Angela Merkels. Man müsse aus der Geschichte lernen und dürfe sich nicht täuschen lassen, mahnte er. Er sei entsetzt, wenn er in Gesprächen höre, man müsse es halt einmal probieren.
Die Brandmauer müsse halten, forderte Kauder – „sonst ist die CDU erledigt“. Dass ein Bündnis mit der Linken seine Partei ebenfalls zerreißen könnte, räumte er ein. Mit der AfD aber komme eine Zusammenarbeit auf keinen Fall in Frage.
Die nackten Zahlen aus Sachsen-Anhalt
Warum die Nervosität so groß ist, zeigt ein Blick in die Umfragen. Im ZDF-Politbarometer Extra vom 28. August kommt die AfD in Sachsen-Anhalt auf 40 Prozent, die CDU auf 23 Prozent. Dahinter folgen die Linke mit 13, die SPD mit 9 und die Grünen mit 6 Prozent.
Zum Vergleich: Bei der Wahl 2021 holte die CDU noch 37,1 Prozent, die AfD 20,8 Prozent. Innerhalb einer Legislaturperiode hätten sich die Kräfteverhältnisse damit nahezu umgedreht. Gewählt wird am 6. September 2026.
Ein Vetorecht der Altvorderen?
Rechnerisch bliebe der CDU nach heutigem Stand kaum eine Machtoption – außer mit der Linkspartei oder mit der AfD. Beobachter werten die Wortmeldungen der Parteiveteranen deshalb als Versuch, die Landesverbände vor dem Wahltag auf Kurs zu zwingen.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Debatte ein grundsätzliches Problem: Eine Volkspartei, die sich selbst die Hälfte ihrer möglichen Partner verbietet, verhandelt am Ende nicht mehr über Inhalte, sondern nur noch über Etiketten. Die Wähler in Sachsen-Anhalt dürften das genau registrieren.
Die entscheidende Frage stellt niemand in Berlin laut: Warum ist die AfD dort, wo sie ist? Wer über Migration, Energiepreise und wirtschaftlichen Abstieg jahrelang hinweggeht, muss sich über Protestwahl nicht wundern. Am 6. September wird abgerechnet – und danach beginnt für die CDU der wirklich unangenehme Teil.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.












