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25.08.2026
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Brandmauer als Bumerang: Warum die Welt auf Sachsen-Anhalt starrt

Brandmauer als Bumerang: Warum die Welt auf Sachsen-Anhalt starrt
Symbolbild: KI-generiert

Ein Bundesland, das international bislang kaum jemand auf der Landkarte suchte, ist plötzlich Weltnachricht. Von London über Paris und Madrid bis São Paulo berichten Zeitungen über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Die Frage, die sie umtreibt: Wird AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund der erste Ministerpräsident seiner Partei?

Die Ausgangslage ist für die etablierten Parteien alarmierend. Umfragen sehen die AfD bei rund 41 bis 43 Prozent – meilenweit vor der CDU. Ein Wahltrend vom 12. August wies der AfD 42,1 Prozent aus, der CDU 22,9 Prozent, der Linken 13,0, der SPD 6,6 und den Grünen 4,6 Prozent. Eine absolute Mehrheit der Landtagsmandate liegt damit im Bereich des Möglichen.

Der unbequeme Befund: Die Brandmauer half der AfD

Interessant ist weniger die Aufregung als die Ursachenanalyse. Selbst linksliberale Blätter kommen zu einem Schluss, der in Berliner Parteizentralen wehtun dürfte. Der britische „Guardian“ ordnet die Abstimmung als eine der bedeutendsten Landtagswahlen der Nachkriegsgeschichte ein – und fragt zugleich, ob die vielbeschworene Brandmauer nicht exakt das Gegenteil ihres Zwecks bewirkt habe.

Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Wer nie regieren darf, muss nie liefern. Weil die AfD von Verantwortung, Kompromiss und Scheitern konsequent ferngehalten wurde, konnte sie versprechen – während CDU und SPD die Folgen ihrer eigenen Politik erklären mussten.

Zugleich habe der Ausschluss die übrigen Parteien in immer neue Zweckbündnisse gepresst, heißt es in der Analyse. Die Unterschiede verwischten. Der AfD-Vorwurf von den austauschbaren „Kartellparteien“ sei damit ungewollt bestätigt worden. Bitter für Friedrich Merz: Er habe einst angekündigt, den AfD-Stimmenanteil zu halbieren – verdreifacht habe er sich seither.

Ein CDU-Kommunalpolitiker spendet 10.000 Euro – für die AfD

Ähnlich argumentiert das konservative britische Magazin „Spectator“: Wer jede Zusammenarbeit ausschließe, sei auf Bündnisse nach links angewiesen, müsse konservative Positionen räumen – und enttäusche die eigene Stammwählerschaft. Als Beleg nennt das Blatt den CDU-Kommunalpolitiker Bernd Prange, der öffentlich erklärte, AfD zu wählen, und Siegmunds Wahlkampf mit 10.000 Euro unterstützt habe.

Ein Einzelfall? Für viele Beobachter eher ein Symptom dafür, wie weit sich die Bundesspitze von Teilen der ostdeutschen Basis entfernt hat.

Die brasilianische „Folha de S.Paulo“ beschreibt derweil, wie die Brandmauer per Taktik gerettet werden soll: Aktivisten werben für Stimmen zugunsten von SPD und Grünen, damit diese die Fünfprozenthürde nehmen und eine absolute AfD-Mehrheit rechnerisch verhindern. Man kämpft nicht mehr um den eigenen Sieg, sondern nur noch um Schadensbegrenzung.

Wenn Dämonisierung zur Gratiswerbung wird

Zur politischen kommt die mediale Brandmauer – und auch die scheint zu bröckeln. Die spanische Zeitung „El País“ schildert, wie der „Spiegel“ Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ erklärte. Der „Spectator“ spricht von einem Eigentor: Der Text löse seine dramatische Überschrift nicht ein und zeichne den Politiker zugleich als freundlich, eloquent und begabt.

Die spanische Agentur EFE nennt ihn einen „aufgehenden Stern“ der Partei, das französische Magazin „Le Point“ eine neue Starfigur.

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart das ein politisches Grundproblem: Wer Wähler ausgrenzt statt ihre Anliegen zu bearbeiten – Migration, Energiepreise, innere Sicherheit –, treibt sie erst recht dorthin, wo er sie nicht haben will. Am 6. September wird abgerechnet.

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