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Kettner Edelmetalle
26.05.2026
08:12 Uhr

Bomben in der Nacht, Stille in Berlin: Wie Trumps Iran-Krieg deutsche Haushalte ausplündert

Es ist kurz nach Mitternacht in Washington, als das US Central Command eine Meldung absetzt, die binnen Minuten an den asiatischen Märkten den Ölpreis nach oben schießen lässt: Erneute Luftschläge gegen den Süden Irans, gegen Raketenstellungen und Boote, die angeblich Seeminen ausbringen sollten. Es handle sich, so lässt Navy-Sprecher Tim Hawkins verlauten, um „Verteidigungsschläge" zum Schutz eigener Truppen. Man halte sich – die Formulierung ist bemerkenswert – „während der laufenden Waffenruhe weiterhin zurück". Eine Waffenruhe, die bombardiert wird: willkommen in der neuen Weltordnung.

Ein eingefrorener Krieg, der jederzeit auftaut

Seit dem 8. April gilt offiziell die Feuerpause. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran, begonnen am 28. Februar dieses Jahres, dauert damit faktisch in eingefrorener Form fort – als militärische Dauerdrohung, die jederzeit wieder hochkochen kann. Genau das geschieht in dieser Nacht über Bandar Abbas. Während die Bomben fallen, sitzen iranische Chefunterhändler beim katarischen Premier in Doha am Verhandlungstisch. Auf dem Tisch liegt ein Memorandum of Understanding, eine Vorvereinbarung, die laut übereinstimmenden Berichten internationaler Agenturen drei Eckpunkte umfasst: eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage, die Wiederöffnung der Straße von Hormus binnen 30 Tagen nach Vertragsabschluss – und Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm.

Der harte Knochen: 440 Kilogramm angereichertes Uran

Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei dämpft die Erwartungen, die Trump tags zuvor lautstark geschürt hatte: Man habe sich „über einen großen Teil der Fragen" verständigt, aber von einer unmittelbaren Unterzeichnung könne keine Rede sein. US-Außenminister Marco Rubio spricht in Jaipur von „ein paar Tagen", die das Feilen am Wortlaut noch beanspruchen werde. Trump selbst hatte am Wochenende seine Unterhändler angewiesen, „nichts zu überstürzen" – eine seltene Mahnung zur Zurückhaltung aus dem Weißen Haus.

Die Knackpunkte haben es in sich: Was geschieht mit den rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran, über die Iran zu Kriegsbeginn verfügte? Trump will den Bestand „sofort" in US-Gewahrsam – oder „vor Ort zerstört" sehen. Hinzu kommen die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen und die heikle Frage nach Sanktionserleichterungen.

Trumps PR-Show: Abraham Accords als Krönungsmesse

Mitten in dieses fragile Gewebe wirft der US-Präsident eine politische Granate: Per Truth Social verlangt er „zwingend" von Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, der Türkei, Ägypten und Jordanien, „umgehend" den Abraham Accords beizutreten – jenen 2020 von Schwiegersohn Jared Kushner orchestrierten Verträgen, mit denen seinerzeit die Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan Israel anerkannt hatten. Ein möglicher Iran-Deal soll so zur Geburtsstunde einer „beispiellosen Weltkoalition" stilisiert werden.

Die Reaktion fällt allerdings ernüchternd aus. Pakistan lehnt umgehend ab; aus Riad, Ankara und Kairo: vielsagendes Schweigen. Saudi-Arabien beharrt auf einem palästinensischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt – eine Bedingung, die Israel kategorisch ausschließt. Und während in Doha verhandelt wird, kündigt Premier Benjamin Netanyahu an, die Angriffe auf die Hisbollah im Libanon zu „intensivieren" – trotz der seit Mitte April geltenden Feuerpause. Der „neue Nahe Osten", den Trump beschwört, gleicht damit eher einer Mondlandschaft aus Bombenkratern als einer prosperierenden Friedensregion.

Die Rechnung zahlt der deutsche Verbraucher

Für deutsche Haushalte ist all das keine ferne Geopolitik, sondern knallharter Inflationstreiber. Durch die Straße von Hormus fließt rund ein Fünftel des weltweiten Öls und verflüssigten Erdgases. Seit Kriegsbeginn passieren nach iranischen Angaben pro Tag nur noch wenige Dutzend Schiffe – statt der üblichen 125 bis 140. Rund 20.000 Seeleute sitzen auf Hunderten Tankern im Golf fest. Eine maritime Geiselnahme im Schatten der Weltöffentlichkeit.

Die Folgen sind in jeder deutschen Tankfüllung, jeder Heizkostenabrechnung, jedem Lebensmittelregal angekommen: Preisspitzen bei Öl, gestiegene Kosten für Treibstoff, Düngemittel und Nahrungsmittel. Dass die Ölpreise am Montag zunächst um vier Prozent auf Zwei-Wochen-Tiefs fielen – und nach den nächtlichen US-Schlägen sofort wieder anzogen – illustriert, wie nervös die Märkte taktieren. Jede Eskalations-Schlagzeile kostet deutsche Familien real Geld.

Dass nun erste LNG-Tanker wie die „Fuwairit", „Al Rayyan" und „Al Hamra" wieder aus Katar Richtung Pakistan, China und Indien auslaufen, ist allenfalls ein zartes Tauwetter. Doch die Routen führen ostwärts. Europa, das nach dem Wegfall russischer Pipeline-Gase ohnehin am LNG-Weltmarkt klebt, konkurriert nun mit asiatischen Käufern um knappes Angebot zu Risikoaufschlägen. Den Preis dafür zahlt der Bürger an der Zapfsäule – und beim nächsten Blick auf die Heizkostenabrechnung.

Berlin schweigt – Brüssel ist Zaungast

Und was tut die Bundesregierung? Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Kanzler Friedrich Merz hat in den vergangenen drei Monaten keinen Moment gefunden, in dem sie diesen Krieg, der nach klassischen Maßstäben des Völkerrechts ein Aggressionsakt sein dürfte, beim Namen genannt hätte. Stattdessen gibt es Solidaritätsbekundungen mit Israels „Selbstverteidigungsrecht", diplomatisches Schulterzucken bei den US-Bunkerbrecher-Einsätzen gegen iranische Atomanlagen und ein „Wir verfolgen die Lage mit Sorge" als wohlfeile Standardformel.

Die Europäische Union, die einst den Atomdeal JCPOA mitverhandelte und über Jahre als Brückenbauer auftrat, kommt in Doha schlicht nicht mehr vor. Nicht in Trumps Truth-Social-Posts, nicht in den geleakten Memorandums-Entwürfen, nicht am Verhandlungstisch. Vermittler ist Katar, Garantiemacht sind die USA, militärischer Akteur ist Israel. Brüssel ist Zaungast einer Neuordnung, deren wirtschaftliche Folgen vor allem europäische Volkswirtschaften tragen.

Wer einen Krieg nicht einmal beim Namen nennen mag, sitzt am Ende auch nicht am Tisch, wenn über die Bedingungen seiner Beendigung entschieden wird.

Der eigentliche Skandal: Deutschland macht sich selbst klein

Das ist die bittere Lehre dieser Nacht: Eine Bundesregierung, die ihre außenpolitische Stimme konsequent abgibt, verliert nicht nur moralische Glaubwürdigkeit – sie verliert handfesten Einfluss auf die Bedingungen, unter denen Energie nach Europa fließt. Während die deutsche Industrie unter explodierenden Energiepreisen ächzt, während Bäcker, Mittelständler und Familienbetriebe reihenweise aufgeben, während die geplanten 500 Milliarden Euro Sondervermögen die Inflation weiter befeuern werden, schweigt Berlin zu einem Krieg, der die Lebenshaltungskosten in Deutschland direkt nach oben treibt. Wir sind nicht mehr Akteur, sondern Objekt. Das ist die außenpolitische Bilanz einer Regierung, die das Wort „Verantwortung" zwar im Titel ihres Koalitionsvertrags führt – sich aber bei jeder Gelegenheit aus eben dieser Verantwortung stiehlt.

Was bleibt für den Bürger?

Trump verkauft seinen vermeintlichen „Deal" als „historischen Moment". Realistisch betrachtet ist es das diplomatische Aufräumen eines Krieges, der nie hätte begonnen werden dürfen – und der eine Weltordnung hinterlässt, in der Europa erkennbar kleiner geworden ist. Für den deutschen Sparer und Bürger bedeutet das: Wer in dieser Gemengelage allein auf Papierwerte, Aktien-Indizes oder die Geldwertstabilität des Euro setzt, vertraut sein Vermögen Kräften an, die niemand mehr kontrolliert. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen geopolitischer Verwerfungen seit Jahrtausenden bewiesen, dass sie Krisen, Kriege und Währungsexperimente überdauern. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie das, was sie immer waren: ein stiller, krisenfester Anker in stürmischen Zeiten.

Hinweis: Die in diesem Beitrag geäußerten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion wieder. Wir betreiben ausdrücklich keine Anlageberatung. Jeder Leser ist angehalten, eigenständig zu recherchieren beziehungsweise einen qualifizierten Berater zu konsultieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Eigenverantwortung.

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