
Blackout-Alarm in den USA: Notfallorder für 67 Millionen Menschen!

Am 17. September 2026 geriet das größte Stromnetz der USA gefährlich nahe an seine Belastungsgrenze. Weil beim Netzbetreiber PJM Interconnection eine späte Hitzewelle auf massive Kraftwerksausfälle traf, erließ das US-Energieministerium in Washington eine Notfallorder. Der große Blackout blieb aus. Doch der Vorfall zeigt, wie dünn das Eis selbst in der größten Volkswirtschaft der Welt geworden ist.
Ein Riesennetz am Limit
PJM ist kein Provinzversorger. Der Betreiber koordiniert die Stromversorgung für rund 67 Millionen Menschen in Teilen von 13 Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington, D.C. Am Tag vor dem Ernstfall rief PJM bereits eine Maximum Generation Alert und eine Load Management Alert aus.
Die Lage war heikel. Zunächst rechnete PJM mit einer Spitzenlast von 133.355 Megawatt, später mit rund 132.000 Megawatt. Gleichzeitig standen etwa 36.000 Megawatt Kraftwerksleistung nicht zur Verfügung, dazu kamen Ausfälle bei den Leitungen. Zum Vergleich: Während der Julihitze hatten die Kraftwerksausfälle noch bei rund 19.000 Megawatt gelegen.
Warum so viel Leistung fehlte, hat einen banalen Grund. Die Hitze traf genau auf den Start der Herbst-Wartungssaison, in der Kraftwerke und Leitungen üblicherweise von Mitte September bis Dezember überholt werden. Auch die Nachbarn im Süden und Westen stöhnten unter noch höheren Temperaturen und wollten zusätzliche Stromimporte.
Notbremse aus Washington
Nach eigenen Angaben rief PJM geplante Wartungen zurück oder sagte sie ab, soweit das technisch ging. Am Nachmittag aktivierte der Betreiber mehrere Demand-Response-Programme. Dabei erhalten Kunden vorab Geld dafür, dass sie ihren Verbrauch auf Abruf drosseln. In den Gebieten BGE, Pepco und Dominion galt zusätzlich Notfall-Lastmanagement der Stufe EEA 2.
Parallel griff das Energieministerium ein. Grundlage war Abschnitt 202(c) des Federal Power Act. Die Order erlaubte PJM, bestimmte Kraftwerke einzusetzen und Umweltauflagen vorübergehend auszusetzen. Außerdem durfte PJM Rechenzentren und andere Großverbraucher anweisen, auf eigene Notstromaggregate umzuschalten, und zwar als letzte Stufe vor einer noch dramatischeren EEA-3-Lage.
Der Minister teilt aus
US-Energieminister Chris Wright nutzte den Anlass für eine klare politische Ansage. Laut Mitteilung seines Ministeriums verwies er darauf, dass im Spätsommer die Tage kürzer würden und Solaranlagen entsprechend weniger lieferten. Die Aufsichtsorganisation NERC und andere hätten davor gewarnt, verlässliche Kraftwerke vorschnell stillzulegen. Frühere Regierungen hätten das Netz mit ihrer Politik anfälliger gemacht, wenn die Sonne nicht scheine oder der Wind nicht wehe. Nach Schätzung des Ministeriums sind landesweit noch mehr als 35 Gigawatt ungenutzter Notstromkapazität verfügbar.
Glück gehabt – diesmal
Am Abend entspannte sich die Lage spürbar. Für den 18. September sah PJM keinen Bedarf mehr an den zusätzlichen Ressourcen, die Notfallorder lief an diesem Tag aus. Flächendeckende Abschaltungen gab es nicht.
Beruhigend ist das aber nur auf den ersten Blick. Ein Hochleistungsnetz musste wegen eines warmen Septembertags zu Notfallmitteln greifen. Ohne Eingriffe aus Washington, bezahlten Verbrauchsverzicht und Aggregate im Keller der Rechenzentren wäre es womöglich eng geworden. Gerade die Datenzentren im Bundesstaat Virginia, dem Dominion-Gebiet, treiben den Strombedarf seit Jahren nach oben.
Eine Warnung, die auch Berlin hören sollte
Für deutsche Leser klingt das beunruhigend vertraut. Hierzulande gingen im April 2023 die letzten Kernkraftwerke vom Netz, Kohlemeiler sollen folgen, und die Bundesregierung hat die Klimaneutralität bis 2045 sogar im Grundgesetz festgeschrieben. Kritiker fragen seit Langem, welche grundlastfähigen Kraftwerke in einer windstillen, dunklen Stunde einspringen sollen.
Die USA haben gezeigt, dass sich eine Krise mit Reserven und schnellen Entscheidungen abwenden lässt. Wer diese Reserven aus ideologischen Gründen abbaut, dem bleibt am Ende womöglich nur die Hoffnung auf gutes Wetter. Als Energiepolitik ist das reichlich wenig.

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