
Hitze-Alarm in den USA: Stromnetz der Carolinas am Limit!

Knapp 36 Grad, laufende Klimaanlagen, ein Netz kurz vor der Belastungsgrenze: Der US-Versorger Duke Energy hat am 18. September Millionen Kunden in North und South Carolina gebeten, weniger Strom zu verbrauchen. Außerdem holte sich der Konzern eine Notfallgenehmigung aus Washington. Er warnte, ohne zusätzliche Maßnahmen könnten gezielte Abschaltungen nötig werden.
20.102 Megawatt: die Rechnung fĂĽr einen heiĂźen Nachmittag
FĂĽr den Nachmittag erwartete Duke Energy eine Spitzenlast von rund 20.102 Megawatt. Zwischen 14 und 20 Uhr sollten die Kunden deshalb sparen. Das ist die Zeit, in der BĂĽros, Fabriken und Haushalte gleichzeitig kĂĽhlen.
In Charlotte stieg das Thermometer am Freitag auf 96 Grad Fahrenheit, also knapp 36 Grad Celsius. Das lag rund 14 Grad Fahrenheit über dem langjährigen Durchschnitt für diesen Tag. Die Klimaanlagen liefen entsprechend auf Hochtouren.
Der Versorger hatte vorher schon 2.089 Megawatt zusätzliche Leistung eingekauft. Lastmanagement und freiwilliger Verzicht der Kunden sollten mehr als 500 Megawatt einsparen. Das Unternehmen hielt das trotzdem nicht für genug.
Washington springt ein, und zwar in Rekordzeit
Das US-Energieministerium genehmigte den Antrag noch am selben Tag. Grundlage ist Abschnitt 202(c) des Federal Power Act, ein Notfallparagraf für Situationen, in denen die Versorgung akut gefährdet ist. Laut Ministerium gilt die Anordnung vom 18. bis zum 21. September.
Duke Energy darf damit bestimmte Kraftwerke bei Bedarf stärker einsetzen. Als letzte Reserve darf der Konzern auch große Notstromaggregate seiner Kunden anweisen, ans Netz zu gehen. Energieminister Chris Wright erklärte laut Medienberichten:
„Today's order will help secure reliable electricity access for millions of American families and businesses across North and South Carolina by making additional power generation, including backup power, available to use as needed."
Wenn Umweltauflagen plötzlich zweitrangig werden
Die Genehmigung hat eine bemerkenswerte Seite. Unter bestimmten Bedingungen dürfen Kraftwerke vorübergehend einzelne Umweltgrenzwerte überschreiten, etwa bei Stickoxiden, Kohlenmonoxid und flüchtigen organischen Verbindungen. Vorher muss Duke Energy allerdings alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen.
Die Lehre daraus ist unbequem, aber eindeutig: Wenn das Licht auszugehen droht, zählt zuerst die Versorgungssicherheit. Ideologie kommt dann an zweiter Stelle.
Schon wieder? Der zweite Notruf binnen zwei Wochen
Für Duke Energy ist das kein Einzelfall. Schon am 3. September hatte das Ministerium dem Konzern eine ähnliche Anordnung erteilt, gültig über das verlängerte Labor-Day-Wochenende bis zum 8. September. Branchenberichten zufolge rechnete der Versorger damals mit einer noch höheren Spitzenlast von etwa 22.295 Megawatt.
Auch anderswo in den USA wird es eng. Einen Tag vor der Carolina-Anordnung erhielt der groĂźe Netzbetreiber PJM ebenfalls eine NotfallverfĂĽgung. FĂĽr Kohlekraftwerke in Indiana ordnete Washington an, sie bis Dezember betriebsbereit zu halten. Betroffen sind bei Duke rund 3,9 Millionen Kunden in North Carolina und mehr als 870.000 in South Carolina.
Was Deutschland daraus lernen sollte
Man könnte das als amerikanisches Hitzeproblem abtun. Das wäre ein Fehler. Die USA sind eines der energiereichsten Länder der Welt, und trotzdem stoßen einzelne Netze bei Extremwetter an ihre Grenzen. Dort hat man wenigstens Kraftwerke, die man hochfahren kann.
Und Deutschland? Die Kernkraftwerke sind abgeschaltet, Kohlekraftwerke gehen nach und nach vom Netz. In windstillen Hitzeperioden liefern Windräder kaum etwas, der Strom kommt dann zunehmend aus dem Ausland. Kritiker der Energiewende warnen seit Jahren genau davor. Grundlast lässt sich eben nicht per Parteitagsbeschluss herstellen.
Die Carolinas zeigen, was ein belastbares Netz im Ernstfall braucht: Reserven, die man steuern kann, schnelle Entscheidungen und einen Staat, der Versorgungssicherheit an die erste Stelle setzt. Ob die Bundesregierung diese Lektion verstanden hat, muss sie erst noch beweisen.
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