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Kettner Edelmetalle
02.09.2026
12:55 Uhr
KI-generiert

Berlin schaltet den Verhaltensscanner ein: 30 KI-Kameras am Kotti

Berlin schaltet den Verhaltensscanner ein: 30 KI-Kameras am Kotti
Symbolbild: KI-generiert

Am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg läuft seit Ende August 2026 die Kalibrierung eines Überwachungssystems, wie es Deutschland bislang nicht kannte. Rund 30 hochauflösende Kameras sollen den Platz erfassen – und eine Software wertet in Echtzeit aus, wie sich die Menschen dort bewegen. Nach Mannheim und Hamburg ist Berlin die dritte deutsche Stadt mit algorithmischer Verhaltensanalyse im Straßenraum.

Vom Polizeiposten zum Algorithmus

Zum Einsatz kommen Medienberichten zufolge zwei Kameratypen des schwedischen Herstellers Axis, die Bilder in extrem hoher Auflösung und auch bei schwachem Licht liefern. Die Videoströme laufen in eine Analyse-Software; als Generalunternehmer tritt die Dortmunder IT-Holding Adesso auf, die dabei mit der Video-KI-Firma Staige zusammenarbeitet.

Bemerkenswert ist die Konstruktion dahinter: Erstmals betreibe damit in Deutschland ein privates Unternehmen eine solche Überwachungsinfrastruktur im öffentlichen Raum. Bislang filmte die Polizei in Berlin außerhalb von Bussen, Bahnen und Bahnhöfen den Straßenraum nicht dauerhaft.

Möglich wurde das durch eine Änderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes, die das Abgeordnetenhaus Ende 2025 beschloss. Sie erlaubt Videoüberwachung samt automatisierter Verhaltenserkennung an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten.

„Strichmännchen“ statt Gesichter – so lautet die Beruhigungsformel

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betont, es gehe weder um Gesichter noch um biometrische Identifizierung. Die KI analysiere Bewegungsabläufe und zeige lediglich „Strichmännchen“ an; Schläge, Tritte oder ungewöhnliche Muster sollen Alarm auslösen, die Entscheidung treffe weiterhin ein Mensch.

Aus vergleichbaren Projekten ist allerdings bekannt, dass solche Systeme auch Kategorien wie „Tanzen“, „Umarmen“ oder „Liegen“ unterscheiden. Offiziell dient das der schnellen Hilfe in Notlagen. Kritiker vermuten dahinter vor allem ein Instrument gegen Obdachlose. Unklar bleibt, wie „langes Verharren“ oder „Umhergehen ohne Anlass“ überhaupt definiert sind.

Millionen fließen – der Wirksamkeitsnachweis fehlt

Für die Technik stehen laut Ausschreibung rund vier Millionen Euro bereit, für den Zeitraum 2026 bis 2030 werden Investitions- und Betriebskosten in Millionenhöhe veranschlagt. Nach der Kalibrierung soll der Produktivbetrieb starten, danach weitere Orte – fest eingeplant ist Berichten zufolge die Warschauer Brücke.

Und der Nutzen? Eine unabhängige Wirkungsevaluation existiert bis heute nicht und ist offenbar auch nicht geplant. In Mannheim läuft das Modell seit 2018; netzpolitik.org berichtet, die Polizei habe nach Jahren keinen Fall benennen können, in dem das System eine Straftat verhindert oder aufgeklärt hätte. In Hamburg soll nach kritischer Nachrechnung nur ein kleiner Teil der Alarme auf tatsächlich relevante Situationen entfallen sein – der Rest: Fehlmeldungen.

Der Chaos Computer Club nennt die Technik „teuren, aber gefährlichen Mumpitz“ und warnt vor der Gewöhnung an Dauerbeobachtung.

Sicherheit oder Symbolpolitik?

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein Grundmuster deutscher Sicherheitspolitik: Statt Straftäter konsequent zu verfolgen und Recht durchzusetzen, wird Technik installiert, die alle Passanten erfasst – auch die völlig Unbeteiligten. Bundesweit zieht der Trend an: In mehreren Ländern steht die Rechtsgrundlage, der Bundestag soll den Einsatz durch die Bundespolizei an Bahnhöfen nachziehen, in Baden-Württemberg wird laut Berichten sogar über eine Kopplung mit Gesichtserkennung diskutiert.

Wer den Bürgern Sicherheit verspricht, sollte sie liefern – nicht Strichmännchen auf Monitoren. Und wer Wert auf Unabhängigkeit legt, weiß: Bargeld und physische Edelmetalle bleiben Vermögenswerte, die man ohne digitale Spur in der Hand halten kann.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser ist für seine finanziellen Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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