
Berlin im Darknet: Geheimakten offen – Senat kannte die Lücke

Fast 1,44 Millionen Dateien aus dem Berliner Landesnetz stehen seit Freitag im Darknet zum Download bereit. Darunter sollen laut Medienberichten geheime Unterlagen für den Verteidigungsfall, Listen kritischer Infrastruktur und Angaben zu besonders gefährdeten Rüstungsunternehmen sein. Und ein interner Vermerk legt nahe: Die Verwaltung wusste seit Monaten, dass sie solche Dokumente digital gar nicht schützen kann.
Zwei Millionen Euro Lösegeld – Berlin zahlte nicht
Die Erpressergruppe Rhysida hatte nach eigenen Angaben mehrere Tage lang unbemerkt Zugriff auf die Netze der Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Gefordert wurden 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Senat lehnte ab – nachvollziehbar, denn Lösegeldzahlungen finanzieren das nächste Verbrechen.
Nach Ablauf des Ultimatums stellten die Täter das Datenpaket ins Netz: je nach Zählung zwischen 5,26 und knapp 5,8 Terabyte. Fachleute lobten die harte Haltung des Senats. Nur ändert das nichts daran, dass die Daten überhaupt erst abfließen konnten.
Der Vermerk, der alles verändert
Besonders brisant ist ein internes Papier aus dem Februar. Beamte der Bau- und Verkehrsverwaltung hielten dem Bericht zufolge darin nüchtern fest:
Kein digitaler Geheimschutz (im strengen Sinne) in der Berliner öffentlichen Verwaltung möglich.
Trotzdem lagerten Verschlusssachen offenbar weiter in genau diesen Systemen. Warum – und wer das zu verantworten hat – ließ der Senat bislang offen. Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal: nicht der Angriff, sondern die dokumentierte Gleichgültigkeit davor.
Verteidigungspläne, Kraftwerke, Wachschutzzeiten
Nach Recherchen des Tagesspiegels enthalten die Dateien Listen von Anlagen, die im Spannungs- oder Verteidigungsfall besonders geschützt werden müssten: Kraftwerke, Tanklager, Umspannwerke, Notstromanlagen. Auch Unterlagen zum „Operationsplan Deutschland" sowie ein Entwurf des als geheim eingestuften Leitfadens „Zivile Verteidigung im Land Berlin" vom August 2025 sollen dabei sein.
Dem Bericht zufolge beschreibt das Material zudem, welche Folgen der Ausfall einzelner Anlagen für Bundestag, Polizei, Haftanstalten und Krankenhäuser hätte. Bei Rüstungsbetrieben seien Betriebszeiten, Angaben zum Wachschutz und Kontaktdaten von Notfallverantwortlichen enthalten. Ein Geschenk für jeden, der Deutschland schaden will.
Wegners Entwarnung hält nicht mehr
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte am 19. August erklärt, sensible Daten seien nicht abgeflossen. Diese Darstellung lässt sich nach den vorliegenden Berichten kaum aufrechterhalten. Veröffentlicht wurden demnach auch Tausende Personalakten, Gehaltsabrechnungen, Disziplinarvorgänge und Zugangsdaten – Passwörter teils unverschlüsselt.
Die Senatskanzlei stuft die Verteidigungsunterlagen zwar als „höchst sensibel" ein, nach Rücksprache mit Bundesbehörden aber nicht als sicherheitskritisch. Ob diese Beruhigungsformel trägt, dürften die kommenden Wochen zeigen. In Berlin wird am 20. September gewählt.
Was Bürger daraus lernen sollten
Wohngeld konnte tagelang nicht ausgezahlt werden, Personalakten liegen offen, Verteidigungspläne kursieren im Darknet. Wer geglaubt hat, der Staat sei ein sicherer Datentresor, wurde eines Besseren belehrt.
Die Lehre reicht über die IT hinaus: Wer sich vollständig auf digitale Systeme und staatliche Zusagen verlässt, macht sich verwundbar. Wer sein Vermögen breit streut und einen Teil physisch – etwa in Gold oder Silber – außerhalb digitaler Infrastrukturen hält, reduziert genau diese Abhängigkeit.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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