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26.03.2026
15:05 Uhr

Belgiens Industrie rebelliert: Stillgelegte Kernkraftwerke sollen wieder ans Netz

Belgiens Industrie rebelliert: Stillgelegte Kernkraftwerke sollen wieder ans Netz

Während Deutschland seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 in einem Akt ideologischer Selbstverstümmelung vom Netz nahm, vollzieht sich im Nachbarland Belgien eine bemerkenswerte Kehrtwende. Die belgische Industrie fordert lautstark, was hierzulande noch immer als Ketzerei gilt: die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Atomreaktoren. Ein Vorgang, der einmal mehr zeigt, wie teuer grüne Träumereien die europäische Wirtschaft zu stehen kommen.

Explodierende Strompreise treiben die Industrie auf die Barrikaden

Der belgische Industrieverband Febeliec, der die großen Stromverbraucher des Landes vertritt, hat die Regierung in Brüssel mit einer unmissverständlichen Forderung konfrontiert: Die laufenden Rückbauarbeiten an mehreren Kernkraftwerken sollen sofort gestoppt werden. Stattdessen müsse eine unabhängige Bewertung klären, ob die Reaktoren sicher wieder hochgefahren werden könnten. Verbandsdirektor Andreas Tirez bezifferte das Einsparpotenzial auf 10 bis 20 Euro pro Megawattstunde – eine Entlastung, die nicht nur der Schwerindustrie, sondern auch den geplagten Privathaushalten zugutekäme.

Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. In der gesamten EU lagen die Strompreise für energieintensive Industrien im Jahr 2025 etwa doppelt so hoch wie in den USA und rund 50 Prozent über dem chinesischen Niveau. Eine Kluft, die mit jedem Monat mehr Investitionen und Arbeitsplätze über den Atlantik oder nach Fernost treibt. Belgische Industriekunden zahlten bis zu 23 Prozent mehr für ihren Strom als vergleichbare Unternehmen in Frankreich oder den Niederlanden. Und der Strompreis für belgische Privathaushalte? Der liegt satte 24 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Nur in einem Land ist er noch teurer – man ahnt es bereits: in Deutschland.

Das grüne Erbe: Ein Ausstiegsgesetz und seine verheerenden Folgen

Die Wurzel des Übels reicht zurück ins Jahr 2003. Damals drückte die belgische Grüne Partei ein Ausstiegsgesetz durch, das die schrittweise Stilllegung der gesamten Kernkraftwerksflotte vorsah. Fast alle anderen Parteien ließen sich mitreißen – ein Muster, das man auch aus Deutschland nur allzu gut kennt. Die Folgen wurden erst Jahre später schmerzhaft sichtbar, als die Strompreise explodierten und die Versorgungssicherheit ins Wanken geriet.

Teilweise wurde das Gesetz bereits korrigiert. Die beiden jüngsten und leistungsstärksten Blöcke – Doel 4 und Tihange 3 – erhielten eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre und sind im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Energiekonzern ENGIE bis 2035 in Betrieb. Sie wurden umfassend gewartet und 2025 erfolgreich wieder ans Netz gebracht. Doch die älteren Blöcke Doel 1, Doel 2 und Tihange 1 wurden 2025 nach rund 50 Betriebsjahren stillgelegt. Doel 3 ging bereits 2022 vom Netz, Tihange 2 folgte 2023 – unter anderem wegen winziger „Wasserstoffflocken" in den Stahlwänden der Reaktordruckbehälter.

Febeliec: Versorgungssicherheit darf nicht in privater Hand liegen

Der Industrieverband geht in seinen Forderungen noch weiter. Febeliec schlägt vor, dass die Regierung den Energieriesen ENGIE – über dessen belgische Tochter Electrabel – zur Zusammenarbeit verpflichten oder andere Partner durch Verkauf oder Joint Ventures einbeziehen solle. Die Begründung ist so simpel wie einleuchtend: Die Versorgungssicherheit sei „zu wichtig, um sie einer einzigen privaten Partei zu überlassen". Ein Satz, der in seiner Klarheit auch deutschen Politikern zu denken geben sollte.

Eine Lektion, die Deutschland nicht hören will

Was sich in Belgien abspielt, ist weit mehr als eine nationale Energiedebatte. Es ist ein Lehrstück über die Konsequenzen ideologiegetriebener Energiepolitik – und ein Spiegel, in den auch die deutsche Politik blicken müsste, wenn sie den Mut dazu hätte. Während Belgien immerhin die Größe besitzt, Fehler einzugestehen und über eine Kurskorrektur nachzudenken, verharrt Deutschland in einer Mischung aus Realitätsverweigerung und grüner Selbstgefälligkeit.

Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat zwar die schlimmsten Auswüchse der Ampel-Ära hinter sich gelassen, doch eine ernsthafte Debatte über die Rückkehr zur Kernenergie findet auch unter seiner Führung kaum statt. Stattdessen werden 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur aufgenommen – Schulden, die kommende Generationen durch Steuern und Abgaben werden tilgen müssen. Ob das die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wiederherstellt, darf bezweifelt werden. Denn solange die Energiepreise auf dem aktuellen Niveau verharren, werden Unternehmen weiterhin mit den Füßen abstimmen.

Die belgische Industrie hat verstanden, was viele europäische Politiker noch immer nicht wahrhaben wollen: Ohne bezahlbare, zuverlässige Energie gibt es keine industrielle Zukunft. Kernkraft ist keine Technologie von gestern – sie ist, richtig eingesetzt, ein unverzichtbarer Baustein für eine souveräne Energieversorgung. Dass ausgerechnet ein Land, das den Atomausstieg auf Druck der Grünen beschloss, nun die Umkehr einleitet, sollte all jenen zu denken geben, die noch immer glauben, man könne eine Industrienation allein mit Wind und Sonne am Laufen halten.

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