
Bahn-Blamage: Bremen ist Europas schlechtester Bahnhof, Zürich glänzt!

Letzter Platz von sechzig: Der Bremer Hauptbahnhof ist laut dem „European Railway Station Index 2026“ der schlechteste große Bahnhof Europas. Ganz oben steht wie schon in den Vorjahren Zürich. Erstellt hat den Vergleich der Think-Tank Consumer Choice Center. Für das Land, das sich gern als Ingenieursnation feiert, ist das Ergebnis peinlich.
63 Prozent verspätet: Warten als Dauerzustand
Die Studie bewertet unter anderem Pünktlichkeit, Ausstattung, Sauberkeit und die Anbindung an den Nahverkehr. In Bremen sind demnach 63 Prozent der Züge verspätet, im Schnitt warten Reisende 21 Minuten. Dazu kommen wenige Geschäfte und Klagen über das Umfeld des Bahnhofs. Mit nur 47 Punkten landet die Hansestadt laut Fachmedien klar auf dem letzten Platz.
Neu ist das nicht. Schon im Ranking von 2023 war Bremen Schlusslicht. Damals belegten deutsche Bahnhöfe sogar die letzten sechs Plätze.
Sechs der zehn schlechtesten Bahnhöfe liegen in Deutschland
Bremen ist kein Einzelfall. Sechs der zehn letztplatzierten Stationen liegen in Deutschland. Von 19 untersuchten deutschen Bahnhöfen kommen 15 nur in die untere Tabellenhälfte. Kaum besser als Bremen schneiden laut Berichten Dortmund, München Ost und der Stuttgarter Hauptbahnhof ab.
- Dortmund: 73,8 Prozent der Züge verspätet, der höchste Wert im ganzen Index
- Hamburg: 24,8 Minuten durchschnittliche Wartezeit, ebenfalls Negativrekord
- Berlin Hauptbahnhof: abgerutscht von Platz 4 auf Platz 19
Die offiziellen Zahlen der Bahn passen dazu. Im September 2026 kamen nach Angaben der Deutschen Bahn nur 52,4 Prozent der Fernzüge pünktlich an. Fast jeder zweite ICE ist also zu spät.
Ein marodes Netz als Kern des Problems
Die Autoren der Studie sehen den Hauptgrund in der Infrastruktur. Das unmittelbare Problem sei das marode Schienennetz, schreiben sie. Mehr als die Hälfte der rund 33.500 Schienenkilometer gelte als mittelmäßig bis mangelhaft, ein Fünftel müsse erneuert werden.
Das ist die Rechnung für jahrzehntelange Versäumnisse. Unter wechselnden Regierungen wurde das Netz auf Verschleiß gefahren. Heute verspricht Berlin mit einem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen die Wende. Kritiker fragen, warum Steuerzahler und kommende Generationen über neue Schulden für etwas zahlen sollen, das über Jahre schlicht nicht instand gehalten wurde.
So machen es die Schweizer
Ein Blick über die Grenze zeigt, wie es auch gehen kann. Am Zürcher Hauptbahnhof beträgt die durchschnittliche Verspätung nur rund eine Minute. Auch Geschäfte, Restaurants und Technik überzeugen die Tester. Die Schweiz investiert pro Kopf mehr in die Bahn als jedes andere Land. Laut Bericht erreicht sie eine Pünktlichkeit von 94,1 Prozent.
Dahinter folgen Paris Gare du Nord und Amsterdam Centraal. Frankreich und Polen haben ihre Netze zuletzt stark modernisiert. Polen ist mit Breslau auf Platz vier und Krakau auf Platz neun gleich zweimal unter den besten zehn vertreten. Polen zieht an Deutschland vorbei, zumindest auf der Schiene.
Kein perfektes Ranking, aber ein klares Bild
Ganz unumstritten ist der Index nicht. Die Autoren räumen selbst ein, dass die Daten nicht immer vergleichbar seien und Verspätungen je nach Land unterschiedlich definiert würden. Kritiker bemängeln zudem, dass Kriterien wie die Zahl der Geschäfte stark ins Gewicht fallen.
Trotzdem bleibt der Befund deutlich: Wer in Deutschland Zug fährt, braucht vor allem Geduld. Bundesregierung und Bahnspitze müssen beweisen, dass aus den Milliarden auch pünktliche Züge werden.
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