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Kettner Edelmetalle
28.07.2026
11:09 Uhr

Ausverkauf mit Ansage: Wie Deutschland seine zweitgrößte Bank nach Mailand verschenkt

Ausverkauf mit Ansage: Wie Deutschland seine zweitgrößte Bank nach Mailand verschenkt

Es ist vollbracht. Nach Monaten des zähen Ringens, nach markigen Worten aus Berlin und tapferen Durchhalteparolen aus dem Frankfurter Bankenturm hat die italienische UniCredit die Commerzbank praktisch in der Tasche. Was bleibt, ist ein Lehrstück darüber, wie deutsche Politik sich in Sonntagsreden erschöpft – und am Montag die Schlüssel überreicht.

47,59 Prozent – und die Macht ist da

Zum Stichtag des Übernahmeverfahrens am 8. Juli hielt die Mailänder Großbank direkt 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien. Über Finanzinstrumente und Kaufoptionen kletterte der Gesamtzugriff auf 47,59 Prozent – nach Angaben von Reuters entspricht das rund 47,6 Prozent der Anteile und etwa 49,7 Prozent der Stimmrechte. Wer glaubt, das sei keine Mehrheit, hat das Aktienrecht nie verstanden: Auf Hauptversammlungen erscheint stets nur ein Teil der Anteilseigner, und damit reicht dieses Paket, um zu bestimmen, wo es langgeht.

Aufsichtsratschef Jens Weidmann, einst als letzter monetärer Falke der Bundesbank gefeiert, beugte sich am Wochenende dem Faktischen und rief zu sachlichen Gesprächen auf. Sachlich – ein hübsches Wort für Kapitulation.

Der Widerstand, der nie einer war

Vorstandschefin Bettina Orlopp hat gekämpft, das muss man ihr lassen. Mit der Strategie „Momentum 2030" wollte sie den Aktionären eine eigenständige Zukunft schmackhaft machen. Das im Mai vorgelegte Umtauschangebot der Italiener spiegle den wahren Wert des Instituts nicht wider, hieß es. Genutzt hat es nichts: 17,6 Prozent aus dem Streubesitz wanderten trotzdem zu UniCredit. Bezeichnend dabei: Nur etwa zwei Prozent der eingetauschten Papiere kamen von Kleinaktionären. Den Rest lieferten Großaktionäre, Banken und Fonds – jene Herren also, die sich hinter verschlossenen Türen längst mit Mailand verständigt hatten.

Wenn die Kleinaktionäre halten und die Großen verkaufen, dann war der Ausgang nie offen. Er war nur noch nicht öffentlich.

Berlin knickt ein – wie so oft

Der Bund, der in der Finanzkrise als Retter einstieg und noch rund zwölf Prozent hält, stellte sich zunächst quer. Man mimte den Verteidiger deutscher Interessen. Doch die politische Phalanx bröckelte, und zuletzt zeigte sich die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz erstaunlich entgegenkommend. Erst Empörung über das forsche Vorgehen der Italiener, dann Verwunderung, schließlich Versöhnung. Man kennt dieses Muster inzwischen aus jedem Politikfeld: laut poltern, leise nachgeben.

Und die Rechnung? Die zahlt, wie üblich, der Steuerzahler. Rund 18 Milliarden Euro Staatshilfe flossen einst in die Commerzbank, die zeitweise teilverstaatlicht wurde. Für Institute wie die Hypo Real Estate mobilisierte der Staat über Garantien und Stabilisierungsmaßnahmen dreistellige Milliardenbeträge. Gerettet wurde mit deutschem Geld – verkauft wird nun nach Italien.

Bankenunion durch die Hintertür

Was hier geschieht, ist mehr als ein Firmendeal. Brüssel träumt seit Jahren von der europäischen Bankenunion: einheitliches Regelwerk, institutionelle Verflechtung, grenzüberschreitende Fusionen. Was bislang bremste, war die Überzeugung nationaler Regierungen, Einfluss auf das eigene Kreditwesen behalten zu müssen. Die Erinnerung an die Staatsschuldenkrise, die in Griechenland begann und sich rasend schnell in die Bilanzen deutscher Banken, Versicherer und Pensionskassen fraß, sitzt tief. Zu Recht.

Denn im Krisenfall springt kein Brüsseler Gremium ein, sondern der Nationalstaat als letzter Liquiditätspuffer. Wer die Kontrolle abgibt, behält die Haftung – ein Geschäftsmodell, das in Europa erschreckende Tradition hat.

Wer verteilt künftig die Fördermittel?

Hinzu kommt ein Verteilungsproblem, über das kaum jemand spricht: Die enge Verflechtung von Kreditinstituten mit der Brüsseler Subventionsmaschinerie. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Bank, die politisch in Rom verankert ist, Fördermittelströme, Zinsvorteile und Standortentscheidungen kaum zugunsten des Rhein-Main-Gebiets lenken dürfte. Der deutsche Mittelständler, der einen Kredit braucht, könnte künftig sehr weit hinten in der Reihe stehen.

Nun müssen EZB und BaFin ihren Segen geben. Erteilen sie ihn, gehen angediente Aktien und Stimmrechte an UniCredit über – und ein Präzedenzfall wäre geschaffen. Ein großer Schritt für die Bankenunion, ein weiterer Verlust deutscher Souveränität. Man darf gespannt sein, welches Stück Tafelsilber als nächstes den Besitzer wechselt.

Die Lehre für Sparer

Wer glaubte, Papiervermögen in nationalen Institutionen sei sicher, erhält hier eine Lektion. Bankeigentümer wechseln, politische Zusagen verfallen, Rettungspakete werden vom Bürger bezahlt und die Erträge fließen woandershin. Physische Edelmetalle in eigenem Besitz kennen dieses Problem nicht: Gold und Silber lassen sich nicht per Aktientausch nach Mailand verschieben. Sie sind kein Versprechen auf einer Bilanz, sondern greifbarer Wert – und gerade deshalb eine bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche; für getroffene Entscheidungen und deren Folgen ist jeder Anleger selbst verantwortlich. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen. Ebenso erfolgt hier keine Steuer- oder Rechtsberatung – ziehen Sie hierfür bitte einen qualifizierten Berater hinzu.

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