
Atomwaffen für den "begrenzten" Krieg: Pentagon plant den Tabubruch

Das US-Verteidigungsministerium arbeitet Medienberichten zufolge an einer neuen Nuklearstrategie, die kleinere, taktische Atomwaffen ins Zentrum der amerikanischen Abschreckung rücken soll. Zuerst berichtete darüber der Sender NBC News. Verantwortlich für das Papier sei Elbridge Colby, der politische Chef des Pentagons – ein Mann, der seit über einem Jahrzehnt fordert, die USA müssten sich auf einen "begrenzten Atomkrieg" vorbereiten.
Weg von der Vernichtung, hin zur "Option"
Der Kern der Überlegung: Statt strategischer Sprengköpfe, die das Arsenal eines Gegners auslöschen sollen, rücken kleinere Waffen für regionale Konflikte in den Fokus. Dem Präsidenten sollen so mehr Handlungsmöglichkeiten offenstehen.
Eine nicht namentlich genannte Quelle formulierte gegenüber NBC den Gedanken so:
"Wenn man tatsächlich will, dass die erweiterte Abschreckung glaubwürdig ist, muss man der politischen Führung des Landes nukleare Fähigkeiten an die Hand geben, von denen der gesunde Menschenverstand sagt, dass man sie tatsächlich einsetzen könnte."
Übersetzt heißt das: Eine Waffe schreckt nur dann ab, wenn der Gegner glaubt, dass sie wirklich fällt. Genau darin sehen Rüstungskontroll-Experten das Problem.
Warnung aus Washington selbst
Die Arms Control Association (ACA) reagierte scharf. Ohne einen klaren Verzicht auf den Erstschlag signalisiere die Regierung mit dem Bau und der Stationierung weiterer taktischer Atomwaffen die Absicht, diese in einem Konflikt gegen feindliche Truppen und Industrieanlagen auch einzusetzen, so die Organisation. Man lehne diesen Kurs entschieden ab.
Dabei verfügen die USA laut ACA längst über solche Systeme:
- die in Europa stationierten Freifallbomben des Typs B61-12
- den Gefechtskopf W76-2 mit reduzierter Sprengkraft für die U-Boot-Rakete Trident II
- zusätzlich beschaffe die US-Marine den seegestützten Marschflugkörper SLCM-N, der gegen Ende des Jahrzehnts einsatzbereit sein könnte
Europa als Bühne – und Deutschland mitten drin
Für den Kontinent ist das keine akademische Debatte. Berichten zufolge plant die NATO, die US-Nuklearpräsenz in Europa um 200 bis 250 Prozent aufzustocken – gerichtet gegen Russland. Wer die Landkarte kennt, weiß: Die Bühne eines "begrenzten" Atomkriegs läge nicht in Nebraska, sondern zwischen Ostsee und Schwarzem Meer.
Colbys Position ist seit Jahren dokumentiert. 2015 schrieb er in einem Papier für das Center for a New American Security, die USA sollten die Fähigkeit entwickeln, einen begrenzten Atomkrieg effektiver zu führen als plausible Gegner. 2018 folgte in "Foreign Affairs" ein Text mit dem programmatischen Titel: "If You Want Peace, Prepare for Nuclear War". Laut "Breaking Defense" kündigte Colby am 5. August eine Überprüfung der nuklearen Haltung der USA an – und betonte dabei wiederholt das Wort "Optionen".
Was Bürger daraus mitnehmen sollten
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Debatte vor allem eines: Die europäische Sicherheitsarchitektur wird in Washington entworfen, während die Bundesregierung überwiegend zusieht. Wer glaubte, nukleare Eskalationsszenarien seien mit dem Kalten Krieg beerdigt, sieht sich getäuscht.
Geopolitische Nervosität dieser Art hinterlässt Spuren an den Märkten – Kapital sucht in solchen Phasen traditionell Häfen jenseits von Papierversprechen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als bewährte Beimischung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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