
Atom-Irrsinn: Slowakei schaltet Reaktor ein, Bayern reißt Isar 2 ab!
Zwei Nachrichten innerhalb von nur acht Tagen zeigen, wie weit Europa in der Energiepolitik auseinanderdriftet. Am 15. Oktober 2026 hat die Slowakei den vierten Block ihres Kernkraftwerks Mochovce zum ersten Mal ans Stromnetz angeschlossen. Eine Woche vorher, am 7. Oktober, erhielt das bayerische Kraftwerk Isar 2 die letzte Genehmigung für seinen vollständigen Abriss.
Bratislava baut seine Kernkraft also aus, Berlin baut sie ab. Wer von beiden am Ende mit sicherem und bezahlbarem Strom dasteht, darf jeder selbst einschätzen.
20.41 Uhr: Mochovce 4 speist ein
Um 20.41 Uhr synchronisierte der Betreiber den ersten Turbogenerator mit dem slowakischen Netz. Zu Beginn lief der Reaktor mit 20 Prozent seiner Leistung. Der kommerzielle Vollbetrieb soll nach weiteren Tests folgen.
Die Eckdaten: 471 Megawatt Leistung und rund 3,5 Terawattstunden Strom pro Jahr, unabhängig von Wind und Sonne. Ist der Block vollständig in Betrieb, können die slowakischen Kernkraftwerke rechnerisch mehr als drei Viertel des nationalen Strombedarfs abdecken.
Leicht war der Weg dorthin nicht. Der Bau begann 1985, also noch vor dem Mauerfall. Geldmangel und politische Umbrüche stoppten das Projekt immer wieder. Die Slowakei hielt trotzdem daran fest. Die Blöcke 1 und 2 laufen seit 1998, Block 3 ging 2023 ans Netz.
Bagger statt Turbinen: Isar 2 wird zerlegt
In Niederbayern geht es in die andere Richtung. Isar 2 lieferte bis zur Abschaltung im April 2023 zuverlässig Strom, über die gesamte Laufzeit mehr als 335 Terawattstunden. Unter Volllast kamen jeden Tag etwa 33 Gigawattstunden zusammen, bei einer Nettoleistung von 1.410 Megawatt. Das ist dreimal so viel wie beim neuen slowakischen Block.
Mit der zweiten Abbaugenehmigung dürfen nun auch der Reaktordruckbehälter und seine Schutzhülle demontiert werden. Weil Teile davon radioaktiv belastet sind, kommen ferngesteuerte Spezialmaschinen zum Einsatz. Medienberichten zufolge kostet der Rückbau rund eine Milliarde Euro. Er soll bis 2040 dauern, danach wird der 165 Meter hohe Kühlturm gesprengt. Jeder Arbeitsschritt macht eine Rückkehr unwahrscheinlicher.
Ausgerechnet die sicherere Anlage verschwindet
Technisch fällt der Vergleich bemerkenswert aus. In Mochovce stehen Reaktoren sowjetischer Bauart vom Typ WWER-440/213. Ein westlicher Sicherheitsbehälter, wie ihn die deutschen Konvoi-Anlagen haben, fehlt dort. Bevor die slowakische Atomaufsicht den Betrieb erlaubte, mussten deshalb zusätzliche Schutzmaßnahmen eingebaut werden.
Isar 2 hatte dagegen eine massive Sicherheitsumschließung und war gegen viele äußere Einwirkungen ausgelegt. Das Unfallrisiko hängt zwar auch von Nachrüstungen und vom Betriebszustand ab. Trotzdem ist das Ergebnis ironisch: Deutschland legt still, Strahlung macht aber an keiner Grenze halt. Und über den europäischen Strommarkt fließt Atomstrom aus dem Ausland weiterhin zu deutschen Verbrauchern.
Die Rechnung bezahlen die Bürger
Die Bundesnetzagentur sieht bis 2035 einen Bedarf von bis zu 22,4 Gigawatt zusätzlicher steuerbarer Leistung. Kommt die Energiewende langsamer voran, steigt der Wert auf bis zu 35,5 Gigawatt. Diese Zahlen beziehen sich zwar nicht nur auf den Ersatz der Kernkraft. Der Verzicht auf funktionierende Reaktoren vergrößert die Lücke aber zusätzlich.
Füllen sollen sie vor allem neue Gaskraftwerke. Deren Brennstoff hängt jedoch von Weltmärkten und Lieferverträgen ab. Weil die Anlagen oft nur wenige Stunden laufen dürften, wird es kaum ohne staatliche Vergütung gehen. Kritiker meinen deshalb: Die Kosten der Versorgungssicherheit verschwinden nicht, sie landen nur an anderer Stelle bei Steuerzahlern und Stromkunden. Auch die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz hat den Abriss nicht gestoppt.
Mit den Kraftwerken geht das Wissen verloren
Mit dem Rückbau gehen auch hochqualifizierte Arbeitsplätze verloren, außerdem Aufträge für Wartung und Brennstofftechnik. Deutsche Firmen arbeiten zwar weiter in Rückbau, Entsorgung und Forschung. Das praktische Wissen über den Betrieb großer Reaktoren lässt sich so aber kaum erhalten. Ein späterer Wiedereinstieg würde Milliarden kosten und Jahre dauern.
Auch Mochovce hat seine Schattenseite: Fast vier Jahrzehnte Bauzeit zeigen, wie riskant und teuer neue Kernkraftprojekte sein können. Ehrlich wäre deshalb eine vollständige Bilanz, die Kraftwerke, Netze, Speicher, Reserven und Entsorgung einbezieht. Dazu gehört auch die Frage, wie viel ein befristeter Weiterbetrieb von Isar 2 hätte einsparen können. Diese Frage beantworten in Bayern bald die Abrissmaschinen.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













