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08.06.2026
07:44 Uhr

Armenien wählt den Westen – doch Moskau hält die Daumenschrauben weiter fest

Armenien wählt den Westen – doch Moskau hält die Daumenschrauben weiter fest

Im kleinen, gebeutelten Armenien hat sich an diesem Wochenende eine politische Weichenstellung vollzogen, die für ganz Europa von Bedeutung sein dürfte. Der prowestliche Regierungschef Nikol Paschinjan hat die Parlamentswahl ersten Hochrechnungen zufolge klar gewonnen. Nach Auszählung von 110 der rund 2.000 Wahllokale entfielen satte 57 Prozent der Stimmen auf seine Partei Zivilvertrag. Ein deutliches Mandat – und ein klares Signal gen Brüssel.

Eine Richtungswahl im Schatten des russischen Bären

Es ging um nichts Geringeres als die außenpolitische Seele dieser Südkaukasusrepublik, die seit Jahrhunderten zwischen den Mächten zerrieben wird. Die stärkste oppositionelle Kraft wurde die prorussische Partei Starkes Armenien des Milliardärs Samwel Karapetjan mit gerade einmal 21 Prozent. Dahinter folgte Ex-Präsident Robert Kotscharjan, dem man beste Verbindungen zu Kremlchef Wladimir Putin nachsagt, mit knapp über acht Prozent. Selbst zusammen mit der dritten moskautreuen Kraft, dem Blühenden Armenien, reicht es nach erstem Stand nicht für eine Mehrheit der Putin-Freunde.

Bemerkenswert war die Wahlbeteiligung: Mit 59 Prozent lag sie deutlich über den mageren 49 Prozent von 2021. Die Menschen haben offenbar begriffen, dass hier über die Zukunft ihres Landes entschieden wird – und sie strömten an die Urnen.

Berg-Karabach – die Wunde, die nicht heilt

Wer Paschinjans Westkurs verstehen will, muss zurückblicken. Zwischen 2020 und 2023 eroberte das ölreiche und hochgerüstete Aserbaidschan in zwei kurzen, aber blutigen Auseinandersetzungen das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach. Rund 100.000 Menschen mussten Hals über Kopf ins Kernland fliehen. Eine humanitäre Katastrophe, die viele Armenier bis heute Paschinjan anlasten.

Doch noch etwas anderes geschah in jenen Tagen: Die vermeintliche Schutzmacht Russland, selbst tief im Ukraine-Krieg verstrickt, ließ die Armenier eiskalt im Stich. Wer auf Moskau gesetzt hatte, sah sich bitter enttäuscht. Genau dieser Vertrauensbruch ist der Nährboden, auf dem Paschinjans Annäherung an Europa gedeiht.

„Es wird nicht mehr dauernd geschossen an der Grenze, das ist gut“, zitiert der ursprüngliche Bericht eine Reiseführerin aus Eriwan, die sich offen als Paschinjan-Anhängerin bekennt.

Moskaus Druck und ein schmutziger Wahlkampf

Wie reagiert der Kreml auf den Abnabelungsversuch? Mit den altbekannten Mitteln. Einfuhrbeschränkungen für armenische Produkte, vage Drohungen bezüglich der Gaslieferverträge und immer wieder der unausgesprochene Verweis auf das Schicksal der Ukraine. Eine kaum verhohlene Erpressung, die in Teilen der Bevölkerung allerdings das Gegenteil bewirkt haben dürfte – Trotz statt Unterwerfung.

Der Wahlkampf selbst war ein schmutziges Geschäft. Paschinjan wurde unterstellt, er wolle Hunderttausende Aserbaidschaner im Land ansiedeln. Die Regierung wiederum warf Moskau und der Opposition Stimmenkauf vor – in Russland lebende Armenier seien eigens zur Wahl geschickt worden, um gegen Bezahlung prorussisch abzustimmen. Handfeste Beweise blieb die Regierung schuldig, Festnahmen gab es dennoch bis in den Wahltag hinein.

Ein Sieg mit Verfallsdatum?

Paschinjan hat nun das Mandat für fünf weitere Jahre in der Tasche. Doch wer glaubt, damit sei alles gewonnen, irrt gewaltig. Der Traum vom EU-Beitritt liegt in nebliger Ferne, und im wirtschaftlichen Alltag bleibt Armenien auf absehbare Zeit am russischen Tropf hängen. Eingeklemmt zwischen einem feindseligen Aserbaidschan, dessen großem Bruder Türkei und einem nachtragenden Russland, bleibt der Spielraum dieser kleinen Republik bedrückend eng.

Man darf an dieser Stelle eine unbequeme Frage stellen: Welche Lehre zieht eigentlich der deutsche Bürger aus diesem Lehrstück? Während sich Armenien mit aller Kraft aus erzwungener Abhängigkeit befreien will, hat sich Deutschland jahrelang sehenden Auges in eine ähnliche energetische Hörigkeit begeben. Die Geschichte vom Vertrauen auf vermeintlich verlässliche Partner endet selten gut – das mussten die Armenier schmerzhaft lernen.

Was bleibt für den vorsichtigen Anleger?

Gerade Konflikte wie jener im Südkaukasus führen dem aufmerksamen Beobachter eines erneut vor Augen: Geopolitische Verwerfungen, brüchige Bündnisse und wirtschaftliche Erpressung sind keine Relikte vergangener Zeiten, sondern bittere Gegenwart. In einer Welt, in der Staaten ihre Bürger als Spielfiguren auf dem Schachbrett der Großmächte behandeln, gewinnt die Frage nach echter, krisenfester Vermögenssicherung an Gewicht. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keine Grenzen, keine Sanktionen und keine politischen Launen – sie sind seit Jahrtausenden ein verlässlicher Anker zur Beimischung in ein gesund gestreutes Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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