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Anti-Woke-Show floppt? Ricarda Lang kapert Schroeders ZDF-Premiere

Anti-Woke-Show floppt? Ricarda Lang kapert Schroeders ZDF-Premiere
Symbolbild: KI-generiert

Das ZDF wollte mutig sein und hat ausgerechnet Ricarda Lang eingeladen. In der ersten Folge von Florian Schroeders neuer Satire-Sendung „Journal Deluxe“, die seit Donnerstag in der ZDF-Mediathek läuft, warnte die Grünen-Politikerin vor einer „Dämonisierung“ der Linkspartei. Das Studiopublikum applaudierte lange und laut.

Angekündigt war die Vollgas-Satire

Schroeder hatte versprochen, auch Witze über Linke und Grüne zu machen. Sein neues Format nannte er gleich zu Beginn die „Tempo 250-Zone des politisch inkorrekten Witzes“. Schon vor dem Start wurde heftig gestritten. Manche Kommentatoren sprachen von einem „rechten Böhmermann“. Hintergrund ist das Aus für das „ZDF Magazin Royale“ zum Jahresende.

Gemessen an der großen Ankündigung kam wenig heraus. Mehrere Medien schrieben nach der Premiere, die Kritik an linken Positionen habe deplatziert und bloß aufgesetzt gewirkt. Andere Kritiker bemängelten lange Gespräche und wenige Pointen.

„Rote-Socken-Kampagne auf Crack“

Lang sprach von einer Art „Rote-Socken-Kampagne auf Crack“. Gemeint waren Banner auf dem Parteitag der Union mit dem Namen der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und dem Spruch „Nie wieder“. Darüber könne man eigentlich lachen, sagte Lang. Es sei aber nicht lustig, denn diese Form der Dämonisierung und des historischen Relativismus öffne „die Tore hin zu den Rechten“.

Danach legte sie mit einem Satz nach, der im Saal sehr gut ankam:

„Aber wenn mir jemand erzählt, dass er gezwungen ist, für Rechtsextreme zu stimmen oder mit denen zu koalieren, weil in Berlin mit den Linken geredet wird, da kann ich nur sagen: Verarschen kann ich mich auch alleine.“

Zum Hintergrund: Laut offiziellen Ergebnissen hat die Linke die Berliner Abgeordnetenhauswahl mit rund 25,6 Prozent klar gewonnen. Medienberichten zufolge haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen inzwischen erfolgreich abgeschlossen. In der Hauptstadt steht damit ein Linksbündnis bevor. Ist es da wirklich „Dämonisierung“, wenn die politische Konkurrenz das kritisiert?

Black-Facing-Witz und Klima-Appell

Schroeder begann das Gespräch mit einer Spitze gegen die Grünen. Anlass waren Habecks Scheitern und Özdemirs Wahlerfolg: „Warum sind Grüne nur dann erfolgreich, wenn sie sich schwarz anmalen? Und: Ist das eine Form des politischen Black-Facings?“ Im Saal wurde kurz geraunt, dann geklatscht.

Lang lenkte geschickt um. Wer auf die Bundesregierung blicke, könne hinter Schwarz als Erfolgsfarbe ein großes Fragezeichen setzen. Die Wirtschaftsministerin habe sich 37 Mal mit der Energiebranche getroffen und nur einmal mit einem Umweltverband. Außerdem steuere die Erderwärmung laut UN bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad zu. Umweltschutz sei kein „Kinkerlitzchen“, sondern die Grundvoraussetzung für ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Würde. Wieder gab es begeisterten Applaus.

„Das Publikum wurde nicht gut gebrieft“

Am Ende musste Lang selbst lachen. Eine Sendung, die vor allem Grüne und Linke aufs Korn nehmen soll, und ausgerechnet sie bekommt den meisten Beifall. „Das Publikum wurde nicht gut gebrieft, was das für eine Sendung sein soll, oder?“, fragte sie. Schroeder antwortete sarkastisch, das Publikum sei ihm „politisch zu einseitig“.

Das ist vielleicht der ehrlichste Moment des Abends. Beobachter sehen darin ein Grundproblem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Selbst ein Format, das ausdrücklich gegen den Mainstream angehen will, landet offenbar wieder beim gewohnten Applaus.

Die Zuschauer zahlen dafür

Jeder Haushalt zahlt monatlich 18,36 Euro Rundfunkbeitrag. Medienberichten zufolge meldet das ZDF für 2025 trotz steigender Einnahmen ein Minus von knapp 80 Millionen Euro. Gleichzeitig ziehen ARD und ZDF vor das Bundesverfassungsgericht, um höhere Beiträge durchzusetzen.

Die Gebührenzahler werden sich fragen, wofür ihr Geld ausgegeben wird. Die angekündigte Satire gegen alle Seiten war in dieser ersten Folge jedenfalls kaum zu sehen.

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