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29.07.2026
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91,9 Prozent für Thorsten Frei – wie die Union ihren Frust in ein Wahlergebnis verpackt

91,9 Prozent für Thorsten Frei – wie die Union ihren Frust in ein Wahlergebnis verpackt

Es gibt Wahlergebnisse, die man als Triumph verkaufen kann – und solche, die eigentlich ein Hilferuf sind. Die Kür von Thorsten Frei zum neuen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gehört in die zweite Kategorie. 170 von 185 anwesenden Abgeordneten stimmten mit Ja, 15 mit Nein, was rechnerisch 91,9 Prozent ergibt. Ein Wert, der über dem seines Vorgängers Jens Spahn liegt, der es im Vorjahr auf 86,5 Prozent brachte. Und doch beschreibt diese Zahl weniger Begeisterung für Frei als vielmehr die Sehnsucht einer Fraktion nach Ruhe.

Der Rücktritt, der die Union entzweite

Vorausgegangen war der Abgang Spahns, der sich über eine Leihmutter in den USA ein Kind verschaffte. Ein Vorgang, der in der Union deshalb so heftig einschlug, weil derselbe Spahn als Gesundheitsminister die Leihmutterschaft einst mit Verweis auf das Kindeswohl abgelehnt hatte. 2020 wies sein Haus eine entsprechende FDP-Forderung nach teilweiser Legalisierung zurück. Wer moralische Maßstäbe setzt, muss sich an ihnen messen lassen – diese banale Regel scheint in Berlin regelmäßig in Vergessenheit zu geraten. Spahn selbst erklärte, der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung und den Erwartungen an den Fraktionsvorsitzenden sei größer geworden, als er angenommen habe.

Wer die Kommerzialisierung des Kinderwunsches jahrelang öffentlich anprangert und sie dann privat in Anspruch nimmt, darf sich über den Vorwurf der Doppelmoral nicht wundern.

Merz' Rundumschlag – und die Rechnung dafür

Der Wechsel an der Fraktionsspitze war Teil einer Kabinettsumbildung, die Kanzler Friedrich Merz offenbar als Befreiungsschlag geplant hatte und die sich als Rohrkrepierer erwies. Minister und Staatssekretäre wurden ausgetauscht – aber ausschließlich solche mit CDU-Parteibuch. Kein einziger SPD-Politiker musste gehen. In der Fraktion habe das die Frage aufgeworfen, welches Signal der Kanzler damit eigentlich an die Bevölkerung senden wolle: Trägt allein die Union die Verantwortung für das erbärmliche Bild, das diese Regierung abgibt?

Besonders die Entlassung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder wirkte wie ein Brandsatz. Die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion sagte ein bereits verabredetes Treffen mit dem Kanzler ab – es fehle das Mindestmaß an Vertrauen und Wertschätzung. Der Bremer CDU-Landesvorsitzende Heiko Strohmann sprach von einer katastrophalen Stimmung in der Partei; viele Mitglieder seien mit dem Kanzler unzufrieden, weil er seine Politik zu wenig erkläre. Sein Wunsch: Merz möge im Urlaub in sich gehen.

Loriot als politisches Gleichnis

Wie tief der Frust sitzt, zeigt ein Detail, das mehr über den Zustand der Union verrät als jede Pressekonferenz. In internen Chatgruppen verschicken Abgeordnete den Loriot-Sketch „Das Bild hängt schief“ – jene Szene, in der ein Mann eine Kleinigkeit gerade rücken will und am Ende das gesamte Zimmer verwüstet. Die Botschaft ist unmissverständlich: Der Kanzler wollte an einer Stellschraube drehen und hat die Partei in eine Krise gestürzt. Hinter vorgehaltener Hand werde schon seit Monaten gelästert; die chaotische Umbildung habe den Unmut lediglich in Wut verwandelt.

Was das für die Bürger bedeutet

Man könnte über diese Berliner Personalrochaden schmunzeln, wären die Folgen nicht so real. Während sich die Union mit sich selbst beschäftigt, laufen die Probleme des Landes weiter: eine Pro-Kopf-Verschuldung, die neue Rekordwerte erreicht, eine Industrie, in der ein Konzern nach dem anderen Stellen abbaut, eine Migrationspolitik, deren angekündigte Wende bislang vor allem in Ankündigungen besteht. Und ein Kanzler, der versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen, und dann ein 500-Milliarden-Sondervermögen samt Klimaneutralität im Grundgesetz mitzuverantworten hatte. Wer soll dieser Regierung noch glauben?

Für den Wähler bleibt eine bittere Erkenntnis: Eine Fraktion, die ihren Ärger in 91,9 Prozent Zustimmung verkleidet, ist nicht auf dem Weg zur Erneuerung, sondern auf dem Weg zur Selbstberuhigung. Und wer sein Vermögen in einem Land absichern will, dessen politische Führung offenbar mit dem Bilderrahmen kämpft, während das Haus wackelt, tut gut daran, nicht auf Versprechen zu vertrauen, sondern auf Substanz. Physisches Gold und Silber haben in der Geschichte jede Regierungskrise überdauert – Koalitionsverträge nicht.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt die Meinung unserer Redaktion dar und dient ausschließlich der Information. Er ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Für Vermögensdispositionen empfehlen wir die Konsultation qualifizierter, unabhängiger Fachleute. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausgeschlossen.

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