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Kettner Edelmetalle
03.08.2026
09:32 Uhr

20.300 Dollar für eine Megawattstunde: Wie vier windstille Tage Südaustraliens Öko-Traum zerlegten

20.300 Dollar für eine Megawattstunde: Wie vier windstille Tage Südaustraliens Öko-Traum zerlegten

Es gibt Momente, in denen die Physik der Ideologie die Rechnung präsentiert. Zwischen dem 21. und 24. Juni 2026 war so ein Moment. In Südaustralien, dem Vorzeigeland der globalen Energiewende-Prediger, fiel der Wind aus. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Nachmittag – für vier volle Tage. Und plötzlich kostete die Megawattstunde Strom an der Börse 20.300 australische Dollar. Zweimal wurde die technische Marktobergrenze erreicht. Nicht angekratzt. Erreicht.

2.734 Megawatt installiert – 124 Megawatt geliefert

Man muss sich diese Zahlen langsam vorlesen, damit die Absurdität wirkt: In Südaustralien stehen Windräder mit einer Nennleistung von 2.734 Megawatt. Im Vier-Tage-Mittel lieferten sie ganze 124 Megawatt. Das sind 4,5 Prozent. In einzelnen Intervallen sackte der Anteil der Windkraft an der Stromversorgung auf ein Prozent ab. Wenige Tage vorher, am 18. Juni, hatte dieselbe Flotte noch den gesamten Bedarf des Bundesstaates gedeckt und sogar Strom exportiert.

Genau das ist die Krankheit des Systems, und sie hat einen Namen: Volatilität. Wer sein Stromnetz auf Wetter baut, baut auf Sand. Bemerkenswert ist dabei, dass die installierte Leistung seit 2019 kräftig gewachsen ist – und die Verfügbarkeit in der Flaute trotzdem auf einen Tiefstwert fiel. Im Juni 2019 lagen die Windparks im Vier-Tage-Mittel noch bei 142 Megawatt, im Mai 2024 bei 153 Megawatt. Diesmal: 124. Mehr Rotoren, weniger Strom. Wer glaubt, man könne Flaute durch Masse besiegen, multipliziert eine Null.

Die Batterien? Zur Hälfte leer, als es zählte

Besonders lehrreich ist das Verhalten der gefeierten Großspeicher, die uns seit Jahren als Wunderlösung verkauft werden. Der erste Preissprung kam abends nach Sonnenuntergang – da spielte noch etwa die Hälfte der Batterien mit. Am nächsten Morgen, beim zweiten Preisschock, war die Kavallerie schlicht nicht mehr da: leer. Einige Speicher luden sogar bei Preisen von bis zu 10.000 Dollar je Megawattstunde nach. Die betriebswirtschaftliche Logik dahinter mag man verstehen, die volkswirtschaftliche Absurdität bleibt.

Batterien überbrücken Stunden. Sie überbrücken keine Tage. Und ganz sicher überbrücken sie keine Wochen.

Dazu kamen Netzengpässe, die zusätzliche Importe aus Victoria limitierten. Und weil Strommärkte manchmal wie Satire funktionieren: In einzelnen Intervallen exportierte Südaustralien Strom nach draußen, während der eigene Preis im Orbit kreiste.

Wer hat die Lichter angelassen? Gas. Und Kohle.

Die Wahrheit, die in Berlin niemand hören will, steht in den Betriebsdaten: Was die Versorgung Adelaides gerettet hat, waren Gaskraftwerke – und Stromimporte aus Victoria, wo bei ebenfalls schwachem Wind überwiegend Kohlekraftwerke liefen. Kein Blackout, keine Abschaltungen. Nicht weil die Erneuerbaren funktionierten, sondern weil die verachteten konventionellen Kraftwerke noch existieren.

Die AEMO hat den Preis dieser zwei Tage beziffert: Sie hoben den durchschnittlichen Quartalspreis um 13 Dollar je Megawattstunde. Zwei Tage. Dreizehn Dollar auf ein ganzes Quartal. Dass der Quartalsdurchschnitt mit 86 Dollar unter dem Vorjahr lag, ist der Trostpreis, den die Energiewende-Apologeten nun herumzeigen werden. Nur: Ein Stromnetz wird nicht am Durchschnitt gemessen, sondern an der schlechtesten Stunde des Jahres. Wie ein Fallschirm, der in 99 Prozent der Fälle aufgeht.

Sechs neue Speicher – und eine Flaute, die länger dauert

Die südaustralische Regierung reagiert nun mit dem Beschleunigen von sechs Großspeichern: 517 Megawatt Leistung, 4.136 Megawattstunden Kapazität. Damit ließen sich angeblich über 300.000 Durchschnittshaushalte bis zu acht Stunden versorgen. Acht Stunden. Die Flaute dauerte über vier Tage – rund hundert Stunden. Man braucht kein Ingenieursdiplom, um diese Lücke zu erkennen.

Und so kommt selbst die Regierung dort zu einem Eingeständnis, das hierzulande als Ketzerei gilt: Gas bleibe unverzichtbar, solange gleichwertige Alternativen fehlten. Nebenbei ist Australiens Windstromproduktion im zweiten Quartal um 20 Prozent gestiegen, der Anteil der Erneuerbaren erreichte 42,1 Prozent, die Gaserzeugung sank übers Quartal um 30 Prozent. Alles schön – bis der Wind ausbleibt. Dann zählt nur noch, was auf Knopfdruck liefert.

Was das für Deutschland bedeutet

Deutschland hat die Kernkraft abgeschaltet, die Kohle politisch zum Auslaufmodell erklärt und sich dabei auf Importe, Wetterglück und Hoffnung verlegt. Statt aus Fällen wie Südaustralien zu lernen, wurde die Klimaneutralität bis 2045 ins Grundgesetz geschrieben und ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt, das kommende Generationen über Steuern, Abgaben und Zinsen abarbeiten dürfen – von einem Kanzler, der versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen. Der Unterschied zu Adelaide: Südaustralien kann sich Strom aus dem Nachbarstaat holen, wo Kohlekraftwerke stehen. Was macht Mitteleuropa, wenn die Dunkelflaute über den ganzen Kontinent zieht?

Solche Preisexplosionen sind keine Naturkatastrophen, sondern Konstruktionsfehler mit Vorsatz. Und sie werden bezahlt – von Industriebetrieben, die abwandern, und von Bürgern, deren Stromrechnung zum Politikum wird. Wer in einem solchen Umfeld Kaufkraft sichern will, kommt kaum um Sachwerte herum, die sich weder abschalten noch herunterregeln lassen. Physisches Gold und Silber kennen keine Dunkelflaute, keine Marktobergrenze und keine Netzengpässe. Als nüchterne Beimischung eines breit gestreuten Vermögens haben sie sich in Zeiten politischer Experimente stets bewährt.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die dargestellten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren, seine persönliche Situation zu prüfen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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