
Zoll-Chaos: EU-Parlament legt Handelsabkommen mit den USA auf Eis

Was fĂŒr ein Schauspiel auf der transatlantischen BĂŒhne. Das EuropĂ€ische Parlament hat die geplante Abstimmung ĂŒber das Zollabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten kurzerhand verschoben â und damit ein ohnehin fragiles Konstrukt der internationalen Handelspolitik in die Schwebe gebracht. Die eigentlich fĂŒr Dienstag vorgesehene Ratifizierung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Zahlreiche EU-Zölle auf amerikanische Industrieprodukte, die im Rahmen des Deals hĂ€tten fallen sollen, bleiben damit vorerst bestehen.
Trumps Reaktion auf das Supreme-Court-Urteil verschÀrft die Lage
Der unmittelbare Auslöser fĂŒr die Kehrtwende in BrĂŒssel ist einmal mehr in Washington zu suchen. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Donald Trumps Anwendung eines Notstandsgesetzes zur VerhĂ€ngung seiner sogenannten âreziproken Zölle" fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt. Ein Urteil, das man durchaus als schallende Ohrfeige fĂŒr den PrĂ€sidenten werten darf. Doch wer Trump kennt, weiĂ: Dieser Mann lĂ€sst sich von RichtersprĂŒchen nicht bremsen.
Prompt kĂŒndigte der US-PrĂ€sident auf seiner Plattform Truth Social neue globale Zölle von 15 Prozent an und drohte jedem Land, das mit der âlĂ€cherlichen Entscheidung" des Supreme Court âSpielchen treiben" wolle, mit âdeutlich höheren Zöllen". Besonders bemerkenswert: Trump behauptete, er brauche als PrĂ€sident keine erneute Zustimmung des Kongresses. Diese sei âschon vor langer Zeit, in vielerlei Formen, erteilt worden". Eine Aussage, die verfassungsrechtlich mindestens fragwĂŒrdig erscheint.
Bernd Lange fordert Klarheit â doch wer kann sie liefern?
Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange von der SPD, begrĂŒndete die Verschiebung mit dem BedĂŒrfnis nach âKlarheit". Man wolle zwar letztendlich abstimmen, aber eben nicht ins Blaue hinein. Eine nachvollziehbare Haltung â und doch offenbart sie das grundlegende Dilemma europĂ€ischer Handelspolitik: Man reagiert, statt zu agieren. Man wartet ab, statt Fakten zu schaffen.
Dabei hatte das Abkommen eine durchaus hoffnungsvolle Vorgeschichte. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich im vergangenen Jahr darauf verstĂ€ndigt, dass fĂŒr die meisten EU-Importe in die USA ein maximaler Zollsatz nicht ĂŒberschritten werden solle. Ein rechtlich bindendes Abkommen wurde ausgehandelt â doch nun droht es zum Papiertiger zu verkommen, bevor es ĂŒberhaupt in Kraft treten konnte.
Kein Handelspartner will aussteigen â aber das Vertrauen schwindet
US-Handelsvertreter Jamieson Greer versicherte zwar, dass keiner der Handelspartner ein RĂŒcktrittsinteresse signalisiert habe. Er habe ĂŒber das Wochenende mit seinen EU-Amtskollegen sowie Vertretern anderer LĂ€nder gesprochen. Doch solche Beschwichtigungen kennt man zur GenĂŒge. Sie klingen beruhigend, Ă€ndern aber nichts an der fundamentalen Unberechenbarkeit der amerikanischen Handelspolitik unter Trump.
FĂŒr die deutsche Wirtschaft â ohnehin gebeutelt von Energiekosten, BĂŒrokratie und einer Regierung, die mit ihrem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Inflation weiter anheizt â sind solche Unsicherheiten Gift. Die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Chemiebranche: Sie alle brauchen verlĂ€ssliche Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel. Stattdessen bekommen sie ein Hin und Her, das an ein Pokerspiel erinnert, bei dem beide Seiten bluffen und keiner die Karten auf den Tisch legen will.
Europa muss endlich eigene StÀrke zeigen
Die Verschiebung der Abstimmung auf die kommende Woche mag taktisch klug sein. Strategisch offenbart sie jedoch die SchwĂ€che einer EU, die sich von den Launen eines einzelnen Mannes im WeiĂen Haus vor sich hertreiben lĂ€sst. Wer dauerhaft Wohlstand und wirtschaftliche SouverĂ€nitĂ€t sichern will, der sollte nicht nur auf Handelsabkommen hoffen, sondern auch in krisenfeste Werte investieren. In Zeiten, in denen Zölle ĂŒber Nacht verhĂ€ngt und Abkommen ĂŒber Nacht aufgekĂŒndigt werden können, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein Anker der StabilitĂ€t in einer Welt des politischen Wahnsinns.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, grĂŒndlicher Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
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