
Zins-Schock aus Washington: Gold verliert das ganze Jahresplus!

Der Goldpreis ist am Dienstag den dritten Handelstag in Folge gefallen und hat ein Zwei-Wochen-Tief markiert. Auslöser: ein weltweiter Ausverkauf am Anleihemarkt, der die Renditen auf den höchsten Stand seit 2008 trieb. An den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank noch in diesem Monat inzwischen bei fast 70 Prozent.
Comex-Gold mit Lieferung Dezember rutschte zeitweise um 2,4 Prozent auf 4.374,10 Dollar je Unze – das schwächste Niveau seit dem 19. August – und notierte am späten Vormittag bei 4.398,90 Dollar. Spot-Gold verlor 1,7 Prozent auf 4.362,57 Dollar. Silber traf es härter: Der Dezember-Kontrakt fiel um bis zu 3,2 Prozent auf 64,83 Dollar, ehe er sich bei 65,48 Dollar fing.
Der Anleihemarkt dreht den Metallen den Hahn zu
Der Druck kommt nicht aus der Minenbranche, sondern aus den Handelssälen für Staatsanleihen. Zehnjährige US-Treasuries rentierten nahe 4,77 Prozent, britische Papiere sprangen um 16 Basispunkte auf 5,22 Prozent. Gleichzeitig kletterte Brent-Öl über 92 Dollar, nachdem neue Feindseligkeiten im Nahen Osten die Sorge um die Öltransporte durch die Straße von Hormus zurückbrachten.
Steigende Renditen und ein festerer Dollar sind klassischer Gegenwind für ein Metall ohne laufenden Ertrag. Kurzfristig zumindest. Denn der Grund für die Renditen ist eine Inflation, die sich hartnäckiger hält, als die Notenbanker versprochen hatten.
Warsh und Barr: "Wir haben noch Arbeit vor uns"
Fed-Gouverneur Michael Barr erklärte laut dem Bericht, die Notenbank müsse zu Zinserhöhungen bereit sein, falls die Teuerung nicht nachlasse – nach mehr als fünf Jahren über dem Zielwert drohe sich der Preisdruck festzusetzen. Zuvor hatte Notenbankchef Kevin Warsh bei seinem ersten Auftritt in Jackson Hole erklärt, die Fed habe noch "work to do". Medienberichten zufolge lag die von der Fed bevorzugte PCE-Rate im Juli bei 3,7 Prozent, der Verbraucherpreisindex bei 3,4 Prozent.
Die Schwäche sei "eine Fortsetzung von Warshs Jackson-Hole-Rede und Barrs Kommentaren zur Inflation heute Morgen", sagte Ryan McKay, Rohstoffstratege bei TD Securities, dem Bericht zufolge.
Ein historischer August – und trotzdem Nullrunde 2026
Der Rückschlag frisst einen bemerkenswerten Monat an. Gold legte im August rund 10 Prozent zu, der stärkste Anstieg seit Januar. Unterm Strich steht 2026 dennoch nur ein Plus von 0,7 Prozent – rund 20 Prozent unter dem Rekordschluss von 5.419,83 Dollar vom 28. Januar.
Noch spektakulärer lief es bei den Minen: Der NYSE Arca Gold Miners Index stieg im August um 33 Prozent – der beste August seit mindestens 1994. Eldorado gewann im Monatsvergleich 44 Prozent, Equinox 40, Gold Fields 39 Prozent.
Modi warnt seine Landsleute vor Goldkäufen
Auch von der Nachfrageseite kommt Gegenwind. Indiens Premier Narendra Modi rief seine Bürger auf, Gold nur noch im Notfall zu kaufen – bereits sein zweiter Appell in diesem Jahr. Das Land kämpft mit einer schwachen Rupie und einem Handelsdefizit von fast 32 Milliarden Dollar im Juli. Gold ist nach Öl Indiens größter Importposten, die Einfuhren stiegen zuletzt um über 32 Prozent.
Bei aller Nervosität: Auf Sicht von zwölf Monaten steht Silber 59 Prozent im Plus, Gold 25 Prozent. Wer physische Edelmetalle als langfristige Versicherung gegen Geldentwertung und politische Fehlsteuerung hält, dürfte solche Korrekturen gelassener betrachten als der Terminmarkt-Trader mit Wochenhorizont.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.












