Kostenlose Beratung
07930-2699
200.000
Kunden
Sicherer
Versand
Kettner Edelmetalle
12.02.2026
06:49 Uhr

ZF kapituliert im E-Bike-Markt: Centrix-Antrieb vor dem Aus

Es ist ein Debakel mit Ansage. Der Automobilzulieferer ZF, einst stolzer Pfeiler deutscher Ingenieurskunst, zieht im E-Bike-Segment die Notbremse. Mit sofortiger Wirkung werden sämtliche Vertriebsaktivitäten des erst 2024 groß vorgestellten Centrix-Antriebssystems eingestellt. Der Grund: Mit dem Fahrradhersteller Raymon ist ausgerechnet jener Schlüsselkunde abgesprungen, der dem ambitionierten 48-Volt-System den Weg in den Massenmarkt hätte ebnen sollen. Was als strategischer Befreiungsschlag aus der Abhängigkeit vom kriselnden Automobilgeschäft gedacht war, entpuppt sich nun als kostspieliges Luftschloss.

Ein Schlüsselkunde springt ab – und das Kartenhaus fällt

Raymon galt als sogenannter Launch-Partner, also als jene Marke, die dem Centrix-System Sichtbarkeit und Volumen verschaffen sollte. Doch statt an der Seite von ZF in eine ungewisse Zukunft zu marschieren, kehrt Raymon zu den bewährten Platzhirschen Bosch und Yamaha zurück. Die Begründung ist so nüchtern wie vernichtend: Diese Plattformen sicherten Absatz und Serviceketten ab. Mit anderen Worten – Raymon traut ZF schlicht nicht zu, ein funktionierendes Ökosystem aufzubauen.

ZF verweist zwar auf weitere Marken als Referenzkunden, doch das ist kaum mehr als ein Feigenblatt. Ohne ein echtes Volumenmodell fehlt die kritische Masse, die im hart umkämpften E-Bike-Markt über Skalierung, Ersatzteilversorgung und letztlich über Sein oder Nichtsein entscheidet. Wenn diese Kette einmal reißt, kippt ein Projekt schneller, als man „Centrix" buchstabieren kann.

Vom Aufbauprojekt zum Abbruchprojekt

Ein Unternehmenssprecher habe gegenüber dem Branchenmagazin Bike Europe bestätigt, dass ZF die Verkaufsaktivitäten in diesem Bereich komplett ruhen lasse. Damit endet – zumindest vorerst – eine Strategie, die konzernintern als Zukunftsprojekt für die Ära nach dem klassischen Verbrennergeschäft gegolten haben soll. ZF investierte in Entwicklung, Integration und Systemarchitektur, denn ein moderner E-Bike-Antrieb besteht eben nicht nur aus einem Motor. Software, Akku, Schnittstellen und vor allem ein funktionierendes Partnernetzwerk sind entscheidend.

Die Geschichte begann 2018 mit der Übernahme von Sachs Micro Mobility. Das Ziel war ambitioniert: Hersteller als Kunden gewinnen, Stückzahlen skalieren, den Platzhirschen Bosch und Shimano spürbar Konkurrenz machen. Doch genau diese Dynamik fehlt nun vollständig. Statt Aufbruchstimmung herrscht Ernüchterung.

Bereits im Januar deuteten sich die Probleme an

Wer genau hinschaute, konnte die Zeichen an der Wand schon früher erkennen. Bereits am 23. Januar hatte ZF per Finanzmitteilung das vorzeitige Ende mehrerer Projekte in der Sparte elektrifizierte Antriebstechnik angekündigt. Damals verwies der Konzern vornehmlich auf den schleppenden Hochlauf der E-Mobilität im Kfz-Sektor. Doch das Bild passt ebenso zum europäischen Bike-Markt, wo der Wettbewerb gnadenlos ist und neue Systeme kaum Luft zum Atmen bekommen.

Ein Symptom für den Niedergang des Industriestandorts Deutschland

Man muss kein Prophet sein, um in diesem Scheitern ein größeres Muster zu erkennen. ZF, das bereits die Schließung von 13 deutschen Werken erwägt und 7.600 Arbeitsplätze in der Antriebssparte streicht, steht exemplarisch für den schleichenden Niedergang der deutschen Industrielandschaft. Während die Politik sich jahrelang mit ideologiegetriebenen Transformationsprojekten beschäftigte und Milliarden in fragwürdige Subventionsprogramme pumpte, verlieren deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten zunehmend den Anschluss.

Händler und Hersteller setzen aktuell verstärkt auf bewährte Plattformen. Das reduziert das Risiko bei Ersatzteilen und Garantiefällen, spart Schulungsaufwand – und macht den Marktzugang für Neueinsteiger noch teurer. In einem solchen Umfeld reicht technische Brillanz allein nicht aus. Es braucht ein Ökosystem, Vertrauen und vor allem Zeit. Doch Zeit ist genau das, was ZF offenbar nicht mehr hat.

Was bedeutet das für E-Bike-Besitzer mit ZF-Antrieb?

Für die – zugegebenermaßen überschaubare – Zahl an Besitzern eines E-Bikes mit ZF-Centrix-Antrieb beginnt eine Phase erheblicher Unsicherheit. Neue Modelle mit diesem Antrieb dürften vorerst nicht in den Handel kommen. Wie ZF den Support langfristig absichern will, bleibt offen, obwohl das Unternehmen eine interne „Prüfung" angekündigt habe. Technisch galt das Centrix-System durchaus als interessant – kompakt, leistungsfähig, auf 48 Volt ausgelegt. Doch am Ende entscheidet eben nicht die reine Leistung, sondern das Gesamtsystem aus Partnern, Service und Ersatzteilverfügbarkeit. Wenn dieses Netz fehlt, hilft auch der beste Motor nichts.

Das E-Bike-Projekt von ZF steht damit vor einer Bewährungsprobe, die es möglicherweise nicht überleben wird – obwohl es gerade erst gestartet war. Ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte deutscher Industrieunternehmen, die zwischen politischem Wunschdenken und marktwirtschaftlicher Realität zerrieben werden. Man darf gespannt sein, wie viele solcher Kapitel sich Deutschland noch leisten kann, bevor der letzte das Licht ausmacht.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen