
Wolfsburger Offenbarungseid: VW-Vorstände erklären den eigenen Konzern für „existenzgefährdet"

Es ist ein Eingeständnis, das man so deutlich selten aus den verspiegelten Chefetagen deutscher Vorzeigekonzerne zu hören bekommt. Sechs von neun Vorständen des Volkswagen-Konzerns halten ihr eigenes Unternehmen mittlerweile für „existenzgefährdet". Diese bemerkenswerte Selbstdiagnose stammt aus einer internen, anonymen Umfrage, über die zunächst das Manager Magazin berichtete. Und das Erschreckende daran: Keiner der Befragten mochte die Lage des einstigen Stolzes der deutschen Industrie als unkritisch einschätzen.
Wenn die Steuerleute selbst das Schiff abschreiben
Die übrigen drei Vorstände wählten zumindest das Wort „angespannt", um den Zustand zu beschreiben. Übersetzt aus dem Manager-Deutsch ins Klartextdeutsche bedeutet das: Auf der Brücke des Tankers Volkswagen steht die Mannschaft und blickt mit großen Augen auf das Wasser, das längst über die Reling schwappt. Die Umfrage wurde Ende 2025 unter Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat durchgeführt, auch der angehende Porsche-Chef Michael Leiters soll einbezogen worden sein. Die Ergebnisse mündeten anschließend in ein Transformationspapier, das gemeinsam mit der Beraterfirma BCG entstand – denn natürlich braucht es teure externe Berater, um zu erkennen, was jeder Facharbeiter am Band längst weiß.
Besonders bemerkenswert: Alle neun befragten Vorstände hielten eine grundlegende Neudefinition des Geschäftsmodells für notwendig. Auch die Konzernstrategien für die Schlüsselmärkte Nordamerika und China sollen als wenig überzeugend bewertet worden sein. Ein vernichtenderes Zeugnis kann sich eine Führungsmannschaft kaum selbst ausstellen.
Von der Mobilität für alle zum Luxusspielzeug für wenige
Wer sich an die Wurzeln dieses Unternehmens erinnert, dem dreht sich der Magen um. Volkswagen – der Name war einst Programm. Ein Wagen für das Volk, ein Symbol des Wiederaufbaus, ein Stück Identität der jungen Bundesrepublik. Und heute? Heute produziert man Fahrzeuge, deren Preisschild dem Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners entspricht. Wer soll diese Autos eigentlich noch kaufen? Der Mieter im Mehrfamilienhaus ohne eigene Ladestation jedenfalls nicht.
Die bittere Wahrheit ist: VW hat sich von der Politik vor sich hertreiben lassen. Statt das zu bauen, was die Menschen wollen und sich leisten können, opferte man jahrelang Vernunft und Markt auf dem Altar einer ideologisch erzwungenen Elektromobilität. Toyota und chinesische Hersteller haben längst den Markt der bezahlbaren Kleinwagen erobert – ein Segment, das VW als „unwirtschaftlich" abtat. Verschlafen, verzögert, verspielt.
Sozialismus im Maßanzug
Man muss sich vor Augen führen, was Volkswagen über Jahrzehnte eigentlich war: ein eigenartiges Konstrukt aus Landesregierung, Gewerkschaftsmacht und Konzern. Das Land Niedersachsen als Großaktionär mit Sperrminorität, die IG Metall mit langem Arm im Aufsichtsrat, dazu politische Nähe in jeder Legislaturperiode. Gewinne wurden gerne privatisiert, Risiken brav sozialisiert. Wer hier den Niedergang verantwortet, muss nicht lange suchen – es waren jene Strukturen, die jeden ideologischen Unsinn von der vollen Lohnfortzahlung bis zur erzwungenen E-Auto-Wende treu mitmachten.
Wer ist denn verantwortlich für das Geschäftsmodell, wenn nicht Vorstand und Aufsichtsrat?
Diese rhetorische Frage trifft den Nagel auf den Kopf. Die Konzernführung ist sich auch noch nicht einmal einig: Vier Befragte bezeichneten den Vorstand als uneinig, kein einziger sah ihn als vollkommen geeint. Im Aufsichtsrat beschrieben elf von vierzehn Antworten die Situation als zerstritten. Eine Führung, die sich nicht einig ist, in einem Konzern, der ums Überleben kämpft – das ist die Definition eines Trauerspiels.
Am Ende zahlt der kleine Mann
Vorstandschef Oliver Blume will dem Aufsichtsrat am 9. Juli ein weitreichendes Transformationskonzept vorlegen. Dabei dürfte es vor allem um eine Frage gehen: Wie tief muss das Messer angesetzt werden? Und hier liegt der eigentliche Skandal. Denn wenn gespart wird, trifft es erfahrungsgemäß nicht die Damen und Herren mit den siebenstelligen Vergütungen, sondern den Mann am Band, die Zulieferer in der Provinz und am Ende den Steuerzahler.
Was wir bei Volkswagen erleben, ist kein Naturereignis, sondern die logische Folge einer Politik, die deutsche Industrie mit Energiepreisen erstickt, mit Bürokratie fesselt und mit grünen Vorgaben in eine Sackgasse zwingt. Die Standortbedingungen, die hier vorherrschen, sind das Ergebnis jahrelanger Fehlsteuerung – und ein Großteil der Bürger weiß das längst. Volkswagen ist nur das prominenteste Symptom einer Krankheit, an der die gesamte deutsche Wirtschaft laboriert.
Was bleibt, wenn die Konzerne wanken?
Die Geschichte des VW-Konzerns ist eine Lehrstunde darüber, was passiert, wenn Politik und Ideologie über Markt und Vernunft siegen. Für den Anleger und den vorsorgenden Bürger sollte dies ein Weckruf sein. Wenn selbst die einst unerschütterlichen Säulen der deutschen Industrie ins Wanken geraten, wenn Aktienwerte von politischen Launen abhängen und ganze Geschäftsmodelle über Nacht infrage stehen, dann zeigt sich, wie verwundbar Papierwerte und vermeintlich sichere Industrietitel in Wahrheit sind.
Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keine zerstrittenen Vorstände, keine fehlgeleiteten Geschäftsmodelle und keine ideologisch verbrämte Transformationsstrategie. Sie sind seit Jahrtausenden ein verlässlicher Anker zur Vermögenssicherung und gehören als solide Beimischung in jedes breit gestreute Portfolio – gerade in Zeiten, in denen die industriellen Aushängeschilder dieses Landes selbst nicht mehr an ihre Zukunft glauben.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung. Eine Haftung für etwaige Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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