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Kettner Edelmetalle
28.08.2026
13:48 Uhr
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Wiesn-Zensur: Teufelsrad-Figuren müssen sich jetzt anziehen!

Wiesn-Zensur: Teufelsrad-Figuren müssen sich jetzt anziehen!
Symbolbild: KI-generiert

München, kurz vor dem Oktoberfest 2026: Am Eingang des legendären Teufelsrads prangen seit Jahrzehnten vier bunte Pappmaché-Damen. Für die diesjährige Wiesn mussten sie übermalt und neu eingekleidet werden – auf Wunsch der Stadt. Betreiberin Elisabeth Polaczy hält den Eingriff Medienberichten zufolge für maßlos übertrieben.

Bluse statt Ausschnitt, lange Unterhosen statt Minirock

Die Figurengruppe gehört zum Inventar wie das Bier zum Zelt: eine Dame im Dirndl, eine in Capri-Jeans, eine im grünen Minikleid und eine als Hawaiianerin dargestellte Frau mit gelbem Rock. Alles Handarbeit aus einer anderen Zeit – nach Angaben eines Münchner Radiosenders rund 80 Jahre alt.

Nun tragen die Trachtenfigur und die Frau im grünen Kleid weiße Blusen und lange Unterhosen. Die Figur im gelben Rock bekam ein Top unter die Blumenkette. Und die Hawaiianerin? Die musste Schuhe anziehen.

„Außerdem mussten wir ihr Schuhe anziehen, weil es laut Gleichstellungsstelle diskriminierend wäre, sie barfuß darzustellen“

So schildert es die Betreiberin gegenüber der Münchner Tageszeitung, die den Vorgang zuerst öffentlich machte.

Ein Brief von der Gleichstellungsstelle – und die Angst um den Standplatz

Der Auslöser: Im Schreiben zur Bewerbung für die Wiesn 2026 habe die Gleichstellungsstelle für Frauen Änderungen angeregt. Beanstandet worden seien tiefe Ausschnitte und kurze Röcke. Darüber hinaus sei vorgeschlagen worden, die Puppen „vielfältiger“ zu gestalten – und eine der weiblichen Figuren als Mann darzustellen.

„Drei Damen haben bei der Stadt Missmut erregt, weil sie zu freizügig waren“, wird Polaczy zitiert. Ihre Motivation zum Nachgeben klingt nicht nach Überzeugung, sondern nach Sorge um die Existenz: Am Anfang habe sie Angst gehabt, nicht mehr auf die Wiesn zu dürfen, wenn sie nicht übermale.

Ein Unternehmen habe für die Neugestaltung 7.500 Euro verlangt, heißt es in dem Bericht. Was am Ende tatsächlich fällig wird, stehe noch nicht fest. Bezahlen muss es die Schaustellerin – nicht die Behörde, die den Wunsch äußerte.

Die Stadt spricht von „Dialog“

Das Wirtschaftsreferat erklärte auf Anfrage der Zeitung, man habe sich bei der Bewertung von der Gleichstellungsstelle für Frauen und der Demokratie-Fachstelle beraten lassen. Man suche bei beanstandeten Motiven stets das Gespräch, um „praktikable Lösungen zu finden“. Die Bemühungen der Betreiberin würdige man „in besonderem Maße“.

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Vorgang ein Grundproblem: Wenn eine Selbstständige aus Furcht vor dem Verlust ihres Standplatzes zum Pinsel greift, ist das kein Dialog auf Augenhöhe – es ist ein deutliches Machtgefälle zwischen Amt und Gewerbetreibender.

Volksfest oder Erziehungsanstalt?

Das Teufelsrad gehört seit rund 1910 zur Wiesn und lebt von derben Sprüchen, Fliehkraft und Volksbelustigung. Es ist ein Stück bayerischer Kulturgeschichte – kein Bildungsprogramm.

Kritiker fragen daher zu Recht: Haben Kommunen mit Haushaltslöchern, maroden Schulen und einer angespannten Sicherheitslage wirklich keine dringenderen Baustellen als die Rocklänge einer Pappmaché-Puppe? Polaczy selbst formuliert es schlicht und entwaffnend: Es gebe wichtigere Dinge, man wolle den Leuten mit dem Fahrgeschäft einfach nur eine Freude machen.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Rechtsberatung dar.

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