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Kettner Edelmetalle
03.07.2026
21:10 Uhr

Wenn der KI-Riese die eigene Hintertür nicht findet: Anthropic jagt chinesische Trittbrettfahrer

Es ist eine Geschichte, die man sich kaum ausdenken könnte: Ein Unternehmen, das eines der fortschrittlichsten KI-Modelle der Welt entwickelt hat, scheint nicht in der Lage gewesen zu sein, seine eigenen Türen abzuschließen. Nun rudert Anthropic hektisch zurück und versucht, jene Schlupflöcher zu stopfen, durch die chinesische Technologiekonzerne offenbar seit geraumer Zeit ungehindert auf die begehrten Claude-Modelle zugreifen konnten.

Der zeitliche Ablauf offenbart ein Sicherheitsdesaster

Der Kontext macht die Sache brisant. Nur wenige Tage, nachdem das US-Handelsministerium die gerade einmal drei Wochen alten Exportbeschränkungen für Anthropics KI-Modelle "Fable" und "Mythos" wieder aufgehoben hatte – Beschränkungen, die aus Gründen der nationalen Sicherheit verhängt worden waren –, folgt nun laut einem Bericht der Financial Times der nächste Paukenschlag. Chinesische Firmen sollen sich über einen bemerkenswert kreativen Umweg Zugang verschafft haben.

Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichteten, hätten Konzerne wie Ant Financial ausländische Tochtergesellschaften, Cloud-Anbieter und interne Firmennetzwerke genutzt, um an KI-Chatbots wie Claude Code zu gelangen. Pikant dabei: Der chinesische Gigant Alibaba hält rund ein Drittel an Ant Financial – und wurde jüngst von der US-Regierung auf die schwarze Liste gesetzt, weil man ihn faktisch als verlängerten Arm des chinesischen Militärs betrachtet.

VPNs, Spesenabrechnungen und Umgehungsstationen

Die Methoden lesen sich wie ein Lehrbuch der digitalen Umgehung. Ant soll seinen Mitarbeitern über ein mit Singapur verbundenes Intranet firmeneigene Claude-Konten zur Verfügung gestellt haben. Beschäftigte von ByteDance – dem Mutterkonzern von TikTok – hätten sich derweil per VPN und über Spesenabrechnungen private Claude-Abonnements finanzieren lassen.

Die Umgehungen scheinen weder gegen US-amerikanisches noch gegen chinesisches Recht zu verstoßen – doch sie verletzen Anthropics Nutzungsbedingungen, die chinesischen Unternehmen und von Peking kontrollierten ausländischen Einheiten die Verwendung der Modelle ausdrücklich untersagen.

Anthropic betonte, man verbiete den Zugriff aus nicht unterstützten Regionen, einschließlich China, und aktualisiere die Kontrollsysteme fortlaufend, um Umgehungsversuche aufzuspüren. Man habe insbesondere sogenannte "Transferstationen" ins Visier genommen – Dienste, die Anfragen von Nutzern aus dem chinesischen Festland über im Ausland registrierte Konten weiterleiten und die Antworten anschließend zurückschleusen.

Warum die großen Player die Transferstationen meiden

Interessanterweise machen die größeren chinesischen KI-Gruppen einen weiten Bogen um diese Transferstationen. Der Grund ist so simpel wie entlarvend: Deren Betreiber stünden im Verdacht, die eingegebenen Anfragen zu speichern oder gar weiterzuverkaufen. Die Führungskräfte fürchteten, Konkurrenten könnten diese Daten analysieren, um zu verstehen, wie fortschrittliche Modelle genutzt werden – und ihre eigenen Systeme entsprechend aufrüsten.

Die bittere Ironie des Ganzen

Und hier offenbart sich der eigentliche Treppenwitz dieser Geschichte. Ein Unternehmen, das mit einem der weltweit leistungsfähigsten Coding-Modelle glänzt, hat es offenbar versäumt, die notwendigen Schutzmechanismen einzubauen, um chinesische Firmen fernzuhalten. Erst jetzt, nachdem der Schaden längst entstanden sein dürfte, wird nachgebessert. Man baut die fortschrittlichste Technologie der Welt – und vergisst dabei das digitale Türschloss.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie naiv der Westen im technologischen Wettrüsten mit China agiert. Während Peking mit strategischer Geduld und beträchtlichem Aufwand daran arbeitet, an westliches Know-how zu gelangen, verlassen sich amerikanische Unternehmen offenbar auf Nutzungsbedingungen im Kleingedruckten. Ein Bollwerk aus Papier gegen einen Gegner, der es mit dem Völkerrecht und geistigem Eigentum bekanntlich nicht sonderlich genau nimmt.

Was bleibt am Ende?

Die Episode ist ein weiteres Mahnmal dafür, wie fragil die technologische Souveränität des Westens tatsächlich ist. Wer im Wettlauf um Künstliche Intelligenz die eigenen Systeme nicht absichern kann, überlässt strategisch entscheidendes Wissen dem Wettbewerber – oft ohne es überhaupt zu bemerken. In einer Welt, in der digitale Abhängigkeiten und geopolitische Spannungen zunehmen, gewinnen krisenfeste, greifbare Werte an Bedeutung. Wer sein Vermögen breit aufstellen und gegen die Unwägbarkeiten dieser Zeit absichern möchte, findet in physischen Edelmetallen wie Gold und Silber eine bewährte Ergänzung eines soliden Portfolios – unabhängig von Servern, Cloud-Anbietern und den Launen digitaler Grenzkontrollen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Inhalte spiegeln lediglich die Einschätzung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen übernehmen wir keine Gewähr.

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