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Kettner Edelmetalle
19.12.2025
17:41 Uhr

Weihnachten am Arbeitsplatz: Warum der Osten schuftet, während Bayern feiert

Während sich die meisten Deutschen auf besinnliche Stunden unterm Tannenbaum freuen dürfen, bleibt für Millionen Erwerbstätige der Feiertagsstress ein ungebetener Gast. Eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) offenbart nun bemerkenswerte Unterschiede zwischen Branchen und Regionen – und wirft dabei ein bezeichnendes Licht auf die Arbeitswelt im Jahr 2025.

Die Mehrheit bleibt daheim – doch die Ausnahmen haben es in sich

Zunächst die erfreuliche Nachricht: Über 90 Prozent aller Erwerbstätigen können Weihnachten und Silvester ab dem frühen Nachmittag tatsächlich im Kreise ihrer Lieben verbringen. Die Befragung von knapp 6000 Beschäftigten zwischen Mitte November und Anfang Dezember zeichnet damit ein grundsätzlich positives Bild. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

In bestimmten Branchen sieht die Realität nämlich völlig anders aus. Bis zu einem Drittel der Beschäftigten gab an, auch an den heiligen Tagen arbeiten zu müssen. Besonders hart trifft es die Bereiche Verkehr und Logistik, den Handel, das Gastgewerbe sowie den Gesundheits- und Sozialbereich. Hier schuften teilweise über 40 Prozent der Mitarbeiter, während andere den Weihnachtsbraten genießen.

Der Ost-West-Graben: Sachsen-Anhalt führt die Statistik an

Was die Studie besonders brisant macht, sind die eklatanten regionalen Unterschiede. Ostdeutsche Arbeitnehmer müssen deutlich häufiger an den Feiertagen ran als ihre westdeutschen Kollegen. Den traurigen Spitzenplatz belegt Sachsen-Anhalt, wo mehr als 14 Prozent der Beschäftigten auch nach 14 Uhr noch am Arbeitsplatz anzutreffen sind.

Im Kon katholisch geprägte Bayern, wo die Feiertage offenbar noch als das gelten, was sie sein sollten: heilig. Gerade einmal fünf Prozent der bayerischen Erwerbstätigen arbeiten am Weihnachtsnachmittag. Ein Unterschied von fast zehn Prozentpunkten, der Fragen aufwirft.

Tradition versus Flexibilität

Liegt es an der stärkeren religiösen Verwurzelung im Süden? An unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen? Oder schlicht daran, dass im Osten nach wie vor andere Arbeitsbedingungen herrschen? Die Studie liefert keine abschließenden Antworten, doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

„Die Zahlen illustrieren, dass die Erwerbstätigen und Arbeitszeiten in Deutschland sehr flexibel sind"

So kommentierte Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, die Ergebnisse. Flexibilität klingt zunächst positiv – doch sie mahnt gleichzeitig, dass Arbeitszeiten nicht immer weiter ausufern dürften.

Die unsichtbaren Helden der Feiertage

Man sollte nicht vergessen, wer diese Flexibilität eigentlich ermöglicht: Es sind die Pfleger in den Krankenhäusern, die Fahrer der Lieferdienste, die Kellner in den Restaurants und die Verkäufer an den Tankstellen. Sie sorgen dafür, dass der Rest der Gesellschaft unbeschwert feiern kann. Ob diese Leistung angemessen gewürdigt und entlohnt wird, steht freilich auf einem anderen Blatt.

In einer Zeit, in der Work-Life-Balance zum Modewort verkommen ist und gleichzeitig der Druck auf Arbeitnehmer stetig zunimmt, sollten diese Zahlen zum Nachdenken anregen. Denn echte Besinnlichkeit lässt sich nicht verordnen – sie braucht Zeit. Und die haben offenbar nicht alle gleichermaßen.

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