
WEF-Chef Brende stolpert über Epstein-Verbindungen – das Eliten-Netzwerk bröckelt
Es ist eine jener Geschichten, die das Vertrauen in die selbsternannten Weltenlenker einmal mehr erschüttern: Borge Brende, seit 2017 Präsident und CEO des Weltwirtschaftsforums (WEF), hat seinen Rücktritt erklärt. Der Grund? Seine Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurden ihm schlicht zu heiß. Wenige Wochen nachdem das Forum eine unabhängige Untersuchung seiner Beziehung zu Epstein eingeleitet hatte, zog der ehemalige norwegische Außenminister die Reißleine.
Drei Dinner, freundliche SMS – und angeblich nichts gewusst
Die Faktenlage ist brisant. Dokumente des US-Justizministeriums belegen, dass Brende mindestens drei Geschäftsessen mit Epstein hatte und darüber hinaus per E-Mail und Textnachricht mit dem in Ungnade gefallenen Financier kommunizierte. Besonders pikant: In Textnachrichten aus den Jahren 2018 und 2019 bezeichnete Brende Epstein als „brillanten Gastgeber" und schrieb ihm nach einem gemeinsamen Dinner – an dem auch Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon und ein früherer norwegischer Regierungsminister teilnahmen – die Worte „missing you Sir". Ihre letzte Kommunikation fand nur eine Woche vor Epsteins Verhaftung im Jahr 2019 statt.
Brende beteuerte gegenüber norwegischen Medien, er habe von Epsteins krimineller Vergangenheit nichts gewusst, als er ihn 2018 erstmals traf. Er bedauere, den Hintergrund des Amerikaners nicht gründlicher überprüft zu haben. Man fragt sich unwillkürlich: Wie kann der Chef einer Organisation, die sich als moralischer Kompass der globalen Wirtschaftselite inszeniert, derart nachlässig bei der Wahl seiner Dinner-Partner sein?
Die offizielle Erklärung – ein Meisterwerk der Verschleierung
In seiner offiziellen Rücktrittserklärung, die vom WEF selbst herausgegeben wurde, findet sich kein einziges Wort über Epstein. Stattdessen heißt es in diplomatischer Weichspülrhetorik, seine achteinhalb Jahre beim Forum seien „zutiefst bereichernd" gewesen. Erst gegenüber der norwegischen Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv wurde Brende deutlicher. Er wolle nicht, dass die Angelegenheit das Forum von seiner eigentlichen Arbeit ablenke. Und dann dieser bemerkenswerte Satz:
„Wie viele andere habe ich großes Unbehagen empfunden, mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht zu werden, und ich hatte Angst, dass der Kontakt als etwas anderes dargestellt werden könnte, als er war. Das ist die ehrliche Antwort."
Angst also. Nicht etwa Reue über mangelnde Sorgfalt, nicht Empörung über die Verbrechen Epsteins – sondern Angst vor der öffentlichen Wahrnehmung. Das sagt viel über die Prioritäten in diesen Kreisen aus.
Die unabhängige Untersuchung: Entwarnung mit Beigeschmack
André Hoffmann, Vizepräsident des Schweizer Pharmagiganten Roche, und Larry Fink, CEO des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, die als Co-Vorsitzende des WEF fungieren, teilten mit, dass eine unabhängige Überprüfung durch externe Anwälte keine zusätzlichen Bedenken über das bereits Bekannte hinaus ergeben habe. Man darf sich fragen, wie unabhängig eine solche Untersuchung tatsächlich sein kann, wenn sie von einer Organisation in Auftrag gegeben wird, die selbst im Zentrum des Sturms steht.
Die Interimsnachfolge übernimmt WEF-Geschäftsführer Alois Zwinggi. Der Stiftungsrat soll den Führungswechsel beaufsichtigen und einen dauerhaften Nachfolger identifizieren. Geschäft wie üblich also in Davos – nur eben mit einem neuen Gesicht an der Spitze.
Ein Muster, das sich wiederholt
Brendes Abgang ist kein Einzelfall. Bereits im vergangenen Jahr musste WEF-Gründer Klaus Schwab seinen Posten räumen, nachdem ein Whistleblower Vorwürfe des Fehlverhaltens erhoben hatte. Das WEF erklärte damals, eine interne Untersuchung habe keine Hinweise auf wesentliches Fehlverhalten Schwabs ergeben. Man kennt das Muster: Vorwürfe, interne Untersuchung, Entwarnung, Rücktritt – und weiter geht's.
Die Epstein-Akten, von denen das US-Justizministerium mittlerweile mehr als drei Millionen Seiten freigegeben hat, erschüttern die Machtzirkel der westlichen Welt in ihren Grundfesten. Neben Brende stehen zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft unter verschärfter Beobachtung – darunter US-Präsident Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Tesla-Chef Elon Musk. In Großbritannien haben die Enthüllungen sogar strafrechtliche Ermittlungen gegen Prinz Andrew ausgelöst.
Davos und die Glaubwürdigkeitskrise der Eliten
Was bleibt, ist ein verheerendes Bild. Das Weltwirtschaftsforum, jene Institution, die sich Jahr für Jahr im verschneiten Davos versammelt, um der Welt zu erklären, wie sie zu funktionieren habe, verliert in atemberaubendem Tempo seine Führungsfiguren – und mit ihnen seine ohnehin fragile Glaubwürdigkeit. Dieselben Eliten, die dem einfachen Bürger Verzicht predigen, den Klimawandel zur existenziellen Bedrohung erklären und sich als moralische Instanz gerieren, pflegen offenbar hinter verschlossenen Türen Kontakte zu verurteilten Sexualstraftätern.
Für den normalen Bürger, der sich fragt, warum er den Empfehlungen und Agenden aus Davos folgen sollte, liefert dieser Skandal eine unmissverständliche Antwort: Skepsis ist nicht nur berechtigt, sie ist geboten. Wenn die selbsternannten Architekten einer „besseren Welt" nicht einmal in der Lage sind, ihre eigenen moralischen Standards einzuhalten, warum sollte irgendjemand ihren Visionen von Great Reset, Stakeholder-Kapitalismus und globaler Governance vertrauen?
Die Epstein-Affäre ist mehr als ein Skandal um einen einzelnen Mann. Sie ist ein Fenster in die Abgründe einer globalen Elite, die sich für unantastbar hält. Dass diese Fassade nun Riss um Riss bekommt, mag für viele Menschen eine späte, aber überfällige Genugtuung sein.
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