
Washington kontrolliert Caracas: USA diktieren Venezuela den Staatshaushalt
Was sich wie ein Kapitel aus der Kolonialgeschichte liest, ist bittere Realität im Jahr 2026: Die venezolanische Übergangsregierung muss ihren monatlichen Haushaltsplan künftig von den Vereinigten Staaten genehmigen lassen. US-Außenminister Marco Rubio enthüllte dieses bemerkenswerte Detail bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuss – und machte damit deutlich, wie weit der amerikanische Einfluss in Südamerika mittlerweile reicht.
Totale Kontrolle über venezolanische Finanzen
Die Mechanik ist so simpel wie demütigend für das südamerikanische Land: Jeden Monat legt die Übergangsregierung in Caracas einen Budgetplan vor, den Washington anschließend prüft und absegnet – oder eben nicht. Die US-Regierung entscheide, wofür das Geld verwendet werden dürfe und wofür nicht, erklärte Rubio mit entwaffnender Offenheit. Von staatlicher Souveränität kann unter diesen Umständen wohl kaum noch die Rede sein.
Besonders pikant: Die venezolanische Führung hat sich offenbar verpflichtet, einen erheblichen Teil der Mittel für den direkten Kauf von Medikamenten und Ausrüstung aus den Vereinigten Staaten zu verwenden. Ein klassisches Geschäft, bei dem das Geld letztlich wieder in amerikanische Kassen fließt. Rubio bezeichnete diese Konstruktion als „kurzfristigen Mechanismus", der nicht auf Dauer angelegt sei. Doch wer glaubt ernsthaft, dass Washington freiwillig auf diese Kontrolle verzichten wird?
Der Sturz Maduros und seine Folgen
Die Vorgeschichte dieser beispiellosen Einflussnahme ist nicht minder dramatisch. Anfang Januar 2026 hatte das US-Militär bei einem Angriff auf Venezuela den langjährigen Staatschef Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau gefasst und außer Landes gebracht. Seither befindet sich das ölreiche Land in einer Phase tiefgreifender politischer Umbrüche, deren Ausgang noch völlig ungewiss erscheint.
Präsident Donald Trump, der sich in seiner zweiten Amtszeit außenpolitisch deutlich aggressiver zeigt als zuvor, verfolgt mit dem Venezuela-Engagement handfeste wirtschaftliche Interessen. Er will die marode Ölindustrie des Landes wieder hochfahren und verspricht sowohl amerikanischen Investoren als auch der venezolanischen Bevölkerung große Profite. Ob letztere davon tatsächlich profitieren wird, darf angesichts der nun bekannt gewordenen Budgetkontrolle bezweifelt werden.
Trumps Ambitionen gehen noch weiter
Kurz nach dem Sturz Maduros hatte Trump sogar in Aussicht gestellt, übergangsweise die Führung in Venezuela übernehmen zu wollen. Wie genau er sich das vorstellte, ließ der Präsident damals offen. Die jetzt enthüllte Haushaltskontrolle gibt jedoch einen Vorgeschmack darauf, wie amerikanische „Unterstützung" in der Praxis aussehen kann.
Die eingefrorenen venezolanischen Vermögenswerte wurden mittlerweile freigegeben – allerdings unter strikten Auflagen. Die Übergangsregierung unter der neuen Präsidentin mag formal die Amtsgeschäfte führen, doch die eigentlichen Entscheidungen fallen offensichtlich in Washington. Ein Arrangement, das an die Zeiten der Monroe-Doktrin erinnert, als die USA Lateinamerika als ihren exklusiven Hinterhof betrachteten.
Ein Lehrstück in Realpolitik
Für europäische Beobachter bietet dieser Vorgang reichlich Stoff zum Nachdenken. Während sich die EU in endlosen Debatten über Menschenrechte und demokratische Werte verliert, schaffen die USA unter Trump Fakten. Die Kontrolle über Venezuelas Ölreserven – die größten der Welt – ist ein strategischer Coup, der die amerikanische Energiesicherheit auf Jahre hinaus stärken dürfte.
Ob diese Form der Einflussnahme langfristig Stabilität bringt oder neuen Widerstand provoziert, bleibt abzuwarten. Die Geschichte Lateinamerikas ist reich an Beispielen gescheiterter US-Interventionen. Doch eines steht fest: Die Zeiten, in denen Venezuela seinen eigenen Weg gehen konnte, sind vorerst vorbei.

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