
Washington droht Bagdad: Ăleinnahmen als Druckmittel gegen iranischen Einfluss

Die Vereinigten Staaten haben dem Irak mit drastischen wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht, sollten pro-iranische Parteien in die nĂ€chste Regierung eingebunden werden. Konkret geht es um die Blockade irakischer Ăleinnahmen, die bei der Federal Reserve Bank in New York hinterlegt sind â ein Schritt, der die ohnehin fragile wirtschaftliche Lage des Landes erheblich verschĂ€rfen könnte.
Diplomatischer Druck ĂŒber mehrere Monate
Wie Reuters unter Berufung auf drei irakische Regierungsvertreter und eine weitere informierte Quelle berichtet, wurde die Warnung in den vergangenen zwei Monaten wiederholt vom US-GeschĂ€ftstrĂ€ger in Bagdad, Joshua Harris, an irakische Offizielle und einflussreiche schiitische FĂŒhrungspersönlichkeiten ĂŒbermittelt. Die Drohung steht im Zusammenhang mit der von PrĂ€sident Donald Trump verfolgten Strategie des "maximalen Drucks" gegen den Iran.
Die Brisanz dieser Drohung ergibt sich aus der besonderen Konstellation: Nach der US-Invasion im Jahr 2003 wurde der Irak gezwungen, sĂ€mtliche Einnahmen aus ĂlverkĂ€ufen auf einem Konto bei der New Yorker Federal Reserve zu deponieren. Da Ăleinnahmen rund 90 Prozent des irakischen Staatshaushalts ausmachen, verfĂŒgt Washington damit ĂŒber einen auĂerordentlich wirksamen Hebel gegenĂŒber Bagdad.
Historischer Kontext und aktuelle Regierungsbildung
Der Irak hielt im November Parlamentswahlen ab und befindet sich derzeit noch im Prozess der Regierungsbildung. Der bisherige Premierminister Muhammad Shia al-Sudani, der gute Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu Teheran pflegte, hat entschieden, nicht fĂŒr eine weitere Amtszeit zu kandidieren.
Diese Entscheidung hat den Weg fĂŒr eine mögliche RĂŒckkehr von Nouri al-Maliki geebnet, der zwischen 2006 und 2014 als Premierminister amtierte. Maliki genieĂt UnterstĂŒtzung von Parteien, die mit den Volksmobilisierungseinheiten (PMU) verbunden sind â Milizen, die 2014 mit iranischer UnterstĂŒtzung zur BekĂ€mpfung des IS gegrĂŒndet und spĂ€ter in die irakischen StreitkrĂ€fte integriert wurden.
Amerikanische Position zur irakischen SouverÀnitÀt
Ein Sprecher des US-AuĂenministeriums erklĂ€rte gegenĂŒber Reuters, die Vereinigten Staaten unterstĂŒtzten die irakische SouverĂ€nitĂ€t sowie die SouverĂ€nitĂ€t aller LĂ€nder in der Region. Dies lasse "absolut keinen Raum fĂŒr vom Iran unterstĂŒtzte Milizen, die böswillige Interessen verfolgen, konfessionelle Spaltung verursachen und Terrorismus in der Region verbreiten".
Die USA haben in den vergangenen Jahren bereits mehrfach den Dollarfluss zu irakischen Banken eingeschrĂ€nkt, was die Importpreise fĂŒr irakische Verbraucher erhöhte und die Bezahlung dringend benötigter Erdgasimporte aus dem Iran erschwerte. Die nun ausgesprochene Drohung, den Dollarfluss von der New Yorker Federal Reserve zur irakischen Zentralbank vollstĂ€ndig zu unterbinden, stellt jedoch eine neue Eskalationsstufe dar.
Regionale Spannungen als Hintergrund
Die Entwicklung ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran zu sehen. Im Juni kam es zu einem zwölftĂ€gigen Konflikt, bei dem Israel iranische Atomanlagen angriff und der Iran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf israelische MilitĂ€reinrichtungen reagierte. Die geopolitische Lage in der Region bleibt damit weiterhin Ă€uĂerst angespannt.
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