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18.09.2026
05:58 Uhr
KI-generiert

Wahlkampf auf Arabisch: Berlins Parteien buhlen um neue Pässe

Wahlkampf auf Arabisch: Berlins Parteien buhlen um neue Pässe
Symbolbild: KI-generiert

Zwei Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September werben Kandidaten von Linkspartei und BSW in der Hauptstadt gezielt auf Arabisch um Stimmen. Videos, Plakate, Instagram-Texte – alles in der Sprache einer Wählergruppe, die es bei der letzten Wahl so noch gar nicht gab. Denn Zehntausende Eingebürgerte dürfen erstmals mitentscheiden, wer Berlin regiert.

Ein neues Wählerreservoir – entstanden im Rekordtempo

Die Zahlen erklären den Eifer. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erhielten allein im Jahr 2025 in Berlin 39.041 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit – nach 21.811 im Jahr 2024 und rund 9.000 im Jahr 2023. Bundesweit wurden nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 2025 rund 332.500 Einbürgerungen gezählt.

Wahlberechtigt ist in Berlin, wer deutscher Staatsbürger, mindestens 16 Jahre alt und seit drei Monaten hauptwohnsitzlich gemeldet ist. Rechnerisch ist damit binnen weniger Jahre eine Wählergruppe entstanden, die in engen Wahlkreisen den Ausschlag geben kann. Und das Rennen ist eng: Eine Insa-Erhebung sah zuletzt CDU und Linke bei jeweils 20 Prozent, das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Pointe: Deutschkenntnisse sind Einbürgerungsvoraussetzung

Bemerkenswert ist die fremdsprachige Ansprache vor allem aus einem Grund: Für die Einbürgerung müssen grundsätzlich ausreichende Deutschkenntnisse nachgewiesen werden. Wer also Wahlkampf auf Arabisch, Türkisch oder Polnisch macht, sendet eine bemerkenswerte Botschaft über die eigene Erwartung an Integration.

Die Linke-Kandidatin Martha Kleedörfer, 27, tritt im Wahlkreis 6 in Berlin-Mitte an. Ihre Wahlkampfseite ist mehrsprachig, in ihrer Instagram-Biografie nennt sie die Pronomen „she/her". In einem vollständig auf Arabisch gehaltenen Video stellt sie sich vor und verbindet klassische Linke-Themen mit dem Nahostkonflikt.

„Gemeinsam kämpfen wir für bezahlbare Mieten und gegen Rassismus."

Dem Bericht zufolge folgt darauf der Satz, man kämpfe für „Solidarität für Palästina". Kleedörfer trägt im Video ein T-Shirt mit Wassermelonen-Motiv – wegen der Farben ein Symbol der Palästina-Bewegung. Zudem fordere sie das „Wahlrecht für alle".

Wahlaufruf mit Gottesbezug

Noch direkter agiert das Bündnis Sahra Wagenknecht. Spitzenkandidat Michael Lüders, Islamwissenschaftler und Publizist, spricht fließend Arabisch und wendet sich in einem Video ausdrücklich an Bürger mit arabischen oder muslimischen Wurzeln. Viele von ihnen wollten generell nicht wählen, sagt er – das sei der falsche Weg.

Seinen Aufruf verknüpft Lüders mit einem religiösen Appell: Man solle nicht vergessen, an Gott zu denken – und am 20. September das BSW zu wählen. Über die Neuköllner Sonnenallee sagte er bei einem Auftritt, er habe selbst in Syrien studiert und möge „dieses ganze Ambiente hier". Der Kiez erinnere ihn an Damaskus und Beirut.

Auch der Linke-Direktkandidat Philipp Dehne wirbt in Neukölln auf Arabisch, das er in Kairo, Saudi-Arabien und Syrien erlernte. Die SPD bietet ihr Wahlprogramm auf Arabisch, Türkisch, Polnisch und Englisch an, die Grünen informieren mehrsprachig, ein FDP-Kandidat plakatiert auf Türkisch.

Was daraus folgt

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Wahlkampf ein Grundproblem: Wer Sprachnachweise verlangt, sie aber im politischen Alltag für verzichtbar hält, entwertet das eigene Integrationsversprechen. Beobachter sehen darin die Bildung von Parallelöffentlichkeiten – finanziert durch Steuerzahler, die sich eine Politik für das ganze Land wünschen.

Ob die Strategie aufgeht, zeigt sich am Sonntag ab 18 Uhr mit der ersten Prognose.

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