
VW-Software-Baustelle: Jetzt soll Audi bei Cariad das Steuer übernehmen!

Volkswagen baut seine kriselnde Softwaresparte weiter um. Die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und hochautomatisiertem Fahren in Europa soll künftig in einer neuen Einheit namens „OneTeam“ gebündelt werden, und zwar unter der Führung von Audi. Formell starten soll die Einheit im November. Das geht aus einer internen Mitteilung im VW-Intranet hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
In „OneTeam“ kommen die Fachleute der Softwaretochter Cariad und der Konzernmarken zusammen. Laut der Mitteilung soll die Zusammenarbeit dadurch schneller und direkter werden. Das klingt vernünftig. Es klingt aber auch nach etwas, das man in Wolfsburg schon öfter gehört hat.
Große Worte, doppelte Chefs
Konzern-Entwicklungschef Werner Tietz spricht von einem weiteren Schritt, um im Zuge der Transformation effizienter zu werden. Weil Audi die Führung übernehme, seien die Verantwortlichkeiten klar geregelt. Cariad-Chef Peter Bosch geht noch weiter: Der Umbau sei die Grundlage für eine „höchst wettbewerbsfähige“ Technologieplattform, die der ganze Konzern nutzen könne.
Leiten soll die Einheit Manuel Birke, bisher bei Cariad Technikchef für Fahrerassistenzsysteme. Birke soll künftig an zwei Vorstände berichten: an den von Audi und an den von Cariad. Wie gut sich „klare Verantwortung“ mit zwei Vorgesetzten verträgt, bleibt abzuwarten. Weitere Details nannte der Konzern zunächst nicht.
Vom Prestigeprojekt zum Milliardengrab
Cariad wurde unter dem früheren Konzernchef Herbert Diess gegründet. Die Idee war groß: ein eigenes Betriebssystem für alle Marken des Konzerns, damit Volkswagen nicht von Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley oder aus China abhängig wird. Daraus wurde am Ende ein teures Lehrstück.
Allein 2023 lag der operative Verlust der Sparte nach Angaben des Konzerns bei rund 2,4 Milliarden Euro. Medienberichten zufolge summieren sich die Verluste inzwischen auf knapp zehn Milliarden Euro. Hinzu kamen Probleme mit der Software, die nach Berichten den Marktstart wichtiger Elektromodelle verzögert haben sollen.
Blumes Kurswechsel: Zukaufen statt selbst entwickeln
Oliver Blume, der heutige Konzernchef, geht einen anderen Weg. Er lässt weniger im eigenen Haus entwickeln und arbeitet stattdessen mit Partnern zusammen: mit Xpeng in China und mit Rivian in den USA. Die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer Bosch bei automatisierten Fahrfunktionen endete dagegen im Juli. Mit Cariad-Chef Peter Bosch hat der Zulieferer übrigens nichts zu tun.
Cariad soll sich nun auf einige Schlüsseltechnologien beschränken, darunter Software für die Fahrdynamik, Cloud-Anwendungen und Infotainment. Dafür wird die Belegschaft drastisch verkleinert:
- Ende 2023: rund 6.500 Beschäftigte
- Heute: etwa 4.300 Beschäftigte
- Geplant: der Abbau von etwa 1.000 weiteren Stellen
Ein Sprecher erklärte zuletzt, man baue Cariad zu einer neuen, kleineren und auf Tempo ausgerichteten Tech-Organisation um, mit wettbewerbsfähigen Arbeitsbedingungen. Für die Betroffenen heißt das wohl vor allem eines: Es wird gespart.
Wer kontrolliert das digitale Herz des Autos?
Für Beobachter wirft der Umbau eine grundsätzliche Frage auf. Die Software ist das Gehirn des modernen Autos. Wenn ausgerechnet dort amerikanische und chinesische Partner wichtige Teile liefern, wird Europas größter Autobauer in einer Kerntechnologie von anderen abhängig. Das ist bitter, gerade für eine Industrie, die Deutschland jahrzehntelang Wohlstand gebracht hat.
Dabei liegt die Verantwortung nicht nur in Wolfsburg. Hohe Energiepreise, viel Bürokratie und eine Regulierung aus Berlin und Brüssel, die oft eher bremst als hilft, machen den Wettlauf mit Tesla, BYD und anderen nicht leichter. Ob „OneTeam“ die Wende bringt oder nur ein neues Etikett für alte Probleme ist, wird sich an fertigen Produkten zeigen, nicht an Ankündigungen im Intranet.
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