
Vogelsicher? Krähe hängt im 2,3-Millionen-Netz von Frankfurt

Frankfurt am Main, Dienstagmorgen: Eine Rabenkrähe verfängt sich in der bunten Netzskulptur „A Sky Full of Hope“ über der Konstablerwache. Die Feuerwehr rückt mit der Drehleiter an und befreit das Tier. Kostenpunkt des Kunstwerks, das dort drei Jahre hängen soll: 2,3 Millionen Euro Steuergeld.
„Widerspricht allem, was uns bekannt war“
Die Stadt teilte mit, der Vogel sei in eine Tierklinik gebracht worden, es gehe ihm gut, er sei wieder frei. Zugleich klingt die offizielle Reaktion nach Ratlosigkeit.
„Der Vorfall widerspricht allem, was uns auf Grundlage der bisherigen fachlichen Einschätzung bekannt war.“
Man werde analysieren, ob und welche Konsequenzen zu ziehen seien und ob die Lage fachlich neu bewertet werden müsse, heißt es weiter. Was das für die Installation bedeutet, bleibt offen.
Die Künstlerin hatte Entwarnung gegeben
Die Skulptur der US-Amerikanerin Janet Echelman wurde am 11. August eröffnet. Ähnliche Netze von ihr hingen bereits in Wien, Madrid, Mailand und Dubai. Auf einer eigenen Internetseite zur Vogelsicherheit erklärt sie, ihre Netze bestünden aus dickeren Seilen mit größeren Maschen als Fangnetze für Vögel – sie erinnerten an Ranken und Dickichte, die Vögel mieden.
Noch am Montag habe die Künstlerin in den sozialen Medien betont, bislang sei in keinem ihrer Netze ein Vogel verletzt worden. Einen Tag später zappelte in Frankfurt die Krähe. Theorie trifft Realität – und die Realität hat Flügel.
Kein Wettbewerb, keine Ausschreibung – und ein Jurist, der zweifelt
Für das Millionenprojekt gab es Medienberichten zufolge weder Ausschreibung noch Gestaltungswettbewerb. Das Kulturdezernat beauftragte die Künstlerin und eine Frankfurter Agentur direkt – begründet mit der Einzigartigkeit des Werks. Ein renommierter Frankfurter Vergaberechtler hält das laut hessischem Rundfunk für zweifelhaft: 2026 hätte ab 216.000 Euro, spätestens ab 750.000 Euro grundsätzlich europaweit ausgeschrieben werden müssen. Die Ausnahme für „einzigartige Kunstwerke“ sei eng auszulegen; einen Platz kunstvoll zu illuminieren, dürften viele renommierte Künstler leisten können.
Auch bei den Zahlen bleibt es nebulös: Wie sich die 2,3 Millionen aufteilen – Honorar, Miete des LED-Netzes für drei Jahre, Montage – legt die Stadt nicht offen. Sie beruft sich auf wirtschaftliche Interessen der Beteiligten bei künftigen Vergaben.
„Übriges“ Geld gibt es nicht
Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) argumentiert, das Geld sei im Stadtmarketing für die Illumination „gewissermaßen übrig“ gewesen, gespart werde nirgends. Die Mittel stammen aus der „Initiative Innenstadt“ von 2022 – 30 Millionen Euro zur Belebung der City nach Corona. Nicht verbrauchte Reste wurden im Nachtragshaushalt 2025 zum Posten „Innenstadtilluminierung anlässlich World Design Capital 2026“ gebündelt, ohne inhaltliche Debatte.
Ein Sprecher des Finanzdezernats stellte klar: Restmittel verschwinden nicht, sie müssen neu verplant werden – auch für ganz andere Zwecke. Kritik kam bereits im Vorjahr von der Linken und vom Steuerzahlerbund Hessen. Aus Sicht unserer Redaktion ist das der Kern: Wo Geld als „übrig“ gilt, wird selten gefragt, ob Bürger es besser gebraucht hätten. Zwischen November und Februar wird das Netz übrigens abgebaut – aus Sicherheitsgründen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Einordnung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen trifft jeder Leser eigenverantwortlich nach eigener Prüfung.

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