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Kettner Edelmetalle
20.02.2026
08:37 Uhr

Vatikan an der Börse: Wenn der Heilige Stuhl zum Fondsmanager wird

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Institution, die seit Jahrhunderten predigt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als ein Reicher in das Reich Gottes, lanciert nun eigene Aktienindizes. Die Vatikanbank – jenes sagenumwobene Institut für religiöse Werke (IOR), das in der Vergangenheit eher durch Geldwäscheskandale als durch fromme Finanzgebaren auffiel – hat am 10. Februar 2026 zwei Aktienindizes vorgestellt, die Unternehmen nach angeblich katholischen Grundsätzen auswählen sollen. ETFs könnten bald folgen. Willkommen in der schönen neuen Welt des heiligen Kapitalismus.

Meta und Amazon als Säulen katholischer Ethik?

Die beiden Indizes – der Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles Index und der Morningstar IOR U.S. Catholic Principles Index – umfassen jeweils 50 mittelgroße und große Unternehmen. Soweit, so gewöhnlich. Doch wer einen Blick auf die Zusammensetzung wirft, reibt sich verwundert die Augen. Im europäischen Index finden sich der Halbleiterzulieferer ASML und die Deutsche Telekom unter den Schwergewichten. Der US-Index hält ausgerechnet Meta Platforms und Amazon in seinen Top-Positionen – zwei Konzerne, die regelmäßig wegen Datenschutzverstößen, fragwürdiger Marktmacht und der systematischen Aushöhlung des Wettbewerbs in der Kritik stehen.

Man fragt sich unwillkürlich: Seit wann gehört die algorithmische Manipulation menschlicher Aufmerksamkeit zu den Kardinaltugenden? Und ist die gnadenlose Optimierung von Lieferketten auf Kosten von Arbeitnehmerrechten tatsächlich das, was der Katechismus unter sozialer Gerechtigkeit versteht? Giovanni Boscia, stellvertretender Generaldirektor und CFO der Vatikanbank, verteidigte die Auswahl mit dem Verweis auf „anerkannte katholische ethische Kriterien". Die Initiative bekräftige das Engagement des IOR als „Finanzinstitut im Dienste der Kirche" und stärke dessen Rolle als „Bezugspunkt für die katholische Welt".

Ein Milliardenmarkt lockt – und der Vatikan wittert seine Chance

Der Zeitpunkt des Launches ist kein Zufall. Der globale ETF-Markt wuchs 2024 um knapp 30 Prozent und überschritt die Marke von 14 Billionen US-Dollar. Prognosen von PricewaterhouseCoopers zufolge könnte das Volumen bis 2029 auf bis zu 30 Billionen US-Dollar anschwellen. Bei einer weltweiten Glaubensgemeinschaft von über 1,3 Milliarden Katholiken dürfte das Marktpotenzial den Strategen im Vatikan nicht entgangen sein.

Konkurrenz gibt es freilich bereits. Ein ETF von Global X, der den S&P 500 Catholic Values Index abbildet, verwaltet bereits über eine Milliarde US-Dollar und legte 2025 rund 16 Prozent zu – in etwa so viel wie der S&P 500 selbst. Auch die Ave Maria Mutual Funds, eine auf katholischen Lehren basierende Fondsfamilie, bringt es auf stattliche 3,8 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Der Vatikan steigt also in einen Markt ein, der bereits bespielt wird – allerdings mit dem unschätzbaren Vorteil der päpstlichen Marke.

ESG-Fonds im Abwärtsstrudel – ein schlechtes Omen?

Pikant ist allerdings das Timing in anderer Hinsicht. Ethisch orientierte Investments befinden sich in schwerem Fahrwasser. Fonds mit ESG-Anlagezielen – also solche, die ökologische, soziale und Governance-Kriterien berücksichtigen – verzeichneten im vergangenen Jahr erstmals globale Nettoabflüsse von 84 Milliarden US-Dollar. Der Trend weg von moralisch aufgeladenen Finanzprodukten ist unübersehbar. Ob ein religiös gerahmter Ansatz gegen diesen Strom schwimmen kann, bleibt höchst fraglich.

Die Skepsis gegenüber ESG-Produkten hat gute Gründe. Viele Anleger haben erkannt, dass hinter der grünen Fassade oft wenig Substanz steckt – und dass die Rendite nicht selten unter dem moralischen Anstrich leidet. Dass ausgerechnet der Vatikan nun in dieses trübe Gewässer eintaucht, zeugt entweder von bemerkenswertem Mut oder von einer gewissen Realitätsferne.

Die skandalbelastete Geschichte der „Bank Gottes"

Wer die Geschichte des IOR kennt, dem fällt es schwer, die Institution als moralischen Kompass der Finanzwelt zu akzeptieren. Die Vatikanbank war mehrfach mit Vorwürfen der Geldwäsche und Verbindungen zur organisierten Kriminalität konfrontiert. Der Zusammenbruch der Mailänder Banco Ambrosiano im Jahr 1982 – einer der größten Bankenskandale der europäischen Nachkriegsgeschichte – warf lange Schatten auf das IOR. Der damalige Leiter Erzbischof Paul Marcinkus soll in Verbindung mit dem als Mafia-Banker bekannten Michele Sindona gestanden haben.

Noch 2021 wurde der frühere Vatikanbank-Präsident Angelo Caloia wegen Geldwäsche und Veruntreuung von Millionen Euro schuldig gesprochen. Und nun soll dieselbe Institution als Hüterin katholischer Anlagewerte auftreten? Das ist ungefähr so überzeugend, als würde ein notorischer Falschspieler zum Schiedsrichter ernannt.

Das verborgene Billionen-Vermögen der Kirche

Die Lancierung der Indizes lenkt den Blick auch auf die gewaltige finanzielle Macht der katholischen Kirche. Schätzungen zufolge beläuft sich das Vermögen der Weltkirche auf rund 400 Milliarden Euro – wobei allein der deutsche Ableger bereits auf rund 300 Milliarden Euro kommen soll. Die Erzbistümer Paderborn, Köln und München-Freising wiesen jeweils zwischen 3,4 und 4,4 Milliarden Euro an Aktiva aus. Experten vermuten jedoch, dass das tatsächliche Vermögen deutlich höher liegt, da Klöster, Pfarreien, Verbände und Stiftungen in den Bilanzen der Bistümer regelmäßig nicht erfasst würden.

Trotz dieses enormen Reichtums berichten Vatikanbehörden regelmäßig von Haushaltslücken. Der sogenannte Peterspfennig – die freiwillige Abgabe der Gläubigen weltweit – musste jahrelang zur Deckung von Defiziten herangezogen werden. Ein bemerkenswerter Widerspruch für eine Institution, die auf einem derartigen Vermögensberg sitzt.

Fazit: Heiliger Schein statt heiliger Werte?

Die Vatikanbank betritt mit ihren Aktienindizes Neuland – und wirft dabei mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Kann eine Institution mit einer derart belasteten Finanzhistorie glaubwürdig als ethischer Anlageberater auftreten? Ist ein Index, der Tech-Giganten wie Meta und Amazon zu seinen Kernpositionen zählt, wirklich Ausdruck katholischer Wertvorstellungen? Oder geht es letztlich schlicht darum, das enorme Marktpotenzial einer globalen Glaubensgemeinschaft zu monetarisieren?

Papst Benedikt XVI. mahnte einst in seiner Freiburger Rede, die Kirche müsse sich von „materiellen und politischen Lasten und Privilegien" befreien. ETFs auf Basis katholischer Werte dürften kaum das sein, was er damit gemeint hat. Wer sein Vermögen wirklich auf soliden, zeitlosen Werten aufbauen möchte, der sollte vielleicht weniger auf die neuesten Finanzprodukte aus dem Vatikan schauen – und stattdessen auf das setzen, was seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel dient: physische Edelmetalle wie Gold und Silber. Nicht umsonst brachten die Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe – und keinen ETF-Anteilsschein.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche getroffen werden. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung. Wir empfehlen, vor jeder Investitionsentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren.

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