
Vance lässt Trump allein: Kein Segen für Netanjahu vor Israel-Wahl!

US-Vizepräsident J.D. Vance verweigert Israels Premier Benjamin Netanjahu die Wahlempfehlung. Nur einen Tag zuvor hatte Präsident Donald Trump den Regierungschef öffentlich gelobt und ihm den Rücken gestärkt. Am 27. Oktober wählt Israel eine neue Knesset, und in Washington zeigt sich plötzlich ein Riss, über den man so offen bisher kaum gesprochen hat.
"Weder dafür noch dagegen"
In einem am Montag veröffentlichten Interview zog Vance eine klare Linie. Er unterstütze amerikanische Kandidaten, sagte er, und sein Fokus liege auf den anstehenden Zwischenwahlen in den USA. In die israelischen Wahlen wolle er sich nicht einmischen.
Als Affront gegen Netanjahu will der Vizepräsident das nicht verstanden wissen. Er sei weder gegen ihn noch für ihn, betonte Vance sinngemäß. Seinem Chef zollte er dabei ausdrücklich Respekt:
"The president has the most effective endorsement in American or international political history."
Das klingt höflich. Trotzdem ist die Botschaft deutlich: Trumps Segen für Netanjahu gilt nicht automatisch für das ganze Weiße Haus.
Trump jubelt, Netanjahu bedankt sich
Trump hatte sich am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social eindeutig festgelegt. Er nannte Netanjahu, den am längsten amtierenden Premier in der Geschichte Israels, einen "Great Warrior Prime Minister" und einen noch größeren Partner für den Frieden im Kampf gegen die Islamische Republik Iran. Netanjahu dankte prompt für die "enorme Unterstützung" und die Zusammenarbeit.
Ganz ohne Risiko ist diese Rückendeckung für Netanjahu nicht. Umfragen sehen laut Medienberichten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot und seiner neuen Mitte-Partei Jaschar. Die Abstimmung ist die erste landesweite Wahl seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023. Beobachter sehen darin auch ein Referendum über Netanjahus Krisenmanagement.
Der selektive Nicht-Einmischer
Wie ernst meint Vance seine Zurückhaltung? Die Frage drängt sich auf. Denn ausländische Wahlkämpfe sind für ihn kein Neuland.
- Im April trat er in Budapest auf und warb öffentlich für die Wiederwahl von Viktor Orbán. Der Ungar verlor nach 16 Jahren an der Macht trotzdem.
- Bei der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr traf er sich mit AfD-Chefin Alice Weidel. Damals warb auch Elon Musk offen für die Partei.
Der Auftritt in München hat sich vielen Deutschen eingeprägt. Vance kritisierte dort den Umgang Europas mit der Meinungsfreiheit, und in Berlin war die Empörung groß. Dass sich derselbe Mann nun auf das Prinzip der Nichteinmischung beruft, wirkt zumindest erklärungsbedürftig. Kritiker dürften darin eher politisches Kalkül als Prinzipientreue sehen.
Bröckelt Amerikas Israel-Konsens?
Hinter der Episode steckt mehr als eine Personalie. Die Unterstützung für Israel war in den USA lange ein überparteilicher Grundpfeiler, getragen von Republikanern wie Demokraten. Laut dem Bericht ist sie zuletzt jedoch deutlich gesunken. Zugleich wird heftig darüber gestritten, wie Netanjahus Regierung auf den Hamas-Angriff reagiert hat.
Vance selbst hatte bereits im Juni gewarnt: Israel habe kaum noch Freunde in der Welt und solle sich gut überlegen, ob es sich gegen den einen wende, der ihm geblieben sei. Das war ein Satz mit Sprengkraft. Er passt zu einem Vizepräsidenten, der eine Wählerschaft im Blick hat, die bei Auslandsengagements zunehmend skeptisch ist.
Ein Signal mit Blick auf 2028?
Für Vance geht es um mehr als die Kongresswahlen im November. Er gilt als möglicher Erbe der MAGA-Bewegung, und in dieser Bewegung wird die bedingungslose Nähe zu Netanjahu inzwischen offen diskutiert. Seine vorsichtige Distanz könnte deshalb der erste Baustein einer eigenen außenpolitischen Handschrift sein. Ob Trump das mit Gelassenheit hinnimmt, bleibt abzuwarten.

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