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Kettner Edelmetalle
11.02.2026
20:30 Uhr

US-Arbeitsmarkt überrascht – doch die Fed bleibt auf der Bremse

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten zeichnen ein zwiespältiges Bild, das Anleger und Notenbanker gleichermaßen in Atem hält. Während die Zahl der neu geschaffenen Stellen im Januar 2026 die Erwartungen deutlich übertraf, offenbaren drastische Revisionen der Vorjahresdaten einen Arbeitsmarkt, der 2025 praktisch zum Stillstand gekommen war. Die Federal Reserve dürfte sich dadurch in ihrer abwartenden Haltung bestätigt fühlen – mit weitreichenden Konsequenzen für die globalen Finanzmärkte.

Besser als erwartet – aber kein Grund zur Euphorie

Das Bureau of Labor Statistics meldete für Januar einen Zuwachs von 130.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Ökonomen hatten lediglich mit 70.000 neuen Jobs gerechnet. Die Arbeitslosenquote sank leicht von 4,4 auf 4,3 Prozent. Auf den ersten Blick also solide Zahlen, die der amerikanischen Wirtschaft ein gewisses Maß an Widerstandsfähigkeit attestieren.

Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die gleichzeitig veröffentlichten Revisionen für das Gesamtjahr 2025 ergaben einen durchschnittlichen monatlichen Stellenzuwachs von gerade einmal 15.000 – ein Wert, der normalerweise eher den Beginn einer Rezession signalisiert als eine Phase gesunden Wirtschaftswachstums. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2019 lag der monatliche Durchschnitt bei 183.000 neuen Stellen. Der gesamte Stellenzuwachs des vergangenen Jahres war also geringer als ein einziger durchschnittlicher Monat im vergangenen Jahrzehnt.

Trumps Einwanderungspolitik als entscheidender Faktor

Was steckt hinter diesem dramatischen Einbruch? Der wohl gewichtigste Faktor dürfte der drastische Rückgang der Immigration in Präsident Trumps erstem Jahr zurück im Weißen Haus gewesen sein. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung bedeutet schlicht, dass die Wirtschaft weniger neue Stellen schaffen muss, um Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten. Kansas City Fed-Präsident Jeffrey Schmid, der Ende 2025 gegen Zinssenkungen gestimmt hatte, verwies genau auf diesen Zusammenhang: Das schwache Jobwachstum sei weniger auf eine nachlassende Nachfrage nach Arbeitskräften zurückzuführen als vielmehr auf demografische Verschiebungen und veränderte Einwanderungspolitik.

Man mag von Trumps restriktiver Migrationspolitik halten, was man will – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Weniger Zuwanderung bedeutet weniger verfügbare Arbeitskräfte, was wiederum die Unternehmen zwingt, mit dem vorhandenen Personal mehr zu leisten. Und genau das scheint zu geschehen.

Produktivitätsboom oder Vorbote des Abschwungs?

Hier wird es wirklich interessant. Das US-Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal 2025 mit einer annualisierten Rate von beeindruckenden 4,4 Prozent – und das bei praktisch stagnierender Beschäftigung. Rick Rieder, Chief Investment Officer für globale Anleihen bei BlackRock, brachte es auf den Punkt: In früheren Zyklen hätte ein solches Wachstum deutlich mehr Neueinstellungen erfordert. Die Tatsache, dass die Wirtschaft trotz verlangsamter Einstellungen weiter expandiere, könnte ein frühes Signal für einen Produktivitätsboom sein.

Ob dieser Produktivitätsschub auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurückzuführen ist oder schlicht darauf, dass Unternehmen angesichts der Unsicherheit über Zölle und andere politische Maßnahmen gezwungen sind, mit weniger Personal mehr zu erreichen – darüber lässt sich trefflich streiten. Fest steht: Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in einem bemerkenswerten Zustand, der sich mit herkömmlichen Modellen nur schwer erfassen lässt.

Die Fed in der Zwickmühle

Die Federal Reserve hatte bei ihrer letzten Sitzung mit einer Mehrheit von 10 zu 2 Stimmen beschlossen, den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen – nachdem sie ihn zuvor bei den letzten drei Sitzungen des Jahres 2025 jeweils gesenkt hatte. Fed-Gouverneur Christopher Waller, einer der beiden Abweichler, hatte bereits Ende Januar gewarnt, der Arbeitsmarkt sei im vergangenen Jahr weitaus schwächer gewesen als allgemein angenommen und könne sich von hier aus noch erheblich verschlechtern.

Die Händler an den Terminmärkten rechnen zwar weiterhin damit, dass die nächste Zinssenkung bei der Sitzung am 16. und 17. Juni erfolgen könnte, doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed auch dann stillhält, ist nach den Arbeitsmarktdaten auf fast 40 Prozent gestiegen – gegenüber rund 25 Prozent zuvor. Oren Klachkin von Nationwide fasste die Lage nüchtern zusammen: Bei einem Leitzins nahe dem neutralen Niveau und einer Wirtschaft, die weiter brumme, erscheine eine verlängerte Zinspause nach wie vor wahrscheinlich.

Ein fragiles Gleichgewicht

Laura Ullrich vom Indeed Hiring Lab beschrieb den aktuellen Zustand des Arbeitsmarktes als ein Umfeld mit wenigen Einstellungen, aber auch wenigen Entlassungen – ein Gleichgewicht, das sie als „prekär" bezeichnete. Die sinkende Arbeitslosenquote sei zwar erfreulich, doch diese Balance könne jederzeit kippen.

Für europäische und insbesondere deutsche Anleger haben diese Entwicklungen unmittelbare Relevanz. Bleibt die Fed länger auf der Bremse, stärkt dies tendenziell den US-Dollar – was wiederum den Euro unter Druck setzt und die ohnehin angeschlagene deutsche Exportwirtschaft zusätzlich belastet. In Kombination mit Trumps aggressiver Zollpolitik – 20 Prozent auf EU-Importe – entsteht ein toxischer Cocktail für die europäische Wirtschaft, der die Europäische Zentralbank möglicherweise zu noch aggressiveren Zinssenkungen zwingen könnte.

Gold als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten

In einem solchen Umfeld – geprägt von geldpolitischer Unsicherheit, geopolitischen Spannungen und einer zunehmend unberechenbaren Handelspolitik – erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker im Portfolio. Während Aktienmärkte nervös auf jede Äußerung eines Fed-Gouverneurs reagieren und Anleiherenditen im Spannungsfeld zwischen Inflation und Rezessionsangst schwanken, bietet Gold jene zeitlose Stabilität, die in Zeiten wie diesen unbezahlbar ist. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, kommt an einer Beimischung physischer Edelmetalle kaum vorbei.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Investitionsentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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