
Trumps Zollhammer: US-Handelsbeauftragter kündigt drastische Tariferhöhungen an
Während die Weltwirtschaft ohnehin unter erheblichem Druck steht, dreht Washington an der Zollschraube – und zwar kräftig. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat am Mittwoch angekündigt, dass die Zollsätze für einige Länder von derzeit 10 Prozent auf mindestens 15 Prozent steigen werden. Für manche Handelspartner könnte es sogar noch deutlich teurer werden. Welche Länder konkret betroffen sein werden, ließ Greer wohlweislich offen – ein taktisches Schweigen, das die Nervosität an den internationalen Märkten nur weiter befeuern dürfte.
China wird vorerst verschont – aber nur vorerst
Bemerkenswert ist, was Greer nicht ankündigte: Eine Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren sei derzeit nicht geplant, da Präsident Trump in den kommenden Wochen einen Besuch in Peking plane. Man wolle am bestehenden Handelsabkommen festhalten und nicht über die aktuellen Sätze hinaus eskalieren. Eine diplomatische Geste? Oder eher kalkuliertes Kalkül vor einem Staatsbesuch, bei dem Trump einmal mehr den großen Dealmaker geben möchte?
Gleichzeitig machte Greer unmissverständlich klar, dass die Geduld Washingtons mit Pekings Wirtschaftspraktiken keineswegs grenzenlos sei. Er und Finanzminister Scott Bessent hätten das Problem der industriellen Überkapazitäten wiederholt bei chinesischen Offiziellen angesprochen. Unprofitable chinesische Unternehmen würden mit staatlicher Unterstützung am Leben gehalten und produzierten munter weiter – ein Zustand, den die USA nicht länger hinnehmen wollten. „Ich glaube nicht, dass sie dieses Problem vollständig lösen werden, und das ist ein Grund, warum wir Zölle auf China, Vietnam und andere Länder brauchen", so Greer wörtlich.
Neue Zölle nach dem Supreme-Court-Urteil
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist brisant: Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA geurteilt hatte, dass Trump mit seinen bisherigen Notstandszöllen seine Befugnisse überschritten habe, musste die Administration einen neuen rechtlichen Rahmen schaffen. Die Lösung: temporäre Zölle nach Section 122 des Trade Act von 1974, die am Dienstag mit einem Satz von 10 Prozent in Kraft traten. Diese sollen nun „wo angemessen" auf 15 Prozent angehoben werden.
Greer betonte, dass die neuen Zölle mit bestehenden Handelsabkommen kompatibel seien. Man wolle sicherstellen, dass die rechtlichen Prozesse korrekt eingehalten würden – schließlich rechne man fest mit Klagen ausländischer Interessengruppen. „Jedes Mal, wenn wir einen Zoll erheben, werden ausländische Interessen versuchen, ihn zu Fall zu bringen. Die Leute werden uns verklagen", räumte er freimütig ein.
Section 301: Das Herzstück der neuen Handelsstrategie
Das eigentliche Kernstück der amerikanischen Handelspolitik sollen jedoch umfassende Untersuchungen nach Section 301 des Handelsgesetzes werden. Diese zielen auf Länder ab, die industrielle Überkapazitäten aufbauen, Zwangsarbeit in Lieferketten einsetzen, US-Technologieunternehmen diskriminieren oder Produkte wie Reis und Meeresfrüchte subventionieren. Indonesien wurde dabei explizit als Ziel genannt – das Land habe zwar einem Abkommen zugestimmt, das einen US-Zollsatz von 19 Prozent vorsieht und seine Märkte für amerikanische Waren öffnet, doch Washington will die Einhaltung dieser Zusagen genau überprüfen.
Darüber hinaus verwies Greer auf ein fast hundert Jahre altes Handelsgesetz – Section 338 des Tariff Act von 1930 –, das Zölle von bis zu 50 Prozent auf Importe aus bestimmten Ländern ermöglicht. Dieses Gesetz sei „immer noch geltendes Recht" und könne in Fällen nützlich sein, in denen Länder den US-Handel gegenüber anderen Nationen diskriminierten.
Was bedeutet das für Europa – und für Deutschland?
Für die europäische und insbesondere die deutsche Wirtschaft sind diese Entwicklungen alarmierend. Die bereits bestehenden 20-Prozent-Zölle auf EU-Importe belasten die exportabhängige deutsche Industrie massiv. Sollten die USA ihre Zollpolitik weiter verschärfen, droht eine Spirale protektionistischer Maßnahmen, die den ohnehin angeschlagenen Welthandel weiter lähmen könnte.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, Deutschlands Handelsinteressen gegenüber Washington zu verteidigen – und das in einer Zeit, in der das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Staatsverschuldung in schwindelerregende Höhen treibt und die Inflation weiter anheizt. Dass ausgerechnet jetzt die transatlantischen Handelsbeziehungen unter derart massivem Druck stehen, macht die Lage für den deutschen Mittelstand nicht gerade rosiger.
In Zeiten solcher geopolitischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Während Handelsströme durch politische Entscheidungen über Nacht umgelenkt werden können und Währungen unter dem Druck von Zollkriegen leiden, bieten Gold und Silber jene zeitlose Stabilität, die kein Handelsabkommen und kein Gerichtsurteil erschüttern kann.
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