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Kettner Edelmetalle
03.08.2026
12:59 Uhr

Trumps Iran-Poker: Angriff abgeblasen, Verhandlungen erfunden? Teheran dementiert – Öl bricht ein

Trumps Iran-Poker: Angriff abgeblasen, Verhandlungen erfunden? Teheran dementiert – Öl bricht ein

Es ist ein Schauspiel, das an einen orientalischen Basar erinnert – nur dass hier nicht um Teppiche, sondern um Krieg und Frieden gefeilscht wird. Donald Trump verkündete, er habe einen Militärschlag gegen den Iran in letzter Sekunde gestoppt, den "größten Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg". Ab Montagnachmittag sollten Verhandlungen beginnen. Nur: In Teheran will man von Gesprächen mit Washington nichts wissen. Wer hier wen vorführt, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Weltwirtschaft hängt am seidenen Faden – und die Ölmärkte tanzen dazu Tango.

Riad zieht die Bremse – und Washington gehorcht

Nach Informationen amerikanischer Medien soll es die saudische Führung gewesen sein, die Trump zurückpfiff. Kronprinz Mohammed bin Salman habe auf Deeskalation gedrängt, ein US-Beamter zitierte die saudische Seite dahingehend, dass man Klarheit über den Aktionsplan verlangt habe. Trump selbst bestätigte dies vor Journalisten an Bord der Air Force One nach seiner Rückkehr aus Bedminster. Er habe den Kronprinzen gefragt, was dieser vorziehen würde – die Antwort sei ein Deal statt eines Angriffs gewesen.

Bemerkenswert ist die Liste jener, die laut Trump um Zurückhaltung gebeten hätten: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar – und angeblich der Iran selbst. Letzteres wird von iranischer Seite als "neue Lüge" zurückgewiesen. Die Streitkräfte der Islamischen Republik seien in höchster Alarmbereitschaft, heißt es aus Teheran. Man darf sich fragen, was von einer Diplomatie zu halten ist, bei der beide Seiten den gleichen Vorgang diametral entgegengesetzt schildern.

Verhandelt wird – nur mit Oman, nicht mit Amerika

Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei erklärte, es gebe derzeit keine Gespräche mit den Vereinigten Staaten. Weder werde eine amerikanische Delegation empfangen, noch eine eigene entsandt. Was es gebe, seien Verhandlungen mit Oman über die Straße von Hormus. Seit sieben bis acht Tagen würden Karten ausgetauscht, ein neues Rahmenwerk erarbeitet. Außenminister Abbas Araghchi sprach von der Endphase der Gespräche.

Ein Abkommen mit Oman allein genüge nicht, um die Wasserstraße wieder zu öffnen – solange die amerikanische Aggression anhalte, bleibe die Lage unverändert.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Teheran will einen temporären Sicherheitskorridor, keine Kapitulation. Und China? Peking sei besorgt über die Eskalation und arbeite daran, eine Verschlimmerung zu verhindern, so Baghaei. Als Vermittler fungierten weiterhin Pakistan und Katar – neue Kanäle gebe es nicht.

Öl im freien Fall – und was das für Anleger bedeutet

Die Märkte reagierten prompt. Brent-Öl verlor rund 4,5 Prozent und notierte knapp über 83 Dollar. Ein Kursrutsch, der zeigt, wie nervös die Energiemärkte im sechsten Kriegsmonat sind. Wer glaubt, das ginge Deutschland nichts an, sollte einen Blick auf seine Heizkostenabrechnung werfen. Ein Land, das seine Kernkraftwerke aus ideologischen Gründen abgeschaltet hat und sich nun auf Flüssiggas-Importe verlässt, ist geopolitischen Erpressungen schutzlos ausgeliefert. Die energiepolitische Selbstentwaffnung der vergangenen Jahre entfaltet ihre Wirkung ausgerechnet dann, wenn es darauf ankommt.

Wer hat den längeren Atem?

Analysten zeichnen ein für Washington unerfreuliches Bild. Teheran setze offenbar darauf, den Konflikt zu überdauern, indem es Handelsrouten, Schifffahrtswege und Energieinfrastruktur in Druckpunkte verwandle. Nicht der militärische Sieg sei das Ziel, sondern eine kalkulierte Eskalation, die den Konflikt ausweite, ohne einen totalen Krieg auszulösen. Eine Golf-Quelle wird mit der Einschätzung zitiert, die Iraner glaubten, Trump werde vor den Zwischenwahlen im November einlenken. Er meine, sie hart treffen und an den Verhandlungstisch zwingen zu können – doch sie würden nicht nachgeben.

Parallel dazu soll das US-Zentralkommando eine zweiwöchige Bombenkampagne vorbereitet haben. Interne Nachrichten sprechen von der Suche nach neuen, unkonventionellen Wegen, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Das ständige Hin und Her zwischen Eskalation und Rückzug dürfte vor allem einem nützen: Teheran.

Zwischen Gaza und Bab al-Mandeb

Im Gazastreifen gehen die Kämpfe unterdessen weiter, der palästinensische Zivilschutz meldete mindestens 18 Todesopfer nach israelischen Drohnen- und Luftangriffen. Israel wiederum signalisierte dem Weißen Haus erhebliche Sicherheitsbedenken gegen ein Abkommen zur Entwaffnung der Hamas – man vermutet, die Organisation wolle ihre militärischen Fähigkeiten wiederaufbauen. Am Bab al-Mandeb sank die Zahl der Durchfahrten von 27 auf 18 Schiffe. Vor Khasab in Oman meldete ein Tanker-Kapitän eine Explosion in unmittelbarer Nähe.

Unser Fazit

Was hier abläuft, ist ein Lehrstück über die Fragilität einer Weltordnung, die auf globalen Lieferketten und billiger Energie gebaut wurde. Während in Berlin über Genderleitfäden und Klimaziele im Grundgesetz debattiert wird, entscheidet sich am Persischen Golf, ob Europa im Winter warme Wohnungen hat. Eine Regierung, die 500 Milliarden Euro neue Schulden auflegt und gleichzeitig die industrielle Basis des Landes durch Ideologie zerstört, hat den Ernst der Lage nicht begriffen.

In Zeiten, in denen Öl in Stunden vier Prozent verliert und ein einziger Tweet über Krieg oder Frieden entscheidet, zeigt sich der Wert von Substanz. Physisches Gold und Silber kennen keine Ausfallrisiken, keine Zentralbankbeschlüsse und keine geopolitischen Dementis. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben Edelmetalle das, was sie seit Jahrtausenden sind: Versicherung gegen die Fehler der Mächtigen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen durchzuführen und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

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