
Trump installiert Kritiker als Chef der US-Arbeitsmarktstatistik – Ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Daten?
Die Vereinigten Staaten erleben derzeit einen beunruhigenden Präzedenzfall, der die Glaubwürdigkeit ihrer Wirtschaftsdaten fundamental erschüttern könnte. Präsident Donald Trump hat E.J. Antoni zum neuen Leiter des Bureau of Labor Statistics (BLS) ernannt – ausgerechnet jenen Mann, der die Behörde jahrelang scharf kritisiert hatte. Der Grund für diese Personalrochade? Trump passten die jüngsten Arbeitsmarktdaten schlichtweg nicht ins politische Konzept.
Wenn Zahlen zur Bedrohung werden
Die Vorgeschichte liest sich wie ein Lehrstück über autokratische Tendenzen: Als die Statistikbehörde unerwartet schwache Arbeitsmarktdaten veröffentlichte – darunter einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent –, reagierte Trump mit der für ihn typischen Mischung aus Wut und Verschwörungstheorien. Über soziale Medien bezichtigte er die Behörde der Manipulation, die darauf abziele, ihn und die Republikaner "schlecht aussehen zu lassen". Belege für diese schwerwiegenden Anschuldigungen? Fehlanzeige.
Die bisherige Behördenleiterin Erika McEntarfer musste daraufhin ihren Hut nehmen. Ein Schicksal, das in Trumps Amerika offenbar jeden ereilen kann, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Dass ausgerechnet ein ehemaliger Chefökonom der erzkonservativen Heritage Foundation ihre Nachfolge antritt, dürfte kaum Zufall sein.
Der neue Mann: Loyalität statt Expertise?
E.J. Antoni bringt für seine neue Position vor allem eine Qualifikation mit: bedingungslose Loyalität gegenüber Trump. Während er die Politik seines neuen Chefs in den höchsten Tönen lobt, übte er an Trumps Vorgänger Joe Biden stets scharfe Kritik. Die Wirtschaft befinde sich in einem "Boom", verkündete Trump vollmundig bei der Ernennung – eine Behauptung, die angesichts der jüngsten Daten zumindest fragwürdig erscheint.
Besonders pikant: Antoni soll nun ausgerechnet jene Behörde leiten, deren Methoden er jahrelang in Frage gestellt hatte. Man stelle sich vor, ein notorischer Kritiker der Schulmedizin würde zum Gesundheitsminister ernannt – die Parallelen sind frappierend.
Die schleichende Erosion der Glaubwürdigkeit
Was hier geschieht, ist mehr als nur eine weitere Episode im politischen Theater Washingtons. Es geht um das Fundament jeder funktionierenden Marktwirtschaft: verlässliche Daten. Bereits jetzt zeigen sich besorgniserregende Entwicklungen. Die Rücklaufquote bei den Unternehmensumfragen des BLS ist von 80,3 Prozent im Oktober 2020 auf magere 67,1 Prozent gesunken. Personalabbau hat dazu geführt, dass der Umfang der Datenerhebung für die Inflationsberechnung reduziert werden musste.
Eine Reuters-Umfrage brachte Erschreckendes zutage: 89 von 100 führenden Politikexperten hegen zumindest gewisse Bedenken hinsichtlich der Qualität der US-Wirtschaftsdaten. Wenn selbst Fachleute an der Verlässlichkeit zweifeln, wie sollen dann Investoren, Unternehmen und internationale Partner noch Vertrauen haben?
Die Warnung der Experten
"Die Politisierung wirtschaftlicher Statistiken ist ein selbstzerstörerischer Akt. Glaubwürdigkeit geht viel leichter verloren als sie wiederherzustellen."
Diese mahnenden Worte von Michael Madowitz vom Roosevelt Institute könnten prophetischer nicht sein. Die Glaubwürdigkeit amerikanischer Wirtschaftsdaten sei das Fundament, auf dem die stärkste Volkswirtschaft der Welt aufgebaut sei, warnt der Chefökonom. Doch genau dieses Fundament wird nun mutwillig untergraben.
Ein gefährlicher Präzedenzfall
Was wir hier beobachten, erinnert fatal an Praktiken, die man eher aus autoritären Regimen kennt. Wenn Daten nicht mehr der Realität, sondern der politischen Agenda folgen, verlieren sie ihren Wert. Investoren brauchen verlässliche Informationen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Unternehmen benötigen akkurate Daten für ihre Planungen. Die gesamte Weltwirtschaft ist auf die Integrität amerikanischer Wirtschaftsstatistiken angewiesen.
In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr der Wert von Sachwerten wie Gold und Silber. Während Papierwährungen und Finanzmärkte auf dem Vertrauen in staatliche Institutionen basieren, behalten physische Edelmetalle ihren intrinsischen Wert – unabhängig davon, welche Zahlen gerade politisch opportun erscheinen. Sie bieten einen soliden Anker in einem Meer der Unsicherheit und sollten in keinem ausgewogenen Portfolio fehlen.
Die Entwicklungen in den USA sollten uns alle alarmieren. Wenn selbst in der vermeintlich stabilsten Demokratie der Welt Wirtschaftsdaten zum politischen Spielball werden, stellt sich die Frage: Wem können wir noch trauen? Die Antwort liegt möglicherweise nicht in Statistiken und Versprechen, sondern in handfesten Werten, die seit Jahrtausenden Bestand haben.