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Trump in Davos: Unbequeme Wahrheiten zwischen Prahlerei und Provokation

Trump in Davos: Unbequeme Wahrheiten zwischen Prahlerei und Provokation

Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos einmal mehr bewiesen, warum er die politische Klasse Europas so zuverlässig in Aufruhr versetzt. Donald Trump lieferte eine Rede, die erwartungsgemäß polarisierte – und genau das war wohl auch die Absicht. Während seine Kritiker reichlich Material für ihre gewohnte Empörung sammelten, konnten aufmerksame Zuhörer durchaus substanzielle Botschaften vernehmen.

Selbstlob im Superlativ

Wer Trump kennt, weiß: Bescheidenheit gehört nicht zu seinen Tugenden. Minutenlang besang der US-Präsident die wirtschaftlichen Erfolge seiner Amtszeit. Die Wirtschaft boome, das Wachstum explodiere, Produktivität, Investitionen und Einkommen stiegen – „so etwas hat man seit hundert Jahren nicht gesehen", tönte er in gewohnter Manier. Die Superlativ-Klaviatur wurde bedient, als gäbe es kein Morgen.

Seinen Vorgänger Joe Biden degradierte er erwartungsgemäß zum „Sleepy Joe", Europa beschrieb er als Kontinent, auf dem man „gewisse Orte nicht wiedererkennt". Die Umweltpolitik und insbesondere Windräder wurden zur Zielscheibe seines Spotts – China produziere sie, und „stupide Menschen kaufen sie". Selbst die Schweiz, Gastgeberland des Forums, blieb nicht verschont. Ein „unglaublich brillanter Ort" sei sie zwar, aber „ohne uns wäre sie nicht mehr die Schweiz".

Grönland: Vom Wunsch zur Drohung?

Das arktische Eiland bleibt Trumps Obsession. Alles, was er wolle, sei „ein großes, wunderschönes Stück Eis", erklärte er dem versammelten Wirtschaftsadel. Amerika habe historisch viel für den Schutz Grönlands getan, nun müsse man es zur eigenen Verteidigung besitzen. Immerhin – und das war neu – gelobte er, die Insel nicht mit Gewalt anzueignen. Doch der Nachsatz klang wie eine kaum verhüllte Drohung: Sollte er Grönland nicht bekommen, werde man sich daran erinnern.

Trump-Kritiker wittern darin bereits eine Warnung, der Präsident könnte sich im Falle einer Ablehnung von der NATO abwenden. Eine Interpretation, die angesichts der ohnehin angespannten transatlantischen Beziehungen nicht völlig abwegig erscheint.

Unbequeme Wahrheiten für Europa

Doch zwischen Prahlerei und Provokation fanden sich auch Passagen, die Europa zum Nachdenken zwingen sollten. Trumps Kritik an der NATO-Lastenteilung mag manchem abgedroschen erscheinen, falsch ist sie deshalb nicht. Seit Jahrzehnten fungieren die Amerikaner als Zahlmeister und Sicherheitsgarant des Bündnisses – ohne dass aus den europäischen Hauptstädten ein Dankeschön zu vernehmen wäre.

Zutreffend ist auch sein Hinweis, dass Dänemark und die europäischen NATO-Partner Grönland sträflich vernachlässigt haben. Die strategische Bedeutung der Arktis wurde jahrzehntelang ignoriert, während Russland und China ihre Präsenz in der Region systematisch ausbauten.

Ein Weckruf für den alten Kontinent

Besonders bemerkenswert war Trumps Fingerzeig auf die „gravierenden" Folgen einer „destruktiven Politik" in Europa: geringeres Wirtschaftswachstum, niedrigerer Lebensstandard, sinkende Geburtenraten, sozial destabilisierende Migration, größere Anfälligkeit gegenüber feindlichen ausländischen Gegnern und deutlich kleinere Streitkräfte. Eine Diagnose, die man als europäischer Bürger nur schwer von der Hand weisen kann.

Wer die Entwicklung in Deutschland beobachtet – die wirtschaftliche Stagnation, die demographische Krise, die Migrationsproblematik, die marode Infrastruktur – muss zugeben: Trump hat einen wunden Punkt getroffen. Bisweilen wünscht man sich tatsächlich, die eigene Regierung würde sich mit ähnlicher Vehemenz für die Interessen des eigenen Volkes einsetzen.

Ein Satz, der bleibt

An Inspiration hatte Trump insgesamt wenig zu bieten. Doch ein Satz zum Schluss seiner überlangen Rede verdient es, in Erinnerung zu bleiben: „Wir müssen diese Kultur verteidigen und den Geist wiederentdecken, der den Westen aus den Tiefen des Mittelalters zum Höhepunkt menschlicher Errungenschaften geführt hat."

Es ist eine Botschaft, die in Zeiten kultureller Selbstverleugnung und identitätspolitischer Verirrungen geradezu revolutionär klingt. Während in Europa traditionelle Werte zunehmend als rückständig diffamiert werden, während Familie, Nation und kulturelles Erbe dem Zeitgeist geopfert werden sollen, erinnert ausgerechnet der oft als Populist geschmähte Trump daran, was den Westen einst groß gemacht hat.

Man muss Trump nicht mögen, um anzuerkennen: Er ist der einzige Politiker von Weltrang, der ohne Rücksicht auf diplomatische Befindlichkeiten Tacheles redet. Ob das klug ist, steht auf einem anderen Blatt. Dass es erfrischend ist in einer Welt der politischen Phrasendrescherei, lässt sich kaum bestreiten.

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