
Traum vom Eigenheim geplatzt: Europas Jugend wird zur Mieter-Generation

Die eigenen vier Wände werden für junge Europäer zum Luxusgut. Ein neuer Bericht der OECD zeigt, dass heutige Jahrgänge deutlich seltener Wohneigentum besitzen als ihre Eltern im gleichen Alter. Deutschland steht dabei besonders schlecht da.
Leistung soll sich lohnen, heißt es in Sonntagsreden. Fleiß, Sparsamkeit und am Ende das eigene Haus: So lautete jahrzehntelang das Versprechen an die Mittelschicht. Die Zahlen der Industrieländer-Organisation zeichnen ein anderes Bild.
Acht Prozentpunkte in nur zehn Jahren verloren
Die OECD hat für ihren Bericht „Mapping trends and gaps in household wealth across OECD countries“ Daten aus 20 EU-Staaten ausgewertet. Von den um 1975 Geborenen lebten mit 32 Jahren 60 Prozent in den eigenen vier Wänden. Beim Jahrgang 1985 waren es nur noch 52 Prozent.
Noch drastischer fällt der Blick auf die ganz Jungen aus. Mit 29 Jahren besaßen 52 Prozent der 1980er-Kohorte ein Eigenheim, beim Jahrgang 1990 waren es gerade einmal 41 Prozent. Und mit 23 Jahren? Da schrumpfte die Quote von 32 Prozent (Jahrgang 1985) auf 26 Prozent (Jahrgang 1990).
Bei den Älteren herrscht dagegen bemerkenswerte Stabilität. Wer 1960, 1965 oder 1970 geboren wurde, kam mit 46 Jahren fast durchweg auf rund 70 Prozent Eigentümerquote. Die Kluft betrifft damit vor allem die Jüngeren, und sie wird größer.
Preise galoppieren, Löhne kriechen
Die Gründe? Laut OECD-Fachleuten wirkten mehrere Faktoren zusammen. Seit 2021 hätten steigende Zinsen Kredite massiv verteuert. Gleichzeitig seien die Hauspreise vielerorts deutlich schneller gestiegen als die Einkommen.
„Das relativ schwache Lohnwachstum schmälert die Erschwinglichkeit zusätzlich. Für Erstkäuferinnen und Erstkäufer wird es dadurch schwerer, genügend Eigenkapital für die Anzahlung anzusparen und überhaupt einen Kredit zu bekommen.“
Hinzu komme, dass mehr junge Menschen studierten und damit später ins Berufsleben einstiegen. Befristete Jobs erschwerten den Vermögensaufbau zusätzlich. Jonathan Cribb vom britischen Institute for Fiscal Studies ergänzt, dass viele selbst mit solidem Eigenkapital schlicht nicht genug Kredit bekämen, um in ihrer Region zu kaufen.
Irland stĂĽrzt ab, der Osten zieht davon
Beim OECD Employment Outlook 2025 fällt der Ländervergleich teils dramatisch aus. Bei den 30- bis 39-Jährigen verzeichnet der Bericht seit Mitte der 1990er-Jahre diese Rückgänge:
- Irland: von 81 auf 53 Prozent
- Griechenland: von 78 auf 58 Prozent
- Vereinigtes Königreich: von 74 auf 56 Prozent
- Spanien: von 77 auf 60 Prozent
- Deutschland und Schweiz: jeweils minus 9 Prozentpunkte
Ausgerechnet ehemals sozialistische Staaten zeigen die Gegenbewegung. In der Slowakei kletterte die Quote von 38 auf 88 Prozent, in Tschechien von 36 auf 76 Prozent, in Polen von 57 auf 77 Prozent. Der Grund liegt laut dem Forscher Ján Výbošťok in der Privatisierung nach 1989. Damals hätten viele Bewohner ihre zuvor staatlichen Wohnungen zu symbolischen Preisen erwerben können.
Deutschland: Mieterland Nummer eins
Für Deutschland ist das ein bitterer Befund. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2025 52,8 Prozent der Bevölkerung zur Miete, so viele wie in keinem anderen EU-Land. Aus Sicht unserer Redaktion hat das auch hausgemachte Gründe: hohe Kaufnebenkosten, immer neue Bauauflagen und eine Energiepolitik, die das Bauen verteuert.
Wer kein Betongold hat, braucht einen Plan B
Eigentum ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist Altersvorsorge, Inflationsschutz und ein Stück Unabhängigkeit. Die OECD warnt selbst vor wachsender sozialer Ungleichheit, wenn ganzen Generationen dieser Weg versperrt bleibt.
Wer heute nicht kaufen kann, muss trotzdem Vermögen aufbauen. Physisches Gold und Silber lassen sich schon in kleinen Schritten ansparen und können als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein. Jahrtausendealt und unabhängig von Zinsentscheidungen der Notenbanken.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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