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Kettner Edelmetalle
21.01.2026
14:57 Uhr

Traditionsreiche Papierfabrik schließt nach über 200 Jahren: Wenn EU-Bürokratie und Energiewahnsinn deutsche Industrie vernichten

Es ist ein Trauerspiel, das sich in Mecklenburg-Vorpommern abspielt – und doch nur ein weiterer Dominostein in der schleichenden Deindustrialisierung Deutschlands. Die Papierfabrik der Melitta-Gruppe in Neu Kaliß wird zum 31. März ihre Tore für immer schließen. Ein Werk, das seit 1799 produziert, das Weltkriege, Enteignungen und sogar den Zusammenbruch der DDR überlebte, kapituliert nun vor dem, was man euphemistisch als „moderne Wirtschaftspolitik" bezeichnet.

Eine Geschichte, die länger währt als manches Kaiserreich

Die Wurzeln dieser Fabrik reichen zurück in eine Zeit, als Napoleon noch Europa in Atem hielt. Seit 1871 ratterten dort Maschinen zur Papierherstellung. Generationen von Arbeitern haben in diesem Werk ihr Brot verdient, haben Spezialpapiere gefertigt – von Kaffeefilterpapier über Tapetenvliese bis hin zu Bierdeckchen und medizinischen Krepppapieren. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Melitta-Unternehmensgruppe 1992 den Standort und führte die Tradition fort.

Nun stehen 115 Beschäftigte vor dem Nichts. Menschen, die teilweise ihr ganzes Berufsleben diesem Werk gewidmet haben, werden auf die Straße gesetzt. Und das Perfide daran: Es handelt sich nicht etwa um eine Insolvenz. Die Melitta-Gruppe wirtschaftet profitabel, betreibt weltweit 59 Standorte auf fünf Kontinenten. Nur eben nicht mehr in Neu Kaliß.

Die wahren Schuldigen: Energiepreise und Brüsseler Regulierungswut

Was hat dieses traditionsreiche Werk in die Knie gezwungen? Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: explodierende Energiekosten und eine EU-Bürokratie, die jedes Maß verloren hat. Die sogenannte EUDR-Verordnung – auch als Entwaldungsverordnung bekannt – zwingt Papierhersteller dazu, für jeden Baum, dessen Holz sie verarbeiten, detaillierte Nachweise zu erbringen. Exakte Geolokalisierungsdaten der Produktionsflächen, Belege zum Erntezeitpunkt, Produktbezeichnungen – ein bürokratischer Irrsinn, der Unternehmen in den Wahnsinn treibt.

Hinzu kommen die CSDDD-Vorgaben zur Lieferkettenkontrolle und die Verpackungsverordnung PPWR. Ein regelrechtes Dickicht aus Vorschriften, das selbst kerngesunde Unternehmen in die Verzweiflung treibt. Während in Brüssel Bürokraten neue Formulare erfinden, sterben in Deutschland Arbeitsplätze.

Rohstoffpreise außer Kontrolle

Als wäre das nicht genug, explodierten auch die Rohstoffpreise. Laut Statistischem Bundesamt stieg der Zellstoffpreis allein von Januar bis September 2021 um rund 45 Prozent. Die Altpapierpreise im Großhandel schossen sogar um unfassbare 222 Prozent in die Höhe. Gestörte Lieferketten seit der Corona-Krise, eine verfehlte Energiepolitik, die Deutschland zum Hochpreisland gemacht hat – all das summiert sich zu einem toxischen Cocktail für die heimische Industrie.

Ein Muster der Zerstörung

Die Schließung in Neu Kaliß ist kein Einzelfall. Erst im Dezember rutschte die traditionsreiche Papierfabrik Feldmühle aus Uetersen in die Insolvenz – ein Unternehmen, das seit 1904 Papier herstellte. Die deutsche Papierindustrie befindet sich im freien Fall, und niemand in Berlin oder Brüssel scheint sich daran zu stören.

Was für eine bittere Ironie: Ein Werk, das zwei Weltkriege, die Wirren der Nachkriegszeit und die sozialistische Planwirtschaft der DDR überstanden hat, wird nun von einer Politik zerstört, die vorgibt, das Beste für Umwelt und Wirtschaft zu wollen. Die Realität sieht anders aus: Arbeitsplätze verschwinden, Traditionen werden ausgelöscht, und die Produktion wandert in Länder ab, die sich einen Dreck um europäische Umweltstandards scheren.

Die Rechnung zahlt der kleine Mann

Am Ende sind es wieder die einfachen Arbeiter, die den Preis für diese verfehlte Politik zahlen. 115 Familien in einer strukturschwachen Region, die nun um ihre Existenz bangen müssen. Während Politiker in klimatisierten Büros über Entwaldungsverordnungen philosophieren, verlieren Menschen ihre Lebensgrundlage.

Die Melitta-Gruppe wird weitermachen – in Südamerika, Asien und den USA. Dort, wo Energie bezahlbar ist und Bürokraten nicht jeden Handgriff dokumentiert haben wollen. Deutschland hingegen entwickelt sich zum Museum seiner eigenen Industriegeschichte. Noch stehen die alten Fabrikhallen, doch bald werden sie nur noch stumme Zeugen einer Zeit sein, in der dieses Land noch etwas produzierte.

Man fragt sich unwillkürlich: Wie viele Traditionsunternehmen müssen noch schließen, bevor die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel aufwachen? Die Antwort kennt vermutlich niemand – aber die Dominosteine fallen weiter, einer nach dem anderen.

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