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Kettner Edelmetalle
10.02.2026
06:56 Uhr

Taiwans klare Ansage an Washington: Verlagerung der Chipproduktion „unmöglich"

Es ist eine diplomatische Ohrfeige, die es in sich hat: Taiwans oberste Handelsunterhändlerin hat den ambitionierten Plänen der Trump-Administration, 40 Prozent der taiwanesischen Halbleiterproduktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern, eine unmissverständliche Absage erteilt. Das Wort, das Vizepremierministerin Cheng Li-chiun in einem Fernsehinterview wählte, könnte kaum deutlicher sein: „unmöglich".

Ein über Jahrzehnte gewachsenes Ökosystem lässt sich nicht verpflanzen

Was sich so simpel anhört – Fabriken abbauen, Container packen, in Arizona wieder aufbauen – ist in Wahrheit eine Illusion von geradezu grotesker Naivität. Taiwans Halbleiter-Ökosystem ist das Ergebnis jahrzehntelanger strategischer Aufbauarbeit, tief verwurzelter Lieferketten und eines hochspezialisierten Arbeitskräftepools, der weltweit seinesgleichen sucht. Man kann einen Baum nicht einfach mitsamt seinen Wurzeln in einen anderen Kontinent verpflanzen und erwarten, dass er dort genauso gedeiht.

Cheng stellte klar, dass Taiwans internationale Expansion – einschließlich der erheblichen Investitionen in den USA – auf der Prämisse beruhe, dass die Industrie in Taiwan verwurzelt bleibe und die heimischen Investitionen weiter ausgebaut würden. Eine Position, die angesichts der geopolitischen Realitäten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitspolitisch Sinn ergibt.

Lutnicks großspurige Versprechen treffen auf die Realität

Die Forderung nach einer 40-prozentigen Verlagerung stammte von US-Handelsminister Howard Lutnick, der diese Zielvorgabe im Januar in einem Interview formuliert hatte – kurz nach dem jüngsten Handelsabkommen zwischen Washington und Taipeh. Lutnick sprach damals von „gigantischen Halbleiter-Industrieparks in Amerika" und einer „Anzahlung von 500 Milliarden Dollar". Klingt beeindruckend. Doch zwischen vollmundigen Ankündigungen und der industriellen Wirklichkeit klafft ein Abgrund.

Zwar hat Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), der weltweit führende Auftragsfertiger für die fortschrittlichsten Chips, bereits mehr als 65 Milliarden Dollar in US-Produktionsstätten zugesagt und plant eine Ausweitung auf 165 Milliarden Dollar. Das Unternehmen fertigt Halbleiter für amerikanische Schwergewichte wie Apple und Nvidia und profitiert dabei auch von Zuschüssen aus dem US-amerikanischen CHIPS and Science Act. Doch Washington will mehr – viel mehr. Hunderte kleinerer Zulieferer sollen ebenfalls in die USA gelockt werden.

Die Drohkulisse: 100 Prozent Strafzölle

Präsident Trump hat bekanntlich nicht mit Drohungen gespart. Taiwanesische Chipunternehmen, die keine Produktion in den USA aufbauen, könnten mit Strafzöllen von bis zu 100 Prozent belegt werden. Eine Keule, die zwar einschüchternd wirkt, aber letztlich auch amerikanische Technologieunternehmen empfindlich treffen würde. Denn wer zahlt am Ende die Zeche? Der amerikanische Verbraucher und die US-Industrie, die auf taiwanesische Spitzenchips angewiesen ist wie ein Patient auf seinen Herzschrittmacher.

Der „Silicon Shield" – Taiwans strategische Lebensversicherung

Geopolitische Analysten verweisen seit Jahren auf die sogenannte „Silicon Shield"-Theorie: Taiwans zentrale Rolle in der globalen Chipversorgung macht den Schutz der Insel zu einem strategischen Imperativ für die USA und den gesamten Westen. Solange die fortschrittlichsten Halbleiter der Welt nur in Taiwan gefertigt werden können, hat Washington ein vitales Interesse daran, die Insel vor einer möglichen chinesischen Aggression zu schützen. Peking beansprucht bekanntlich die Souveränität über die demokratisch regierte Insel.

Würde Taiwan nun tatsächlich einen Großteil seiner Chipproduktion in die USA verlagern, würde es diesen Schutzschild selbst demontieren. Es wäre, als würde eine mittelalterliche Burg freiwillig ihren Wassergraben zuschütten. Taiwans Behörden haben dies offenbar erkannt und bereits eine kluge Vorsichtsmaßnahme implementiert: Die sogenannte N-2-Regel schreibt vor, dass TSMCs Werke im Ausland stets mit Technologien arbeiten müssen, die mindestens zwei Generationen hinter der in Taiwan eingesetzten Spitzentechnologie zurückliegen.

Ein Lehrstück über die Grenzen wirtschaftlicher Machtpolitik

Was wir hier beobachten, ist ein faszinierendes Kräftemessen zwischen dem mächtigsten Land der Erde und einer kleinen Insel, die über etwas verfügt, das mit Geld allein nicht zu kaufen ist: technologische Exzellenz und ein über Generationen aufgebautes industrielles Ökosystem. Halbleiteranalysten weltweit stimmen Chengs Einschätzung weitgehend zu. Die Hindernisse sind gewaltig – von chronischem Fachkräftemangel in den USA über drastisch höhere Produktionskosten bis hin zur schlichten Unmöglichkeit, eine derart komplex vernetzte Lieferkette innerhalb einer Amtszeit zu replizieren.

Für Europa und insbesondere Deutschland sollte dieser Konflikt ein Weckruf sein. Während die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt um die Kontrolle über die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts ringen, hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren ihre industrielle Basis sträflich vernachlässigt. Statt in Zukunftstechnologien zu investieren, hat man sich in ideologischen Debatten verloren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland systematisch untergraben. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz täte gut daran, aus Taiwans Beispiel zu lernen: Technologische Souveränität ist kein Luxus, sondern eine Überlebensfrage.

In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es für den einzelnen Bürger ist, sein Vermögen breit aufzustellen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher bewährt – gerade dann, wenn politische Machtspiele die globalen Lieferketten erschüttern und die Stabilität ganzer Industrien in Frage stellen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.

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