
Supreme Court kippt Trumps Zollpolitik – und der Präsident schlägt sofort zurück
Was für ein Tag an den Finanzmärkten: Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat am Freitag die weitreichenden Importzölle von Präsident Donald Trump für verfassungswidrig erklärt – nur um wenige Stunden später zu erleben, wie der unbeirrbare Republikaner per Dekret einen pauschalen Zehn-Prozent-Globalzoll anordnete. Ein politisches Schauspiel, das die Märkte in Atem hält und einmal mehr zeigt, wie fragil das globale Finanzsystem geworden ist.
Das Urteil: Ein Schlag ins Kontor der Handelspolitik
Die Richter des Supreme Court bestätigten die Entscheidung einer niedrigeren Instanz, wonach Trump seine Befugnisse unter dem Gesetz von 1977 – dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) – überschritten habe. Die Zölle, die der Präsident am 2. April 2025 unter dem martialischen Titel „Liberation Day" verhängt hatte, seien demnach rechtswidrig gewesen. Die Konsequenz könnte gewaltig sein: Zwischen 150 und 200 Milliarden Dollar müsste die US-Regierung möglicherweise an amerikanische und ausländische Unternehmen zurückzahlen, die diese Abgaben entrichtet haben. Ökonomen des Penn-Wharton Budget Model beziffern die Rückerstattungssumme auf rund 175 Milliarden Dollar.
Doch so klar das Urteil auf den ersten Blick erscheint, so unklar bleiben die Details. Die Richter äußerten sich nicht dazu, ob und wie genau die Rückzahlungen abgewickelt werden sollen. Richter Brett Kavanaugh warnte bereits in seiner abweichenden Meinung, dass dies zu einem „heillosen Durcheinander" werden könnte. Eine Einschätzung, die angesichts der Komplexität der Materie kaum übertrieben sein dürfte.
Die Märkte reagieren – verhalten und nervös
Die unmittelbare Reaktion an der Wall Street fiel zunächst positiv aus. Der S&P 500 legte kurzzeitig um etwa 0,5 Prozent zu, gab die Gewinne jedoch rasch wieder ab und notierte zur Mittagszeit nur noch 0,12 Prozent im Plus. Einzelhändler und Konsumgüteraktien profitierten anfänglich, doch der SPDR S&P Retail ETF drehte bis Mittag sogar ins Minus und verlor 0,8 Prozent. Ein ernüchterndes Bild.
Weitaus beunruhigender war die Entwicklung am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,09 Prozent – ein Anstieg, der auf den ersten Blick marginal erscheint, dessen Ursache jedoch Sprengkraft birgt. Denn wenn die Regierung tatsächlich dreistellige Milliardenbeträge zurückerstatten muss, wächst das ohnehin astronomische Haushaltsdefizit weiter an. Phil Blancato, Chef-Marktstratege bei Osaic, brachte es auf den Punkt: Die Anleiherenditen seien gestiegen, weil das US-Finanzministerium nun möglicherweise erhebliche Summen an Unternehmen zurückzahlen müsse, was zu einem höheren Defizit und einer potenziellen Verschlechterung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten führen könnte.
Die „Bond Vigilantes" lauern
Besonders brisant ist die Frage, wie die sogenannten „Bond Vigilantes" – jene mächtigen Anleiheinvestoren, die Regierungen für fiskalische Disziplinlosigkeit abstrafen – auf die Entwicklung reagieren werden. Bereits im April 2025 hatte ein Crash am Anleihemarkt die Trump-Administration gezwungen, ihre Zollpläne zu mäßigen und Teile der Abgaben auszusetzen. Die Erinnerung daran sitzt tief.
Das Urteil stellt zudem Billionen von Dollar an prognostizierten Zolleinnahmen für das kommende Jahrzehnt infrage – Gelder, die eigentlich dazu dienen sollten, den gewaltigen Schuldenberg von 30 Billionen Dollar zu bedienen. Wenn diese Einnahmequelle wegbricht, steht die gesamte fiskalische Planung der US-Regierung auf tönernen Füßen.
Trumps Antwort: Der Zehn-Prozent-Hammer
Doch wer Donald Trump kennt, weiß: Dieser Mann gibt nicht auf. Nur Stunden nach dem Urteil kündigte der Präsident an, per Exekutivorder einen temporären globalen Zoll von zehn Prozent zu verhängen – gestützt auf andere rechtliche Grundlagen als das nun für ungültig erklärte IEEPA-Manöver. Gleichzeitig deutete er an, dass die Zinsen „substanziell" sinken sollten, und verwies dabei auf seinen designierten Nachfolger für den Posten des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell.
Einige Investoren zeigten sich von der Reaktion des Weißen Hauses wenig überrascht. Jeff Leschen von Bramshill Investments erklärte, die Trump-Administration habe vermutlich Notfallpläne in der Schublade gehabt. Er erwarte keine größeren Revisionen der S&P-Jahresziele. Nick Rees von Monex Europe in London mahnte hingegen zur Vorsicht: Ob die Marktreaktion Bestand habe, werde von den Details abhängen – insbesondere davon, in welchem Umfang die Bundesregierung tatsächlich Rückzahlungen leisten müsse.
Was bedeutet das für Europa und Deutschland?
Für die europäische und insbesondere die deutsche Wirtschaft bleibt die Lage angespannt. Die zwanzigprozentigen Zölle auf EU-Importe, die Trump verhängt hatte, stehen nun zwar juristisch auf wackeligem Boden, doch der neue Zehn-Prozent-Globalzoll zeigt, dass der protektionistische Kurs des Weißen Hauses keineswegs beendet ist. Deutsche Automobilhersteller, Maschinenbauer und Chemiekonzerne – sie alle bleiben im Fadenkreuz einer unberechenbaren amerikanischen Handelspolitik.
Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, die deutsche Exportwirtschaft in diesem turbulenten Umfeld zu schützen. Ob das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur dabei hilft oder die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärft, bleibt abzuwarten. Eines ist jedenfalls klar: In Zeiten, in denen selbst die mächtigste Volkswirtschaft der Welt ihre Schulden kaum noch bedienen kann und Gerichte die Wirtschaftspolitik des Präsidenten kassieren, gewinnen sichere Häfen an Bedeutung.
Physische Edelmetalle wie Gold und Silber erweisen sich in solchen Phasen extremer Unsicherheit einmal mehr als verlässlicher Anker im Portfolio. Während Anleiherenditen schwanken, Aktienmärkte nervös zucken und politische Entscheidungen über Nacht Milliardenwerte vernichten können, bietet das greifbare Edelmetall jene Stabilität, die in Papierversprechen längst nicht mehr zu finden ist.
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