
Südkoreas Ex-First Lady hinter Gittern: Wenn die Macht-Elite endlich zur Rechenschaft gezogen wird
Ein seltener Moment der Gerechtigkeit in der sonst so korrupten Welt der Politik: Südkoreas ehemalige First Lady Kim Keon Hee wurde verhaftet. Das Gericht in Seoul erließ spät am Dienstagabend einen Haftbefehl gegen sie wegen Korruptionsvorwürfen, die sie vehement bestreitet. Damit gesellt sie sich zu ihrem Ehemann, dem im April abgesetzten Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol, der bereits wegen seines gescheiterten Versuchs, im Dezember das Kriegsrecht zu verhängen, im Gefängnis sitzt.
Ein historischer Präzedenzfall
Kim ist die erste ehemalige First Lady Südkoreas, die jemals verhaftet wurde. Ein Novum, das zeigt, dass selbst die höchsten Kreise der Macht nicht über dem Gesetz stehen sollten. In schwarzem Anzug gekleidet, verneigte sie sich bei ihrer Ankunft vor Gericht, beantwortete jedoch keine Fragen der Reporter. Nach der Anhörung wartete sie, wie es üblich ist, in einem Seouler Haftzentrum auf die Urteilsverkündung.
Die gegen sie erhobenen Anklagen könnten zu jahrelangen Haftstrafen führen. Das Spektrum reicht von Aktienbetrug über Bestechung bis hin zu illegaler Einflussnahme. Ein wahres Panoptikum der Korruption, in das Geschäftsleute, religiöse Persönlichkeiten und politische Strippenzieher verwickelt sein sollen.
Luxus auf Kosten der Steuerzahler?
Besonders pikant ist der Vorwurf, sie habe bei einem NATO-Gipfel 2022 einen Van Cleef-Anhänger im Wert von über 60 Millionen Won (etwa 43.000 US-Dollar) getragen, ohne diesen ordnungsgemäß in der finanziellen Offenlegung des Paares anzugeben. Kim behauptet zwar, es handle sich um eine vor 20 Jahren in Hongkong erworbene Fälschung, doch die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Das Schmuckstück sei echt und von einer heimischen Baufirma als Geschenk überreicht worden.
Weitere Vorwürfe betreffen zwei Chanel-Handtaschen im Gesamtwert von 20 Millionen Won und eine Diamantkette, die sie von einer religiösen Gruppe als Bestechung für geschäftliche Gefälligkeiten erhalten haben soll. Die Staatsanwaltschaft begründete den Haftbefehl mit der Gefahr der Beweisvernichtung und der Behinderung der Ermittlungen.
Der tiefe Fall einer Macht-Dynastie
Während Kim ihre Unschuld beteuert und ihre Anwälte die Vorwürfe als haltlose Spekulationen abtun, sitzt ihr Ehemann bereits wegen Hochverrats vor Gericht. Ihm drohen lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe. Der ehemalige Präsident, der sich auch wegen Amtsmissbrauchs verantworten muss, bestreitet jegliches Fehlverhalten und weigert sich, an den Verhandlungen teilzunehmen oder sich von der Staatsanwaltschaft befragen zu lassen.
Diese Entwicklung in Südkorea sollte uns eine Lehre sein: Korruption und Machtmissbrauch müssen konsequent verfolgt werden, egal wie hoch die Position der Beschuldigten ist. Während in Deutschland die politische Elite oft mit Samthandschuhen angefasst wird und Skandale unter den Teppich gekehrt werden, zeigt Südkorea, dass Gerechtigkeit möglich ist – wenn der politische Wille vorhanden ist.
Es bleibt zu hoffen, dass auch hierzulande eines Tages diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die ihre Macht missbrauchen und sich auf Kosten der Bürger bereichern. Die deutsche Politik könnte sich ein Beispiel an der südkoreanischen Justiz nehmen, die offenbar keine Angst davor hat, auch gegen die Mächtigsten vorzugehen.
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